1199
Literatur. Außer den bereits erwähnten Wer-
ken: N. v. Bahder, Grundlagen d. nhd. Lautſyſt.
(1890) ; KR. J. Berker, Der deutſche Stil (*1863,
neubearb. von D. Lyon) ; OD. Behaghel, Die dent»
ſche Sprache (81911); M. Cvers, Deutſche Sprache
u. Lit.-Geſch. i. Abriß. 1: Sprach» u. Stilgejch.
(1899) ; R. Frißſch, Die deutſche Saßlehre 2.
(1910); Th. Gartner, Öſterr. Schriſtdeutſch (1910;
40 dſterr. Fehler geg. d. Sprachlehre); A. Heinhe,
Gut Deutſch (121913); IJ. GC. R. Heyſe, Deutſche
Gramm. od. Lehrb. d. deutſch. Sprache (221914,
vollſtänd. umgearb. von O. Lyon, hr8g. v. W.
Scheel) ; N. Hildebrand , Vom deutſc unterr. ac. ('*1913); O. Lyon, Handb. d. deutſch.
Spr. (1885; i. verſch. Aufl. u. Ausg.) ; H. Sc der, Der Bilderſchmucl d. deutſch. Spr. (71912);
2u8 d. Wundergarten d. deutſch. Spr. (1896); O.
Weiſe, Unſre Mutterſprache, ihr Werden u. ihr
Weſen (*1912) ; derſ., Äſthetik d. deutſch. Spr.
(*1909); derſ., Deutſ (*?1906) ; der]., Muſterbeiſpiele 3. deutſch. Stillehre
(*1914) ; W. Wilmanns, Deutſch. Gramm. ([l
519143, 11 ?1911, 111 ?1906/09).
[N. Scheid 8. J.]
Sprachſtörungen ſ. Sprachſehler.
Sprachſünden (Sprachgefühl) ſ. Sprach-
reinigung.
Sprachunterricht |. Grammatik; ferner
die Art. : Deutſcher, Engliſcher, Franzöſiſcher,
Griechiſcher, Hebräiſcher, Lateiniſcher S., Sprach»
vergleichung, Sprachwiſſenſchaſt.
Sprachunterricht (deutſcher) im Zwei-
ſprachengebiet |. Zweiſprachige Schulen.
Sprachverein, Allgemeiner Deuiſcher,
ſ. Sprachreinigung, Abſchn. 11 u. 11.
Sprachvergleichung, 1. Weſen der S.
y. ihre Gegenſtände innerhalb der Schule.
Die S. beſteht in der Heransſtellung der Ähnlich»
keiten 11. der Unterſchiede verſchiedener Sprachen,
aber auc< der Mundarten u. der Entwicklungs»
ſiuſen einer Sprache, u. zwar nad den zwei
Nichtungen der Sprachſorm u. der Spra»
materie. -- Für unſre höhern Schulen kommen
als Vergleichögegenſtände in Betracht natürlic
nur die in ihnen gelehrten Sprachen. Dazu nod)
innerhalb der Mutterjprache die den Schülern
naheliegende Mundart (f. d.), deren ſprachwiſſen»
ſchaftliche Bedeutung troß R. Hildebrand (Vom
deutſchen Sprachunterricht in der Schule [1867,
*1890)) in den Schulen nod zu wenig gewür»
digt wird, u. die Entwicklungsſtuſen der Mutter-
ſprache, vor allem das Mittelhochdeutſche. Dieſe3
Gebiet der S. wird zwar gewöhnlich al8 Sprach-
geſchichte bezeichnet, iſt aber im Grunde nichts
andres al3 Vergleichung. Wo ſic Gelegenheit
bietet, wird man anch auf Altſranzöjiſch (Straß»
burger Eide u. dgl.) u. Altlateiniſch (Zwölſtaſel»
geſe, Scipionengrabſchriften u. dgl.) zurückgehen,
während innerhalb des Griechiſchen ſchon die Be»
ſchäſtigung mit Homer zum Vergleich zwiſchen
dem äoliſch-ioniſchen u. dem attiſchen Dialelte
drängt, u. die Lektüre der Lyriker u. der Chor»
geſänge der Tragiker auch auf den doriſchen Dia»
Sprachſtörungen =- Sprachvergleichung.

1200
lett hinweiſt, die Lektüre de8 griechiſchen Neuen
Teſtaments zum Vergleich der ſpätern griechiſchen
Gemeinſprache mit ſrühern Entwielungsſtufen des
Griechiſchen Anlaß gibt. Jedenfalls darf nur das
zum Vergleich herangezogen werden, was der
Schüler aun Sprachgut bereits beſißt.
11. Zweik der S. 1. Der Zwelk ſprachver-
gleichender Betrachtungen in der Schule kann
rein wiſſenſchaftlich ſein: Erkenntnis der ſprach»
lichen Zuſammengehörigkeit der im Mittelpunkt
unſers Intereſſes ſtehenden Völker, welche die Mög-
lichkeit gibt zu vorſichtigem Nükſchluß auſ ihre
ethnologiſche Verwandtſchaft u. ihre früheſte Ge-
ſchichte, ſerner Einbli> in die wichtigſten Geſeßbe der
Sprachentwielung u. die verſchiedenen Mittel, Ge-
danken auszudrücen u. zu ſormulieren.
2. Dieſer Gewinn an Wiſſen hat aber auch
allgemein didakiiſchen Wert, inſofern dur) ſolche
Beobachtungen der Sinn ſür das Geſemäßige
überhaupt gewet, der Schüler zum wiſſenſchaft
lichen Denken, zum ſelbſtändigen Fragen u. Prü»
fen wie zum Suchen nach geſehmäßigen Zujam»
menhängen erzogen wird, ein pädagogiſches Ziel,
um deſſentwillen ſeit G. Curtius viele für mäßigen
Betrieb der S. in der Schule eintreten.
3. Einen ſpeziell didaktiſchen Nußen ſchaſſt die
S. dur Unterſtüßung der Aneignung der frem»
den Sprachen, um derentwillen ſchon geraume Zeit
ſprachvergleichende Beobachtungen empfohlen wer-
den (Chr. Beek, Die Sprachwiſ]. a. d. höh. Schulen
[1914]). In dieſem Sinne ſpricht ſich P. Cauer
in dem von IJ. Loos hr8g. „Enzyklop. Handb. d.
Erziehungskunde“ (1 611 ſſ) aus für die Anwens
dung der S. ſchon beim Elementarunterricht im
Griechiſchen, weil ſie reiche Hilſe im Erfaſſen des
Neuen u. im ſichern Behalten des Gelernten ge-
währe; lehnt ſie aber mit gutem Recht ab ſür den
Anfang3unterricht im Lateiniſchen, da 9--10»-
jährige Schüler noh zu jung dafür ſind, während
ſür die Tempus8», Modi- u. Saßlehre allerdings
ſprachvergleichende Behandlung ſich wohl empfehle,
weil die Schüler ja ſchon reifer ſeien. Die gleiche
Stellung nimmt P. Dettweiler ein in A. Bau=-
meiſter3 „Handb. d. Erziehung?» u. Unterrichts-
lehre“ 111 (Didaktik u. Methodik d. latein. Unterr.
[*?1906] 29), der durch den vergleichenden Sprach»
unterricht nicht nur die Wiſſenſchaftlichkeit des
Unterrichtöbetriebs geſördert, ſondern an die An-
eignung erleichtert u. die Entwicklung des ſoo.
Sprachgefühls unterſtüßt ſieht. Auch fürs Deutſche
empfehlen F. Streinz (IJ. Loos 1 2 u. 6ſſ) u. a.
ſprachgeſchichtlliche Exkurſe als Hilſ8mittel für
beſſeres Verſtändnis der Wortformen, Wortbil-
dungen u. gewiſſer ſyntaktiſcher Ausdrucksmittel.
111, Didaktiſche u. pſychologiſche Wür-
digung. Der an erſter Stelle genannte theo»-
retiſche Gewinn tritt zurück hinter dem äſthetiſchen,
ethiſchen u. hiſtoriſchen Ertrage de8 Sprach-
ſtudiums u. der Lektüre der Schriftwerke, die im
Original erſaſſjen zu können do< heute als der
vornehmſte Zwe> jener Spracſtudien gilt. Zur

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