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berufen war, empfahl ex ſeinen Geſinnungsgenoſſen
S. dem Miniſter v. Eichhorn, der dieſen nach
einer eingehenden Ausſprache über die Grundſähe
der preußiſchen Schulverwaltung als Hilf8arbeiter
in ſein Kultu3miniſterium berieſ, Die erſte Auſ-
gabe, die S. hier geſtellt wurde, war die Beſichti-
gung des Bolksjchulweſens in Pommern, wo auf
jeine Anregung hin ſtatt der ganzen Bibel als
Schulleſebuch eine Bibliſche Geſchichte al8 Au8zug
ans der Hl, Schriſt u. ein eignes Schulleſebuch
eingeführt wurde. Beide ſollten auf der Stuſe der
Volksöſchule dem Berſtändniſſe de3 kindlichen Gei»
ſte3 angepaßt werden, Als im Febr. 1848 mit
dem Sturze de3 Miniſterinm3 auch Kultusminiſter
v. Eichhorn ſeinen Abſchied nahm, blieb S. in
ſeiner zwar ſchlecht beſoldeten, aber einflußreichen
Stelhmg u. wirlte auch auf die verſchiedenen Nach»
folger Cichhorn3 in konſervativem u. proteſtantiſch»
orthodoxem Sinne. 1848/50 gehörte er auch der
Kammer der preußiſchen Abgeordneten an al3 Mit-
glied der konſervativen Fraktion, u. zwar ſchloß
er ſich der Krenzzeitungs8partei an. Nach der Ol-
müßer Puntktation legte er ſein Mandat nieder u.
widmete ſich ganz ſeinem Amte, in dem ihm nach
der Beruſung Karl Otto v. Naumer3 zum Kultus»
miniſter (19. Dez. 1850) ein weiterer Spielraum
als früher gewährt wurde. Ihm wurde das Volks»
ſchul» u. Lehrerbildungsweſen unterſtellt.
Schon im Jan. 1849 war in Berlin eine Kon»
ſerenz von Seminardirektoren u. Seminarlehrern
zur Beratung einer neuen für ganz Preußen gel»
tenden Schulordnung zuſammengetreten. An einer
ihrer Sißungen nahm auch König Friedrich Wil»
helm IV. teil u, wies nachdrüdlich darauf hin,
daß die revolutionäre Bewegung des verfloſſenen
Jahres einzig „die Schuld der Aſterbildung, der
irreligiöjen Maſſenweisheit“ ſei, die durch die
Schulten als echte Weisheit verbreitet wurde, Er
werde auf dem betretenen Wege fortgehen u. ſich
nicht irre machen laſſen, wenn e3 gelte, dem „un-
heilvollen Einfluß des verpeſteten Zeitgeiſtes ent=
gegenzuwirken“. Das Ergebnis der Beratungen
bildete die Grundlage zu den ſpäter veröffentlichten
vielbefämpften 8 RN equlativen über die Aus»
geſtaltung der evangeliſchen Lehrerſeminare, über
die Vorbildung der evangeliſchen Seminarprä-
paranden u. über Einrichtung u. Unterricht der
evangeliſchen einklaſſigen Elementarſchule. Die
Bedeutung S.5 bleibt e3 in der Geſchichte des
preußiſchen Schulweſen3, daß er dieſe Regulative
ausgearbeitet hat; Miniſter v. Naumer erließ ſie
am 1., 2. un. 3. Okt, 1854. Das Nähere über
den Inhalt diefer 8 wichtigen Erlaſſe, ſowie über
ihre Borzüge, Mängel u. Bekämpfung enthält der
Art. Regulative (f. d.). Unter dem Kultus8miniſter
Adalbert Falk (). d.) wurden die Negulative,
deren Abänderung in der prinzipiellen Grundlage
S. perſönlich ablehnte, wennſchon er ſich ihrer
„Weiterentwiceklung“ (j. Regulative, Abſchn. 1V)
unter dem Miniſter v. Bethmann-Hollweg nicht
widerjehte, abgeſchafft u. unter dem 15. Okt. 1872
Stiſtsöſchulen -- Stil (Stiliſtik).

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durd< die „Allgemeinen Beſtimmungen" (ſ. d.)
erſeht. S. trat darauf al8 Wirklicher Geheimer
Oberregierungsrat ſofort in den Nuheſtand u. ver-
legte noch im Spätherbſt 1872 ſeinen Wohnſißnach
Freiburg i. Br., wo er am 16. Sept. 1878 ſtarb.
11. Beurteilung un. Werke. Wer S. als rück-
ſicht8l1oſem Vertreter der dur die Negulative ge»
kennzeichneten Nichtung der Schulpolitik wirklich
gerecht werden will, darf nicht vergeſſen, daß ſeine
Wirkſamkeit in eine Zeit fiel, in welcher der Fort-
beſtand der Lehrerſeminare in Preußen ernſtlich
geſährdet war, da König Friedrich Wilhelm 1V.
in ihnen die Brutſtätten des revolutionären Geiſtes
ſah. Wenn S. unter dieſen ſchwierigen Verhält=
niſſen in zuſehen wußte, daß die Lehrerbildungsanſtalten
erhalten u. vor ernſtern Eingriſſen in ihren innern
Beſtand bewahrt blieben, ſo iſt ihm das zweiſello8
als ein große8 Verdienſt anzurechnen. Cbenſo
kann nicht beſtritken werden, daß er ſich troß aller
ſeiner Einſeitigkeit um die Entwicklung des preu-
ſiſchen Seminarweſens jener Zeit mit Erſolg be-
müht hat; wie auch er e8 war, der nach 1866
zielbewußt u. ſicher das Volksſchul» u. Seminar-
weſen der neuerworbenen Provinzen in die preu-
iſche Ordnung eingefügt hat.
S. ſelbſt nahm Stellung zu ſeinen Regulativen
in den 4 Schriſten : „Die 3 Preußiſchen Negula-
tive“ (1854, 191872), „Altenſtüce zur Geſchichte
u. zum Verſtändnis der 3 Preußiſchen Negulative“
(1855), „Die Weiterbildung der 3 Preußiſchen
Regulative“ (1861), „Meine Stellung zu den
3 Preußiſchen Negulativen“ (1872). Von ſeinen
ſonſtigen Schriſten ſei noch erwähnt „Der vater»
ländiſche Geſchichtöunterricht" (1842), in dem be=
ſürwortet wird, daß der Geſchichtöunterricht ſich
an die ſog. patriotiſchen Gedenk= u. Feiertage
anſchließen ſolle. S. iſt auch der Begründer des
„Zentratblatte3 ſür die geſamte Unterrichtöverwal-
tung in Preußen" (ſeit 1859).
Literatur. Ferd. S. in „Allg, Dtſch. Biogr."
XXXVI (1893) 180 ſj; K. I. Schneider, Ein halb.
Jahrh. i. Dienſte v. Kirche u. Schule (*1901)
292 fj 302 ff; I. Heß, Der Kampf um d. Schule i.
Preuß. (1912). [K. Hoeber.]
Stiſtsſchulen ſ. Dom- u. Kloſterſchulen,
Stil (Stiliſtik). 1. Über S,. im allgemeinen,
Verhältnis der Stiliſtik zu Poetik u. Nhe-
torik. Buſſons Ausſpruch: Lo styl16 est!'homme
möme, urſprünglic<) in dem Sinne geſagt, daß
nicht ſo ſchr der Inhalt, wie die Geſtaltung eines
Scriſtwerke8s dem Verſaſſer dauernde Anerken=
nung verſchaſſe, wird gewöhnlich in der Bedeutung
geſaßt : „Der Ausdruck iſt ein Abbild der Cigen=
art des Menſchen“, „Die Schreibart den Menichen“, „Wie der Menſc< ſchreibt, jo iſt
er.“ Mögen Lakonismen den Spartaner, Höſ=
lichkeitöphraſen den Chineſen, Cuphemismen den
Franzoſen, Derbheiten den Deutſchen kennzeich»
nen, Eigenheiten der mündlichen u. ſchriſtlichen
Auzdrucksweiſe die Einzelperjönlichkeiten unter-

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