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II. Die S. in der Schule, S. iſt auch in der
einfachſten Volksſchule möglich u, notwendig, nur
ſind die Ziele je nach den Verhältniſſen niedrigere.
Waz3 ohne Abzug gefordert werden muß, iſt die
Erzeugung eines weichen, biegungsfähigen Sings»
tones, alſo nicht die beſonders bei Knaben beliebte
Schreiſtimme, erzeugt durch Überdruck des Atems
bei feſter Einſtellung de8 KLechlkopfes. Der Ge=
janglehrer laſſe fich durch die Zuſtimmung aus
Singlaienkreiſen nicht verleiten, die Stimme der
Kinder (Knaben!) zum „ſeſten Drauſlosſingen“,
zum Geſchrei ausarten zu laſſen. Eine ſchön ge=
zogene Knabenſtimme bekommt einen unſagbar
jüßen Schmelz, der aber durch Überanſtrengung
der Stimme für das ganze Leben verloren geht
(j. Stimmhygiene). Guter Knabengeſang hat viel
Ahnlichkeit mit dem Klange gutgeſchulter Frauen=
ſtimmen, nar klingen Knabenſtimmen metallreicher,
glänzender. Daß ein ſo bitterer Mangel an guten
Tenorjtimmen herrſcht, iſt zum großen Teil eine
Folge der ſtimmlichen Überanſirengung während
der Knabenjahre. Der künſtleriſche Stand de3
kirchlichen u. weltlichen Chorgeſanges hängt vor
allem ab von der Güte de8 Schulgeſanges.
Literatur. Die überaus reiche Lit., entſprun-
gen dem Beſtreben, die „eigne Methode“ als die
„allein zum Ziele führende" in den Vordergrund
zu ſtellen, widerſpricht ſich nicht ſelten ſelbſt in den
weſentlichen Punkten über Anſaß, Tonentwicklung
u. Tonführung, Zuverläſſige Werke ſind: C. van
Zanten, Bol-canto des Wortes (1911); W. Reinecke,
Die Kunſt d. idealen Tonbildung (81914) ; derſ.,
Die natürl. Entwi>l. d. Singſtimme (1910); I.
Hey, Deutſcher Geſangunterr., zuſammengefaßt u.
umgearb. von F. Volbach (1912); KL. Kofler, Die
Kunſt d. Aimens 2c. (*1914) ; S. Garſs, Schule d.
ſpeziell. S. auf d. Baſis d. loſen Tones (3,--4,
Tauf., 1911); Müller-Brunow, Tonbildung od.
Geſangunterr, ? (*1908) ; K. Scheidemantel , Ge-
ſangs- Bildung (1913). -- Zeitſchriften: Die
Monatſchr. „Die Stimme“, hr8g. von Th. Flatau
(Berlin, ſeit 1906); Monatſchrift für Schulgeſang
(Eſſen, ſeit 1906); Mugica Sacra (ins8beſ, d.
Jahrg. 1894/1912) .-- Für S Didaktik u. Methodik d. Shulgeſangunterr. (41915);
K. Gaſt u. H. Löbmann, Liederb, f. Mittelſchulen
u. Liederbuch f. Lyzeen u. höhere Töchterſchulen
(beide mit ausführlicher Geſanglehre) ; H. Löb-
mann, Aus meiner Singſtunde (21910); derſ., Der
Sdculgeſang (1914). [H. Löbmann.]
Stimmhygiene, S. umfaßt zunächſt die
geſundheitliche Pflege der Stimme, dann aber
auch die geſundheitliche Einwirkung der Stimms-
bildung (f. d.) auf das Allgemeinbefinden des
Singenden. Der Sänger hüte ſich vor Ver-
kühlung (Luſtzug, kalte Getränke, Mundatmen)
u. vor Überanſtrengung durc) zu langes od. durc)
zu lautes, gequältes u. quälendes Singen („Cras=
vattel=Tenor“). Nac geleiſteter Singarbeit ſind
die erhißten Singorgane doppelt empfindlich. Man
beugt Stimmerkrankungen vor durch planvoll be-
triebene Abhärtung (kalte Waſchungen, Ver-
meidung dier Hüllen). Auch ſoll man nicht
Stimmhygiene -- Stipendien für Schüler.

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gegen den Wind ſprechen od. gar ſingen (bei Be-
gräbniſſen). Bei Erkältung des Singorganes
(Heiſerkeit) iſt völliges Sc Flüſterton) höchſt ratſam, desgleichen Ergehen in
reiner, zug= u. nebelfreier, ruhiger, ſonniger Luſt
bei auſmerkſam durc gewöhne ſich an das Sprechen im Freien nur mit
Ausatmung, durchſeßt mit Pauſen zum Naſen»
Cinatmen. Gurgeln mit heißer Milch, reichlich
vermiſcht mit Zuerkant, etwas abgekühlt mit
Mineralwaſſer (Selters), wird ärztlicherſeit3 emp=
fohlen. Alles Singen u. Sprechen, das Huſten
reiz, Kehldru>, Ohrendröhnen verurſacht, iſt ge»
ſundheitſchädlich u. darum zu unterlaſſen. Jede3
Singen u. Sprechen mit dauerndem Überdruck
(der bekannte Schulton beim Chorſingen u. Chor»
ſprechen) iſt geſundheit8gefährlich, übrigen3 auch
ein Zeichen künſtleriſcher Unfeinheit, -- Die er=
höhte Ein=, beſonders die erhöhte Ausatmung bes
fördert den Blutkreiölauf. Ermüdete, abgearbeitete
Klaſſen werden durc dieſe mit Geſang verbundenen
Atemübungen (vgl. das Liederbuch v. Gaſt-Löb=
mann [Berlin, Trowißſch]) zuſehends friſch u.
arbeitsluſtig. Man vermeide kurz vor Chorauſf=
führungen reichlichere Mahlzeiten u. ſ ſtrengungen (z. B. Turnen). Durcd geſteigertes
Ein= u. Ausatmen entweicht die Stauluft (Reſi=
dualluft) in den Lungenſpißen, wodurc< dem ge»
fürchteten Lungenſpißenkatarrh glücklich vorge=
beugt wird. Die erhöhte Zufuhr von Sauerſtoff
ſowie die geſteigerte Atmung3muskeltätigkeit, die
eine vermehrte Ausdehmmug der Lunge zur Folge
hat, begünſtigt die AusSheilung angegriſſener
Lungen. Ärzte haben beobachtet, daß in derſelben
erblich belaſteten Familie die ſingenden Kinder in
feſter Geſundheit ein hohes Alter erreicht haben,
während die nichtſingenden Geſchwiſter vorzeitig
an Lungenleiden zugrunde gegangen ſind. Die
zum Singen notwendige Steigerung der Bauch-
muskeltätigkeit bedingt eine Beſchleunigung de38
Stoſſwechſel38 u. der Verdauung. Darum erſreuen
ſich vernünftig u. regelmäßig lebende Sänger u.
Sängerinnen bei günſtigem Gewicht3zuſtande meiſt
einer dauernden Geſundheit. Daher bilden Sing-
ſtunden in den Schulen ein beachtenöwertes Mitlel
zur Förderung der Geſundheit.
Literatur. EC. Barth, Einführ. i. d. Phyſiol.,
Pathol. u. Hygiene d. menſ bietet hohbeachtl. Quellenangaben ; das Beſte ſeiner
Art. [H. Löbmann.]
Stimmwehſel |. Mutieren ; vgl. Sprach-
fehler (Abſchn. I11), Sprachorgane (Abſchn. 11).
Stipendien ſür Lehrer ſ. Reiſeſtipendien.
Stipendien für Schüler. 1. Weſen u.
Bedeutung. Das lateiniſche Wort stipendium
(== Sold, Löhnung der römiſchen Soldaten) wurde
ſchon im Spätlatein im weitern Sinne gebraucht
== Abgabe, Steuer, Unterſtüßung u. wmſaßt heute
alle materiellen Beihilfen, die einem unbemittelten
Schüler, Studierenden od. Gelehrten zur Durch»
führung ſeiner Studien, beſonders zur Beſtreitung

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