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Ausspinnung (im 2. Jahre). Die eigentl. Be-
obachtung ist immer noch in allerhand Um-
Spinnen des betrachteten Bildes mit Denk- u.
Phantasieinhalten eingewickelt u. bleibt es noch
lange Zeit. So konstatiert Stern Schon für die
Frühkindheit das Substanzstadium (1; 81/5), das
Aktionsstadium (2; 61/5), das Relationsstadium
(5; 1), jenach den verwendeten Wortarten. Diese
Stufen gelten Später wieder: das Substanzsta-
dium für 7jährige: unverbundene Aufzählung
von Sachen u. Menschen ; mit 10 Jahren: das
Bild erscheint als Beschreibung der menschl.
Handlung (Aktionsstadium); Qualitäts- u. Re-
lationsstadium mit 12 Jahren: Erklärung des
Zusammenhanges (Stern, Oppenheim, Fröbes ;
Intelligenzprüfungen). Co/z u. Dreffenbacher
fügen noch ein 4. Stadium hinzu, das kritisch
referierende, das Sich in den höheren Schulen
besser beachten läßt: das Auftreten von SchlüSs-
Sen u. äSthet. Kritik. Doch ist der Altersfortschritt
unstetig; er weist auf eine Periodizität des gel-
Stigen Lebens hin. Die verschiedenen AusSsage-
kategorien treten deutlich hintereinander auf u.
SINd meist Sehr Schnell vollständig. BeiStern war
der Fortschritt von Schülern zwiSchen 7 u.14 Jah-
ren nicht Sehr groß für den Umfang des WisSens;
derselbe erreicht früh Sein Maximum. Wesent-
lich größer war der Entwicklungsfaktor in der
Spontaneität. Das Verhältnis des Berichtes zum
Verhör verschiebt Sich immer mehr zugunsten
des Berichtes. Die Widerstandskraft gegen die
Suggestion nimmt beständig zu, von 50/4 bei
den 7Jjährigen auf 80%/; bei den 15jährigen. In
der allgemeinen Aussagetreue fehlt größtenteils
der Altersfortschritt; wenigstens iSt das Wachs-
Beobachtungssystematik u. Schülerbeobachtung.

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II. Pädagogik des Beobachtens: 1. Die
Übung der Beobachtung untersuchte Zorsz
durch Wiederholung des Versuches an immer
neuen Bildern : Sie besserte Sämtl. Aussageele-
mente. Die Zrzzekbarkeit wurde von Übperkerm
geprüft, indem die Kinder auf ihre Fehler nach
dem Versuche aufmerksam gemacht wurden.
Die Treue wuchs in Zeiträumen von je t1/, Jahr
von 74: 81: 821/394. Beim Bericht Stieg der Um-
fang beträchtlich; Treue u. Spontaneität des
WissSens blieb ziemlich gleich. Beim Verhör
wuchs die Treue bedeutend; ganz bes. bei den
Suggestivfragen (50: 72%/9). Die Bestätigung
bei Erwachsenen gab Syeuk2rg.
2. Daraus folgt die Möglichkeit u. Bedeutung
der formalen Schulung des B.s durch fortgesetzte
u. SyStemat. Übungen. Sie hat zu beginnen
am ruhenden Objekt; dabei macht Stern auf
die Mängel der Montessori- Methode (s. Art.
Montessori, Maria) aufmerksam , welche das
SyStemat. Schullernen verfrüht, indem Sie nur
eindeutige Beschäftigung beim Kinde zuläßt
u. jede Sinnestätigkeit Scharf iSoliert: in einer
Mehrdarbietung Solle man vor allem dem Klein-
kinde Freiheit in der Auslese u. der allmähl.
Ausgestaltung Seiner Kenntnisse lassen. Estolgt
die Schulung am erwarteten Objekt, am über-
raSchenden ; abwartende Beobachtung an der
Wirklichkeit; u. Schließ]. B. innerl. Vorgänge
wegen der Wichtigkeit für die Entwicklung des
Charakters u. des religiöSen Lebens. Was die
Methode des B.s bedeutet, zeigt die Signale-
mentslehre von Scinezckert (1908): es ist ein
ins kleinste durchgeführtes Verfahren, alle Be-
Sonderheiten des Gesichtes in Urteile zu über-
tum nur Sehr gering u. nur partiell, beschränkt | Setzen (das «gesprochene Porträt» der Parizer
Farbenfragen. Schröbler u. dleumarn dachten
(Sensualistisch) für die UrsSachen der Entwick-
lung an die wachsende Auttassung der Umwelt
(Apperzeption); Sern bezog die Kategorien auf
die Bearbeitung, die am Erlebnis durch Spon-
tane DisSpositionen vorgenommen wird: die
Stadien gehen auf das Interesse u. Sind teleo-
logiSsch bedingt gemäß ihrer objektiven Wich-
tigkeit für das werdende Kind. Die Beobach-
tungsentwicklung geht als Anpassungsfähigkeit
an immer neue Aufgaben: quantitativ aufimmer
Schwierigeres, qualitativ auf neue Kategorien.
5. Über die Beobachtungsunterschiede
bei den Geschlechtern (Kindern wie Erwachse-
nen) Stehen Sich noch die Auss2gen der For-
gering, nur in der Entwicklung iSt der Fort-
Schritt etwas differenziert. -- Die Mängel der
Beobachtung beim Kinde Sind: Mangel an Ge-
Sichtspunkten u. Reproduktionen, an Einheit-.
lichkeit u. Beharrlichkeit; Richtung auf das:
' J. GeySer, Ebbinghaus-Dürr usw.
Scher gegenüber ; Sie Scheinen im allgemeinen :

SICh auf das Verhör u. darin auf Suggestiv- u. ; PolizeiSschule).
3. Das Anwendungsgebret der Schule Sind das
Bestimmen ruhender Objekte (Bilder, Pflan-
zen usw.), Schulexperimente (physikal.), Be-
obachtung von wirkl. Vorgängen (Schullüge!),
Ertorschung u. Wiedergabe Seelischer Erleb-
nisSe (Schon vom Schulneuling an).
Schrifttum: Beiträge zur PSychologie der Aus-
S2g2, hrsg. von W. Stern (1903-1906); Larguier
des Bancels, La psychologie judiciaire, in: Annge
Psychologique, fhrg.12 (1906); Breukink, Über die
Erziehbarkeit der Aussage, in: Ztschr. für angew.
PSsychol., Jhrg. 3:1910); ClL.u. W. Stern, Erinnerung,
Aussage vu. Lüge in der ersten Kindheit (* 1922);
W. Stern, PSychologie der frühen Kindheit (*1928).
Dazu die Lehrbücher von Fröbes I1 (* 1929) 130 ft.;
3. Engert.
BeobachtungssySstematik u. Schüler-
beobachtung.
|B. = Beobachtung.]
Beobachtung iSt jede willkürl. Wahrnehmung
eines Sachverhaltes zur Erreichung eines be-
Äußerliche, Schwierigkeit der /unendeodachtung | Stimmten Zieles. Sie ist in der Erziehung von
(Gewissenserforschung). Das B. Selbst eilt dem | jeher angewendet worden. Ihre Syszerartik baut
Sprachl. Ausdruck ziemlich weit voraus.
'SiCh erst jetzt allmählich aus. Sie ist für den

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