9 Affekt.
In den ersten Wochen des Schuljahrs wird der
Unterricht für die Schulneulinge in Solchen
Schulen, Soweit nicht Teilnahme an Bewegungs-
Spielen, Beschäftigung mit malendem Zeichnen
oder ähnliches in Frage kommt, zweckmäßig
auf diese Stunden zu beschränken seim.> Der
A. mit Seiner geteilten Zeit zwingt den Lehrer
zu ganz konzentrierter Arbeit. Nur bei weiser
Beschränkung des Stoffes, wohlüberlegter, ziel-
Sicherer Führung der verschiedenen Abtei-
lungen Sowohl im mündl. Unterricht als auch
bei der stillen Beschättigung, bei gesteigerter
innerer u. äußerer Disziplin der Schüler kann
hier erfolgreiche Bildungsarbeit geleistet wer-
den. Stärkere Vereinheitlichung (Zusammen-
Schau) der Unterrichtsgegenstände (s. Art Ge-
Samtunterricht) würde ohne Zweifel auch in
die Arbeit der wenig gegliederten Schulen mehr
Ruhe u. Geschlossenheit hineinbringen.
Schrifttum: K. Eckhardt, Die Arbeitsschule
auf dem Lande (?1924); P. Kaestner, Zur Frage
der Schulgliederung u. der Grundschule (1925);
H. Riffel, Stoffplan für den Gesamtunterricht im
I. U. 2. Schuljahr der Landschule (1925); M. Spiel-
hagen, Gesamtunterricht in der einklassigen Land-
Schule im 1. u. 2. Schuljahr unter bes. Berück-
Sichtigung der Sprachl. Schulung (*? 1927); Richt-
linien des Preuß. Min. für W. K. u. V. für die
Lehrpläne der Volksschule (* 1928); H. Scheufgen,
Gesamtunterr. in Landschulen (1928); «Blätter für
den A.» Begr. u. geleitet von R. Peerz (Wien u.
Znaim, 25. Jhrg. 1928). *. Rieſert.
Atfekt.
I. Begriff u. WesSen: Der Begriff des A.s
1St in der PSychologie noch nicht eindeutig fest-
gelegt ; nicht Selten wird das Wort heute noch
in der ganz allgemeinen Bedeutung von Gefühl
(s. d.) oder Emotion überhaupt gebraucht. Im
engeren Sinne versteht man, bes. Seit Kant, unter
A. ein plötzlich abnorm gesteigertes Gefühl,
das eine Störung des Vorstellungs- u. Denkver-
laufes nach Sich zieht. Dazu werden in neuerer
Zeit mehr u. mehr die innerkörperl. Begleiter-
Scheinungen (die Veränderungen der Atmung,
des Pulses, des Blutdrucks, der Darmtätigkeit),
Sowie die Ausdrucksbewegungen (Mienenspiel,
Gesten, Handlungen) hervorgehoben. Doch
wird man darüber hinaus, wenn man das eigentl.
Wesen des A.s erfassen will, Seine typische
Ablaufsform betonen müssen , die in der aus-
gesprochenen Tendenz zum Ausdruck , zur
Reaktion besteht. Durch diese auf die Reak-
tion gerichtete Ablautsform unterscheidet Sich
der A. wesentlich vom reinen Gefühl u. nimmt
eine Aittelstellung zwiSchen diesem u. der
eigentl. Zielhandlung ein. Gleichzeitig aber ver-
rät er darin Seine biologiSsche Herkunft aus dem
Instinkt, u. man kann ihn geradezu als eine
mehr oder weniger modifizierte Zustinkthand-
lung bezeichnen, indem er, rückwärts gesehen,
eine plötzl. Reaktion des gesamten Organismus

IO
auf die momentane u. darum jede Überlegung
ausschließende Wirksamkeit eines poSitiv oder
negativ erlebten Reizes darstellt. Dabei Sind
dann Jene innerkörperl. Veränderungen nicht
ais bloße Begleiterscheinungen anzusehen, Son-
dern als dispositionell angelegte Mechanismen,
die, durch die Ahnung eines Wertes oder Un-
wertes ausgelöst, der Vorbereitung u. Einleitung
der äußern Reaktion dienen. Sie Sowohl wie
die Ausdrucksbewegungen zeigen bei Menschen
wie bei Tieren eine Gleichförmigkeit, wie sie
nur von instinktmäßigen Abläufen erwartet wer-
den kann. -- Der biologischen Herkunft des
A.S entspricht auch die Art der Reize, die ihn
veraniasSen können: EsSind vornehmlich Solche
Werte oder Unwerte, die das Zebe7z, u. im
DbeSsondern das zudviduelle Leben, das ezgene
Th u. Seine Auswirkung irgendwie berühren.
(Körperl. Schmerz u. Wollust, persönl. Macht
u. Ohnmacht, Verhaltungsweisen der Menschen
Sowie Ereignisse der Umwelt, die die eigenen
Wünsche u.Bestrebungen--meist unerwartet--
zu fördern oder zu hemmen Scheinen.) Weniger
affektiv geladen iSt dagegen jene Gemütssphäre,
in der Sich die objektiven (geistigen, ethischen
u. religiöSen) Werte widerspiegeln. Aber auch
diese können zu A.en Anlaß geben, wenn Sie
nämlich So innig mit der eigenen Persönlich-
keit verschmolzen Sind, daß Sich das Ich ge-
wisSsermaßen mit ihnen identifiziert u. ihr Auf-
treten demnach als Förderung oder Hemmung
des eigenen Seins empfunden wird (z. B. im
heiligen Zorn).
IT. Wirkungen: Als Instinkthandlung 1st
der A. darauf angelegt, eine Reaktion her-
vorzubringen, die nicht durch Überlegen u.
Denken, Sondern durch die (vom Reiz aus-
gelöste) Gesamtieinsiellung des Organismus ge-
leitet wird (s. oben über den Sinn der inner-
körperl. Veränderungen). Daraus erklärt Sich
die Tatsache, daß mit dem A. ganz allgemein
eine mehr oder weniger ausgeprägte Störung
des Vorstellungs- u. Denkverlaufes einhergeht.
Hinzu kommt die jedem A. innewohnende
Tendenz, zur entsprechenden Reaktion fort-
zuschreiten , infolge derer Sich das Schwer-
gewicht des gesamten Erlebens in Seinem Ver-
lauf von dem ursprünglich auslöSenden Reiz
(dem Wertverhalt) zum Ausdruck hin verlagert;
u. nicht Selten wird dieser, als die eigentl. Er-
füllung des affektiven Geschehens, zum Selbst-
wert u. kann als Solcher eine Ständige Stelge-
rung In 1. durch Sich Selbst erfahren, während
der ursprüngl. Ausgang des A.S5, der betreffende
Wert oder Unwert, ja Sogar alle übrigen Be-
wußtseinsinhalte (von der gegenwärtigen Si-
tuation usw.), mehr u. mehr in den Hintergrund
treten, um Schließlich vollkommen verschwin-
den zu können (beim Zorn, Schreck, bei der
Panik, aber auch im Jubel u. in der Begeiste-
rung). Infolge dieser Selbststeigerung des A.S5,

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