I3 Afghanistan - Afrika. 14
2. Als moraliSsches Phänomen bedarf der
A. einer Sittl. Bewertung. Den Keim des Un-
moralischen trägt er nun einerseits dadurch
in Sich, daß er von dem ursprüngl. Gefühl
hinweg zum puren Ausdruck, zum triebhaften
Handeln tendiert, daß also zugunsten eines
momentanen DrangesallesSonstigeWerterleben
aus dem Auge verloren wird. AndersSeits haftet
der A. dank Seiner Herkunft aus dem Instinkt
primär an der Ichsphäre des Gemüts, die Sich
dann, wenn Sie keine Erweiterung durch ob-
jektive Werte erfährt, notwendig in Sich Selber
mehr u. mehr differenziert, 50 daß Sich Schließ-
lich der A. auf die Sicherung u. Befriedigung
der kleinlichsten Wünsche u. Bestrebungen des
Individuums richtet (der Unleidliche, Jähzor-
nige iSt meist der kleinlichste Egoist). -- Beide-
mal also liegt die moralische Gefahr des A.s in
der ihm innewohnenden Tendenz zur ALz272-
engung des IWerterlebens, womit der Hauptweg
der erziehl. BeeinilusSung gewiesen iSt: Erweli-
terung u. Bereicherung des Wertfühlens über
die persön]l. Wünsche u. Bedürfnisse hinaus u.
innige Verschmelzung der objektiven Werte-
welt mit der eigenen Persönlichkeit, So daß
alles von außen her Andringende an dem
Maſßstab der gesamten Wertskala gemessen u.
ihr entsprechend die vorhandene Affektivität
(z. B. in der hohen, edlen Begeisterung, im ge-
rechten Zorn, in der Sittl. Entrüstung) eingesetzt
wird. -- Vgl. hierzu die Art. Gefühl, Gemüt,
Willenspsychologie u. Willenspädagogik.
Schrifttum: A. Lehmann, Die Hauptge-
Setze des menschl. Gefühlslebens (? 1914); --
Die körperl. Außerungen pSychischer Zustände
3 Bde., 1899/1905); Th. Ribot, Psychologie der
Gefühle. Aus dem Französ. von Chr. Ufer (19063);
C. Stumpf, Gefühl u. Gefühlsempfindung (1928);
A. Pfänder, Zur PSsychologie der Gesinnungen (I
21922, II 1916); M. Scheler, Wesen u. Formen der
Sympathie (1926). 3. Aufl. der «Phänomenologie
der Sympathiegefühle». I. Bd. der Sinngesetze des
emotionaien Lebens; W. McDougall, Grundlagen
einer Sozialpsychologie. Nach der 21. Aufl. aus
d. Engl. ins Deutsche übertr. von G. Kautsky-Brunn
1928); L. Frank, A.sStörungen (1913); H. Apfel-
bach, A.dynamik. Studien zu einer PSychologie der
normalen u. anomalen Gemütsbewegungen des
Menschen (1927). F. Scola.
Afghanistan
(Bilgaungs- uv. Erziehungswesen).
Bis in die jüngste Zeit lebten in A. die
alten Einrichtungen des islamischen Unter-
richtswesens fort. Erst Amanullah Chan be-
gann mit Seinem Regierungsantritt I919, das
Schulwesen nach europäischem Vorbild zu re-
organigieren. Allgemeine Schulpflicht wurde
eingeführt; etwa 100 Llementarschulen (Mek-
teb-1 Mulkije) wurden eingerichtet. Frühergabes '
in Kabul nur 2 Zölere Schulen: die Mekteb-i |
Harbije «Kriegsschule», eine Art Kadetten-

Schule, aus der die Offiziere hervorgingen, u.
die Mekteb-i Habibije, die eine allgemeine
Ausbildung vermittelte. Neuerdings wurde noch
eine Reihe von diesen «höheren» Schulen in
den größeren Städten des Landes gegründet.
In allen 1sSlamischen Ländern lag stets die
Bildung der Frau im argen. In A. richtete
Amanullah Chan die erste Mädqchenschule ein
(Mekteb-i Mastürät). Obwohl die glaubenseif-
rige, an alten Formen hängende Geistlich-
keit, die Mollas, eine zeitweilige Schließung
herbeiführten, blühte diese Schule bald wieder
u. erzielte gute Erfolge. Eine Deutsche, Frau
Dr. Iven, ist an der Schule angestellt.
Nach europäischem Vorbild gründete der
fortschrittlich gesinnte König außerdem noch
verschiedene Zeachschulen : Mekteb-i San aje
(Gewerbeschule), Mekteb-i Hukkäm (Schule
für Staats- u. Verwaltungslehre), Mekteb-i
Misäbhat (Vermessungsschule), Mekteb-i Quzzät
(Rechtsschule) u. eine Bergbauschule nach
deutschem MusSter, deren Leiter der deutsche
Dipl.-Ing. Dr. E. Kirst 1st.
Europäische Schulen gibt es nur 2 in Kabul:
Die /ranzös. Schule (Mekteb-i Amanije) zählt
etwa 100 Schüler. Direktor 1st der Franzose
Tenebre. Die aezusche Schule (Mekteb-i AU
Aman1i, Direktor Dr. Iven) verfolgt das Pro-
gramm einer deutschen Oberrealschule ; an ihr
Sind 6 deutsche u. 8 afghan. Lehrer tätig. Die
Besucherzahl beläuft Sich auf ca. 300 Schüler.
Durch die reaktionäre Gegenbewegung u.
den Sturz Amanullahs (1929) ist manches
wieder in die alte Bahn zurückgeworfen wor-
den. Ein klares Bild über die gegonwärtigen
Verhältnisse läßt Sich noch nicht zeichnen.
Schrifttum:W.lven, Deutsche Bildungsarbeit
in A., in: F. Schmidt u. O. Boelitz, Aus deutscher
Bildungsarbeit im Auslande 11(1928); LeszczynsK1,
Schul- u. Pressewesen in A., in: Der neue Orient,
8. Jhrg., H. 3/4 (1925/26). O. Spies.
Afrika (Bildungs- u. Erziehungswesen).
I. Ethnologische Grundlagen: A. mit
Seinen verschiedenen Rassen, Kultur- u. Na-
turvölkern zeigt Starke Gegensätze. Das euro-
päisSche Christentum u. der arabische Islam
Suchen die Naturvölker A.s, für Sich zu gewin-
nen; beide Teile nehmen die Schule in ihren
Dienst. Ferner ist A. größtenteils Kolonial-
reich europäischer Mächte, deren Politik eben-
falls die Schule gebraucht. Der Schule Sind be-
Stimmte Ziele gewiesen, Sie Soll geistige Be-
dürfnisse befriedigen u. Soziale, wirtschaftl.
Probleme lösen helfen.
Am Mittelmeer/Algier, Tunis usw.)lebt 1 Million
Europäer mit 12 Millionen Mohammedanern zu-
Sammen ; im Süden bilden in der Südafnkanischen
Union 1?// Millionen Europäer mit 5 Millionen
Bantu ein Staatswesen; dazwisSchen Sitzen die Sog.
' heidnischen Xaturvölker ohne Schrift u. Schule.

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