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gewalt an den Rat der Volksbeauftragten über,
die Schulverwaltung an die Kommission für
das Unterrichtswesen. Die Lehrerschaft organi-
Sierte SICh in der Lehrerkammer; aus ihr wurde
der Lehrerrat gewählt.
1920 Stellte die Lehrerkammer ihre Arbeit
ein. In Bremerhaven besteht Seit 28. IX. 1920
ein Lehrerrat als Berufsvertretung der Gesamt-
lehrerschaft u. als Schulberater der Behörde.
Die gesetzl. Vertretung auch der Lehrer gegen-
über dem Senat ist der Hauptbeamtenausschuß;
hierzu tritt der Ausschuß bei der Behörde
(Schulinspektion).
Zentralbehörde der gesamten Schulverwal-
tung ist die SenatskommissSion für das Unter-
richtswesen (3 Senatoren u. die Schulaufsichts-
beamten [1 Landesschulrat, je 1 Oberschulrat
tür die höheren Schulen, Fortbildungs- u. Fach-
u. die Volksschulen, hierfür auch noch 2 Schul-
räte)). Sie u. die aus ihrer Mitte ernannten In-
Spektionen Sind die vorgesetzte Behörde für
Schulleiter u. Lehrer.
Die Schulverwaltung der höheren u. der
Volksschulen obliegt der Schuldeputation (2 Se-
natoren, Landesschulrat u. 12 von der Bürger-
Schaft gewählten Mitgliedern).
Für die Fortbildungs- u. Fachschulen besteht
aine Behörde aus Senats-, Bürgerschafts- u.
Kammervertretern. Aus ihr werden für die
einzelnen Schulen Ausschüsse gebildet. Zu
diesen gehören außer Vorgenannten Vertreter
der Schule, der Lehrerschaft, außerdem bei der
Kunstgewerbeschuleder Künstlerschaft, beider
Hauswirtschaftsschule der Frauenvereine.
Die Schulen in Sremerhaven u. Vegesack Sind
Städtisch. Schulbehörde 1st der Magistrat mit
dem Schulausschuß (Bremerhaven: 7 Stadträte,
Vegesack : Stadtrat u., mit beratender Stimme,
Schulleiter u. 3 Mitglieder der Lehrerschaft).
Die einzelnen Schulen werden nach dem
Grundsatz der kollegialen Schulleitung verwaltet.
Die Schulleiter werden durch den Lehrkörper
gewählt, jedoch bedarf die Wahl der Bestäti-
gung durch den Senat. Die Schulleitung wird
ehrenamtlich geführt (Gesetz vom 20. II. 1923,
befristet bis 31. III. 1929; von diesem Termin
ab endgültig). Direktoren der höh. Schulen wer-
den vom Senat auf Lebenszeit ernannt; die Kol-
legien haben ein Vorschlagsrecht. Auf Grund
reichsgericht]l. Entscheidung vom 19.1. 1923 iSt
das brem. Gesetz betr. Wahl der Schulleiter mit
Art. 129 der ReichsverfasSung nicht vereinbar,
insoweit es Sich auf die bei Seinem Inkraft-
treten im Amt befindlich gewesenen Schuldirek-
toren u. Schulvorsteher bezieht. Daher findet
das Gesetz auf diese keine Anwendung. Sie
bleiben im Amt u. beziehen höheres Gehalt.
In den Volksschulen u. ihren Nebeneinrich-
ungen wird kein Schvlgeld erhoben, uv. Lehr- u.
Lernmittel Sind frei. desgleichen im hauswirt-
Schaft]. Pflichtjahr u. m einigen Fachschulen. In
Brentano.

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höheren Schulen 1st das Schulgeld gleich hoch,
nach Einkommen u. Kinderzahl gestaffelt von
IO RM bis 360 RM pro Jahr. Die Einnahmen aus
dem Unterricht betragen 813000 RM ; die Aus.
gaben Sind über 11216000 RM bei einem Gesamt.-
etat von 92 Mill.
Die Gehälter ergeben Sich aus dem brem. Be.
Soldungsgesetz vom 12. 1. 1928. Die Besoldungs-
ordnung hat 23 Gruppen. Lehrer Gr. 11: 3550 bis
7200 RM; Vorsteher Gr. 13: 5800--8400 RM:
Studienräte Gr. 16: 6000--11 000 RM ; Schulrät«
Gr. 17: 7500-11 500 RM; Direktoren u. Obker-
Schulräte Gr. 19: 9700-- 13950 RM ; Landesschu]l-
rat Gr. 21: 24000 RM einschließl. Wohnungsgeld
Ohne Soziale Zulagen.
Die Zah. Gemeinde unterhält 2 Schulen:
die St. Johannisschule Seit 1824 u. die St. Ma-
rienschule Seit 1898, mit 40 Lehrpersonen u.
1450 Kindern. Der Staat trägt die Kozten für
Lehr- u. Lernmittel mit 100%/,, die Lehrerge-
hälter mit 95 %/4, die Sach]. Ausgaben: Heizung,
Reinigung, Reparaturen uSw. mit 80/;. Der
Staatszuschuß beträgt 204000 RM. Die Lern-
bücher Sind z. T. gleich denen in brem. Schulen.
Die kath. Gemeindeschule in Bremerhaven wird
von 170 Kindern besucht u. erhält Seit 1924
einen Staatszuschuß (11 500 RM für 1928).
Von den Pfarrgeistlichen wird an Schüler
der höheren Schulen u. Solche Volksschüler,
dienichtdie kath.Schule beSsuchen(weite Wege),
an Nachmittagen Rel.-U. erteilt.
Systemat. Rel.-U. (Katechismus) wird in B.
nurin denkath. Schulen erteilt. Bibl. Geschichts-
unterricht ist Pflichtfach; die Möglichkeit der
Dispens besteht für Lehrer uv. Schüler.
Schrifttum: Auskunft über die Neuordnung
des brem. Schulwesens gibt der Bericht der Schul-
deputation vom 26.1. 1922, über die Anderung im
höheren Mädchenschulwesen B.s der Bericht vom
21. 11. 1924 (Verhandlungen zwischen Senat u.
Bürgerschaft von 1922, S. 56--66 bzw. von 1924,
S. 66-77); J. F. Entholt, Bilder aus der Geschichte
des brem. Valksschulwesens. Ergänzt u. fortgesetzt
von H. Wulff (1928). FT. Iöllman.
Brentano, Franz.
Philosoph, geb. am 16. 1. 1838 zu Boppard
als Neffe Clemens Brentanos, bis 1873 Kath.
Theologe u. Professor in Würzburg, nach Sei-
nem Austritt aus der kath. Kirche Seit 1874 mit
Unterbrechung Professor der Philosophie in
Wien, Starb am 17. 111. 1917 in Zürich.
Aut das Gebiet der Pädagogik hat B., der
in Seinem philosophiSchen Schaffen -- Schon
Seiner wiSSenschaftl. Erziehung u. Vorbildung
nach Aristoteliker -- auf eine Neuordnung der
Logik u. eine Schärfere Ertfassung der psycho-
logischen Grundbegriffe bedacht war, nicht
Sein bes. Augenmerk gerichtet. Als Begründer
der «Osterr. philos. Schule» entfaltete B. in
Wien eine anregende Wirksamkeit u. Stand in
lebendiger Gemeinschaft mit Seinen unmittel-
baren u. mittelbaren Schülern, wie Marty,

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