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Stumpf, v. Meinong, V. Ehrenfels, Martinak,
Höfler, Witasek, Husserl. Der Werttheoretiker
u. Psychologe B. («Vom Ursprung Ssittl. Er-
kenntnis», 1889) hat für die Erziehungswissen-
Schaft in ÖOsterreich, die aus der «Wiener
Schule» manch wertvollen Einfluß erfahrenhat,
zeine Bedeutung, weil er in Seinen philos. Un-
terzuchungen besondere Beiträge zur päd.
Grundlegung u. zur päd. Ziellehre geliefert hat.
B. verstand Sich auf Scharfsinnige Analysen u.
war ein feiner, anerkannter Didaktiker.
Als Pädagoge aus dem Brentanokreis 1st
neben E. Martinak in Graz vor allem A. Aöfler
;n Wien zu nennen (s. jeweils dort).
Schrifttum: E. Burger u. H. Schmidkunz,
Dera Andenken F. B.s, in: Sonderheft der Monats-
hefte für päd. Reform (1918); Zur Biographie: A.
Marty, Ges. Werke I 1 (1916) 95; E. Utitz, F.B., in:
Kantstudien (Sonderheft «Dem Andenken F.B.s»),
B4.22; O0. Kraus, F. B. Zur Kenntnis Seines Lebens
1. Seiner Lehre. Mit Beiträgen von Stumpfu. Husserl
1919); A. Höfler, Nekrolog auf B., im: Almanach
der Kais. Akad. d. Wiss. (1917). IW. Stähler.
Buch, Bildung u. Erziehung.
|B. = Buch.]
1. Sinn u. Verbreitung des Buches: Das
B. als ein System von Schriftbildern ist Träger
von Ideen u. Mittel der Gedankenübertragung.
Auf den Willen drückt der übertragene Gedanke
durch Seine logische Schwere, weil der Mensch
Seibst logisch veranlagt iSt; der im Willen an-
gelangte Gedanke gravitiert zur Tat, wei der
Mensch wahr u. Sich Selbst treu Sein muß. Jede
menschl., d. h. mit Vernunft u. freiem Willen
ausgeführte Handlung 1st ein verkörperter Ge-
danke. Und weil Ideen als Ideale Menschen u.
Menschheit beherrschen u. gestalten, darum
KkOmmt dem B. in der Erziehung u. Bildung
211€ S0 hohe Bedeutung zu. Die Bücherproduk-
uon Steg nach dem zojähr. Krieg wieder auf
1300 in Deutschland, 1765 auf 1500, 1783 auf
3200, 1800 auf 38009, 1850 auf 9000, 1870 auf
10 100, 1890 auf 18875, 1900 auf 24792, I913
auf 35078 u. Sank 1927 auf 31 026. Davon ent-
neien 7100 auf Belletristik u. Jugendschriften
23% 9); es folgen: Schulbücher 2997, Religions-
w1SS. 2566, Sozialwiss. 1985, Rechtswiss. 1711,
Techn. Wiss. 1659, Handel, Verkehr u. Indu-
Stie 1198, Heilwiss. 1167, Erziehung, Unter-
richt, Jugendbewegung 1150, Naturwiss. 966,
GesSchichte gog usw. Dazu kamen 1.J. 1927
6869 deutsche Zeitschriften. Dadurch erhöht
Sch die Gesamtproduktion 1927 auf 37 886
bibliograph. Einheiten (34871 1. J. 1913). Die
(-esamt - Buchproduktion der Welt wird auf
| 20000, dieGesamt-Zeitschriftenproduktion auf
10000 angegeben. Jedes B. in einer Auflage von
3000 Stück gedacht, ergibt in der ganzen Welt
300 Millionen B.exemplare, in Deutschland
135 Millionen, d.h. mehr als ein Drittel der
Weitproduktion. Die überaus rasche Steigerung
Buch, Bildung u. Erziehung.

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Setzte erst Mitte des letzten Jahrh.s ein, nach-
dem der Schulzwang durchgeführt u. die Rota-
tlonsmaschineerfunden war. Tatsächlich Scheint
heute das gedruckte Wort dem gesprochenen
Wort den Rang abgelaufen zu haben. Nicht alle
MensSchen lesen ; aber in ziviligierten Ländern
kommen doch alle mit Menschen zusammen, die
gelesen haben, im BannedieserGedanken stehen
Uu. Sie unwillkürlich an andere weitergeben.
11. Das Buch als Mittel des Bildungs-
erwerbs: Für den einzelnen ist das B. das
Leichteste Mittel, Bildung zu erwerben. Das Maß
dessen, was der Mensch braucht, um mit dem
Leben u. Seinen Aufgaben fertig zu werden, Ist
dem freien Bildungserwerb überlassen, u. dabei
Spielt das B. die Hauptrolle. Das B. weiß um
das Wissen der ganzen Welt u. aller Zeiten.
Nicht jeder kann Sich einen Lehrer beschaffen,
das B. Steht ihm leicht zur Verfügung; nicht
jeder kann Sich kostspielige Reisen leisten, das
B. iSt ErSatz dafür ; nicht jedem 1st der Verkehr
mit großen Männern vergönnt, das B. vermit-
telt ihm das bis zu einem gewissen Grade ; der
Mensch lebt nur eine kurze Zeit, aber durch
das B. wird ihm auch das Vergangene Seelisches
Erlebnis. Was Vergangenheit 1st, wird Gegen-
wart, was Entfernung, Nähe.
III. Buch u. Erziehung: Die Schule lehrt
die Kunst des Lesens U. Stellt Sie Sofort in den
Dienst des Unterrichts u. der Erziehung. Darin
arbeitet Sie viel zweckmäßiger als viele andere
Bildungsträger, z. B. die Vereine. Für die heran-
wachsende Jugend 1st das B. das goldene Tor
in die Welt, Mittel des Kenntniserwerbes,
aber auch eine unerschöpf 1. Quelle erhabener
Gefühle u. Willensimpulse. Die meisten Ideale,
die wirklich Ideale Sind, holt sie Sich aus Bü-
chern, Schon weil im ihrer Umgebung die reinen
Ideale Selten Sind. Das wirksamste B. ist das
B. 1m Ligenbesitz.
Tatsächlich wird aber das B. den persön].
Erzieher u. das vorgelebte Ideai nie voli-
Ständig ersetzen können. Ja, das B. bedeutet
in Seiner Unpersönlichkeit Sogar an Sich eine
Schädigung der persönl. Autorität; vor dem
B.druck war alle Erziehung u. Kenntnisver-
mittlung mehr an die Person des Erziehers ge-
bunden, was dessen Autorität ungemein Sicherte.
Dafür hat aber das B. in der Erziehung wieder
andere Vorteile, die das gesprochene Wort des
Erziehers nicht hat. Das gedruckte Wort ist mit
größerer Überlegung hingesetzt, kann bedäch-
tiger aufgenommen werden ; Nachschlagen u.
Vergleichen u. BeSinnen 1ist im B. mehr ge-
währleistet usw. So vorteilhaft diese Eigen-
Schaften Sich beim guten B. auszuwirken ver-
mögen, So nachteilig treten Sie in die Erschei-
nung beim Schmutz u. Schund (s. d.). Gerade die
darstellerische Überreiztheit u. die Möglichkeit
des Darüberhinbrütens über Solche Bücher 1st
das Gefährliche fürdie heranwachsenge Jugend.
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