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der Bund der Schüler-Turn- u. Sportvereine
an den höheren u. mittleren Schulen D.s (4000
Mitgl.), das tägl. Turnen (erfolgreich eingeführt
an der Staatl. Oberrealschule, den Mittelschulen
1. mehreren Volksschulen), der Schüler-Ruder-
verband (eigenes Bootshaus, 5 Vereine mit 15
Booten u. 120 Mitgl.) u. die Schwimmsportl.
Arbeitsgemeinschaft.
1V.Die Lehrpersonen der öffent]. Schulen
Sind unmittelbare Staatsbeamte u. besitzen an
den Volks- u. Mittelschulen bzw. höh. Schulen
Vertretungen in den beiden Lehrerkammern.--
Die Ausbziladung der Volksschullehrer wird z. Z.
von den preuß. päd. Akademien mitübernom-
men. Die Prüfung der Mittelschullehrer ertolgt
vor einem AusSschuß in D. Das akadem. Examen
kann in den mathemat.-naturwisSsenschaftl. Fä-
cker, in Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Fran-
zös., Philos. Propadeutik, Pädagogik, Engl.,
Kunstgeschichte, Wirtschafts- u. Staatskunde
u. deutsche Volkskunde vor einem besondern
Prüfungsamt nach der preuß. Prüfungsord-
nung abgelegt werden (auch in Preußen voll
anerkannt). Verleihung der Würde eines Dok-
tors der techn. Wissenschatften (Dr. rer. techn.).
Vgl. Merkblatt für das Studium an der Abt.
für GeisteswisSsenSchaften.
Die SeSoldungsordnung iSt der preußiSchen
angeglichen ; zum Grundgehalt werden 6%
AusgleichszusSchlag gezahlt; Wohnungsklasse
A. Vereine 1. Zeitschriften wie in Deutschland.
Schrifttum: Staatsanzeiger f. d. Fr. St. D.;
Gesetzblatt usw.; H. Lewinsky u. R. Wagner, D.er
Staats- u. Völkerrecht (1927); R. Kettlitz, Führer
durch die D.er Gesetzgebung (1926). Nachtr. 1
1028; Amtl. Schulblatt; D.er Statist. Mitteilungen
Ltschr. f. Verwaltung, Wirtschafts- u. Landeskunde
ier Fr. St. D.), hrsg. vom Statist. Landesamt; Das
Schulwesen der Fr. St. D., hrsg. ebd. (1926 u. 1930);
Turnen, Spiel u. Sport in D., hrsg. ebd. (1925);
oStaatShandbuch der Fr. St. D., hrsg. ebd. (1926);
0. Loening, Die Rechtsstellung der Fr. St. D.(1928);
P.Müller, Das D.er Bildungswesen (1928). Z. AM2y.
Decroly u. Decroly-Methode.
1. Decroly, Ovide, geb. am 23.VIL 1871 in
Renaix, arbeitete, nach einer hervorragenden Pro-
motion an der Universität in Gent, in Berlin unter
Langerhkaus, 3l/endel u. Foly, in Paris unter Ray-
HRE ü. Foro u. war ASSiStent an der BrüsSeler
Pcliklinik unter Glorieux. 1901 gründete er eine
Schule (Institut d'enseignement Special pour re-
tarcdes et anormaux) für zurückgebliebene u. ano-
maie Schüler. Die hier gesammelten Erfahrungen
verwertete er in Seiner 1907 in Brüssel gegr. Schule
für das Leben durch das Leben (Ecole pour la vie
par Ja vie, für Normale. 1912 wurde er Leiter eines
von CderProvinzorganisierten Lehrerbildungskurses
für Anomale u. Direktor der psycholog. Abteilung |

der Berufsberatung, 1913 Professor der Ecole Buls-
Tempels, einer höh. Schule für Pädagogik. 1914
Stündeigermitandern das Hilfswerk fürdie Waisen- ;
kinder des Krieges, den« Foverdes Orphelins». 1920 '
erinie]); er einen Lehrauftrag der Universität Brüsgel !
Decroly u. Decroly-Methode.
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für Kinderpsychologie, 1921 einen Solchen für
Hygiene (päd. Hygiene u. medizin. Pädagogik).
D. iSt, wie Sue, ein guter Psychologe, Ger
die Binetschen Intelligenzprüfungen übernahm
u. weiter entwickelte. Wie M. MoYiessor: ging
er von den Anomalen aus, um den Unterricht
der Normalen umzugestalten. Mit L7ig/hart im
Haag hat er, Theorie u. Praxis verbindend, Bil-
dung u. Erziehung auf der Freiheit fundiert.
Mit Annäherung an 70/n Dewey knüpft er über-
all an die Interessen des Kindes an u. holt den
Unterrichtsstoff unmittelbar aus der natürl. Um-
gebung der Kinder her, um Sie S0 auf das wirkl.
Leben vorzubereiten. Mit G. Keyrschensteiner
wünscht er eher Werkstätten als Hörsäle u.
Schätzt die Handarbeit bes. als Kenntnisver-
mittlerin. Fein ausgedachte Spiele, veröffentlicht
u. weitergeführt von 477ce Descezudres, weißer ge-
Schickt erzieherisch u. didaktisch zu verwerten.
D.s Schriften bes. Seit 1921: Sur l'intelligence
et les tests mentaux, Sur l'education, Sur Tl'affec-
tivite et Son observation, Sur le phenomene de 1a
globalisation, Sur V'enfance anormale, Sur l'orien-
tation profesSionnelle, Sur 1a pSychologie de enfant
hat 4. Hamaide in ihrem Buche (Die Methode D.,
1928, S. 167--171) verzeichnet.
II. Decroiy-Methode: Ihr Charakteristi-
kum besteht darin, daß ihr Urheber als Arzt,
PSychologe u. Pädagoge bes. befähigt war, eine
Vereinigung aller während der letzten Dezen-
nien aufgetauchten Bewegungen zu Schaffen, die
darauf hinausgehen, die Tätigkeit, das Leben,
diejederAltersstufe eigentüml.Bedürtnisse, Kurz
das Kind Selbst zur Grundlage aller Erziehung
zu machen. Schon bei anomalen Kindern haben
Sich inm die LeitSätze «das Rind Soll für das
Leben durch das Leben erzogen werden» u. Mülieu Soll So gestaltet Sein, daß das King inihm
die Reizmittel zur Entwicklung Seiner vorteil-
haften Neigungen findet», ergeben. Die Schule
muß nach D. in einer Umgebung liegen, die dem
Kinde es ermöglicht, täglich die Erscheinungen
inderNatur zu verfolgen, die LebenSäußerungen
der Lebewesen im allgemeinen u. der Menschen
im besondern zu beobachten u. vor allem in Sei-
nen Bemühungen Sich den Bedingungen Seines
Lebensraumesanzupassen. Das ganzeVertahren
ruht auf dem Prinzip der Freiheit. «Wir ge-
wöhnen das Kind an Disziplin in HinSicht auf
Fähigkeit, auf Arbeit, auf das Gute u. nicht mit
Rücksicht auf Regungslosigkeit, Passivität u.
Gehorsam.» Die Klassentrequenz Soll 20--25
Schüler nicht überschreiten. Die Schulräume
Sollen kleine Werkstätten (mit Tischen, fließen-
dem Wasser, Gas, Elektrizität, Werkbänken u.
Gestellen) Sein. Der Lehrplan behandelt jähr-
' Iich in Strengster Konzentration einen einzigen
Gegenstand, u. zwar eines der 4 tundamentalen
Bedürfnisse des Kindes (z. B. die Ernährung).
Dabei baut Sich die Methode immer aus fol-
genden 3 Stufen auf: Beobachtung, ASSoziation,

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