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körpert würde, ist nicht möglich, da die Seelische
Gegebenheit der jugendl. Volksgenossen bereits
verschieden ist u. eine psycholog. päd. Differen-
zierung ÜU. damit ein System von Schulen mög-
Iich macht. Jeder Schüler Soll in der allg. öffentl.
Schule jene Bildungswege vorfinden, die Seiner
Veranlagung gemäß Sind. Es kommen vorallem
;n Betracht eine Ausscheidung nach spekulat. u.
prakt. Interessen um das Io. u. die Scheidung
nach Berufsinteressen nach dem 14. Lebens-
jahr. Als 3. Gesichtspunkt wurde in die Wag-
Schale geworfen, daß die Begabten der wirt-
Schaft]. ungünstig gestellten Kreise Aufstiegs-
möglichkeit durch die E. haben Sollen. Auch
hierfüristnicht einestarre E. nötig; der Aufstieg
der Begabten ist auch imnerhalb derdifierenzier-
teaE.möglich, wenn nur auf Übergangsmöglich-
keiten geachtet u. der Schulaufbau nicht ohne
jeden innern Zusammenhang gestaltet wird.
11. Wertung: Über die reichs- u.lan-
desgesSetzl. Regelung unterrichten die Be-
Sziimmungen für die Grundschule, ferner Richt-
linien u. Lehrplan für die Ober- u. Aufbauschulen
rreuß. Verordnung vom 13. VI1. 1924 in den Weid-
mannscher TaSschenausgaben H. 6) u. für die
höheren Schulen im allgemeinen die preuß. Richt-
linien vom 6. 1V. 1925 (ebd. H. 19).
Die Forderung der Beseitigung von Klassen-
u. Standesgrundsätzen durch die E. wird immer
problematisch bleiben, da ihre Erfüllung mehr
von entsprechender Gesinnungspflege, Ver-
lebendigung des 2. Teiles des christ]l. Haupt-
gebotes, abhängig 1ist. Die Simultane, Konfes-
SIons- oder religionslose E. lehnen wir ab, da
mit *. Göttler (s. d.) zu betonen ist, daß na-
tionale GeSinnung u. Staatstreue, mit den ver-
Schiedenen wahrhaft religiögen Anschauungen
wohl vereinbar, ohne feste religiöge Überzeu-
cung Sogar Sehr zweifelhaft ist, u. da eine
reine StaatsSschule Jjedenialls für das religiöse
Gebiet u. also auch für die Arbeit der reli-
giöSen Einigung der Bevölkerung als unzu-
Stindig erklärt werden muß.
Schrifttum: J. Tews, Ein Volk, eine Schule
Jd919, vom Standpunkt des Deutschen Lehrer-
Vereins aus geschrieben); -- Die deutsche E. Freie
Bahn "'edem Tüchtigen (21920); Die Thesen zur E.
von G. Kerschensteiner bei der deutschen Lehrer-
verzammlung in Kiel 1914, in: Pharus, 1. Halb-
|. Göttler, System der Päd. im Umriß (*1927%;
„ v
Tabten. in : Jahrb. des Zentr.-Inst. für Erz. u. Unterr.,
2. Ihrg. 1920, 100--107 ; H. Richert, Die deutsche
Bildungseinheit u. die höhere Schule '1920); W.
I .
Bolle. Der Reformschulgedanke u. Seine Fort-
zetzung in der Gabelung, in: Päd. Zentralblatt, :
Einklassige Volksschule.

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H. 10 (1926); F. Behrend, Die Stellung der höheren
Schule im System der E. (1919); G. Budde, Die
höhere Schule im Rahmen der E. (1919); Lurz,
Zur E.bewegung, in: Pharus, H.2 (1917) u. H.7
(1920) (bringt reiche, gut charakteriszierte Litera-
turzusammenstellung); G. Bäumer, Die E.in Frank-
reich, in: Das deutsche Schulwesen. Jahrbuch 1925
(1926). F. X. Weigl.
EinklasSsige Volksschule.
[eV. = einklassige Volksschule.]
Die eV. war die Normalform der Szieh/schen
Kegulative im Preußen (1854). Falks Allge-
meine Bestimmungen (1872) zählen als nor-
male Volksschuleinrichtungen auf: die mehr-
klassige Volksschule, die Schule mit 2 Lehrern,
u. die Schule mit 1 Lehrer, welche entweder
die eV.oder die Halbtagsschule ist. Die neuen
preuß. Richtlinien der Jahre 1921 u. 1922 haben
die SklassSige Volksschule im Auge. In den
Großstädten entwickeln Sich bereitsg-u. 10klas-
Sige Volksschulen.
In den kleinen Dörfern u. kleinen Diaspora-
gemeinden bestehen eV.n weiter. Dabei 1st
bemerkenswert, daß in bes. großer Zahl oft
ganz kleine evang. eV.n (mit z. T. weniger als
10 Kindern) in überwiegend kath. Gemeinden
als öffentl. Volksschulen eingerichtet wurden.
Auf Grund des Art. 146, Abs. 1 der R Verf. wird
die Frage aufgeworfen, ob eV.n in Gemeinden
mit mehrklass1gen Schulsystemen gestattet wer-
den können, da derselbe Artikel im Abs. 2 for-
dert, daß «ein geordneter Schulbetrieb, auch
im Sinne des Abs. 1, nicht beeinträchtigt wird».
Das bayr. Konkordat von 1924 bestimmt in
Art. 6, daß ein geordneter Schulbetrieb auch
vorliegt, wenn die KonfessionsSschule nur als
«ungeteilte Schule» errichtet werden kann. Man
wird diese Bestimmung als Sachlich zutreffend
anSehen müssen. In den kleinen Dorfgemeinden
wird man Sie ohne größere Kosten durch kein
anderes SySstem ersetzen können. Man müßte
die Kinderzahl für einen Lehrer bedeutend er-
niedrigen bzw. 2 oder mehrere eV.n zu einem
mehrklass. SchulsySstem zusammenlegen. Ein
Schulauto müßte die Kinder aus den betr. Ort-
| Schaften zur Schule u. nach Unterrichtsschluß
' wieder nach Hause bringen. Diese Schwierlg-
' keiten Sind in den kleinen Diasporagemeinden,
; : -“ die Sich inmitten großer polit. Gemeinden ge-
jJahrsbd. 1914) 376f.; Die Thesen von Spahn für ' en 5 Pp OS
1; - - : bi in gerin Maß v -
die Tagung des Kath. Lehrerverbandes im Selben bildet haben, oft in geringerem Maß vorhan
Jahr, ebd. 2. Halbjahrsbd. (1914) 310ff.; E.v.Sall- den. Die moderne Volksschule hat in den grö-
vürk, Die deutsche E. u. ihre päd. Bedeutung.
“1920 ; 9./10. Jahrbuch des Vereins für christl. Er-:
ziehungswissenschaft (1919), bes. 103ff. u. 172ff.:-
ßeren Städten Hilfseimrichtungen besonderer
Art(Begabtenklassen, Förderklassen, HilfSSchu-
len, Schwerhörigen- u. Schwachsichtigenklassen
15 em t u. dgl.). Diese Ausgestaltung, in kleinen Ge-
R. Lehmann, Die päd. Bewegung am Beginn des:
20. Jahrh.s, VII: Die E. u. der Aufstieg der Be- | einer mehrklass. Schule, kann durch die Er-
-Tichtung einer Kkonfesstonellen eV. zweitfels-
meinden unter Umständen Sogar der Aufbau
ohne erschwert werden.
Da aber der Erfolg vertiefter Bildungsarbeit
von den Fragen der organisator. Schulgestal-

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