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auch aus diesen bloßen Gegebenheiten unge-
bührlich viel herausgelesen wurde. Es wäre neu
bzw. weiter zu untersuchen, wieviel an der alten
ASsSoziationslehre u. damit auch an der E. als
berechtigt zu gelten hat.
Schrifttum:W.Dilthey, Gesammelte Schriften,
Bd. V; E. Spranger, Lebensformen, Kap. 1 (81927);
K. Bühler, Die Krise in der Psychologie (1927);
G. Störring, Zur Frage der geisteswisSsenschaftl. u.
verstehenden PSychologie (1927); Th. Erismann,
Die Eigenart des Geistigen (1924); B. Petermann,
Die Wertheimer-Koffka-Köhlersche Gestalttheorie
u. das Gestaltproblem (1929). *. Rombach.
ElSsaß-Lothringen
(Bildungs- u. ErziehungswesSen).
1. Die niederen Schulen: 1. Gesetz].
Grundlagen. In EL.,, das durch den Versailler
Friedensvertrag zu Frankreich kam, wurde das
E1Ssaß-Lothringen.
gesamte Schulwesen alsbald nach den dort gel-
tenden gesetzl. Bestimmungen umgestaltet (s. Art.
Frankreich). Die Einrichtung u. der Unterhalt der
Volksschulen Sind geregelt durch das Gesetz vom
30. X. 1886. Der Schulbesuch ist obligatorisch vom
6. bis 13., für die Knaben bis zum 14. Lebensjahre.
Die Volksschulen Sind grundsätzlich konfessionell; ,
nur in einigen großen Gemeinden Sind Sie Iinter-
konfessitonell. Die Unterrichtssprache ist die fran-
zöSiSChe. Das Deutsche wird gelehrt im deutschen
Sprachgebiet (über 80 /, aller Gemeinden) von der
Mitte des 2. Schuljahrs ab, 2 Stunden wöchentlich,
vom 3. bis 7. bzw. 8. Schuljahr 3 Stunden. Der Rel.U.
Soll in diesen Schulen deutsch erteilt werden, kann
aber, Sobald die Kinder des Französischen ge- :
nügend mächtig Sind, auch in dieser Sprache ge-
geben werden. Sämtliche zum niederen Schulwesen
Volksschullehrplan für ganz Frankreich (23. II.
1923) iSt mit gewissen Abänderungen auch in den
3 wiedererhaltenen Departements eingeführt.
2. Schulaufsicht. Die oberste Schulbe-
hörde für das gesamte Schulwesen einschließ-
lich der Univergität ist der Xecteur d" Academie.
In jedem Departement werden die Schulen von
einem Einzelbeamten, dem JZwspecteur d' Aca-
dämie, geleitet, dem ein BezirkSunterrichtsrat
zur Seite Steht. In den einzelnen Kreisen führt
eim Schlinspektor die Schulaufsicht. In jeder
Gemeinde besteht ein Ortsschulvorstand.
3. BeSoldung u. Rüuhegehälter. Nach dem
letzten BeSoldungsgesetz (21. 111. 1928) erhalten die
Lehrer u. Lehrerinnen außer freier Dienstwohnung
oder entsprechender Wohnungsentschädigung fol-
gende pensionsfähigen Gehälter: Hilfslehrer u.
Hilfslehrerinnen 9000, Festangestellte 10 000 Fr. ;
5 Alterszulagen von je 1200 Fr. nach Je 6 Dienst-
jahren. Dazu 16*/, Sprachenzulage; ferner Familien-
zulagen : für das 1. Kind jährlich 600, für das 2.
800, für das 3. 1200, für jedes weitere 1400 Fr.,
außerdem Ortszulagen, 375--1680 Fr. jährlich, ab-
gestuft nach der Einwohnerzahl der Dienstorte mit
über 5000 Einwohnern. Die Mitglieder geistl. Ge-
nossenschaften erhalten eine Vergütung von etwa
50% des mittleren Gehaltsdes weltl. Lehrpersonals.
Die Ruhegehälter: ?/,,--*/30 des zuletzt be-


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zogenen Gehalts werden aus einer Pensionskassge
bezahlt, für die jeden Monat 6/5 des Gehalts zurück-
behalten werden. Witwenpension 40 */;, WaisSen-
pension 20*/, der Pension des Verstorbenen, Er-
höhung der Pensionen um 10*/;, wenn der Beamte
mindestens 3 Kinder bis zum 16. Lebensjahre unter-
halten hat, um weitere 5 */, für jedes andere Kind
vom 4. ab. Doch kann das Ruhegehalt das zuletzt
bezogene Diensteinkommen nicht überschreiten.
4. Statistik. Am1.XI11.1927: 3065 öffentl. VoZes-
Schutlen mit 5405 Klassen u.169 330 Schülern u. Schü-
lerinnen, 420 A Zeznkirndersciulen mit11840Kindern.
Lehrpersonal: 2884 Lehrer u. 3652 Lehrerinnen,
darunter 12 geistl. Lehrer u. 1648 Ordensfrauen.
Pyrivatelementarschulen : 119 mit 10715 Schülern;
private ÄLeznkznderschulen : 39 mit 2314 Kindern.
5. Das Fortbildungsschulwesen iSt ge-
Setzlich noch nicht geregelt, hat aber Seit dem
Kriege einen merkl. Aufschwung genommen.
So bestanden 1927 im Bezirk Unter-EI1saß allein
784 Fortbildungsschulen.
6. Die Mittelschulen wurden als gehobene
Klassen (Cours complementaires) den Volks-
Schulen angegliedert oder in Ecoles primaitres
Superieures umgewandelt oder als Vorberei-
tungsklassen für diese Schulen eingerichtet.
7. Die höheren Mädchenschulen wur-
den in Ecoles primaires Superieures, in Col-
leges oder in Lyzeen umgewandelt.
8. Die Ecoles primailres SUPpErleures
(10 für Knaben, 11 für Mädchen, 2 für Knaben
u. Mädchen, 1927: 3330 Zöglinge) können
etwa mit den deutschen Realschulen verglichen
werden, weisen aber dem Handfertigkeitsunter-
richt als Vorbereitung auf den Späteren Berut
gehörenden Schulen Sind Schulgeldfrei. Der neue. “NEN bedeutenden Platz zu.
9. Die Lehrerbildungsanstalten, Inter-
nate mit freier Pension, Sind Staatlich u. kon-
fesSionell, 3 kath. Lehrerszeminare zu Kolmar,
Oberehnheim, Metz-Montigny, 1 kath. Lehre-
ninnenseminar zu Schlettstadt, 1 evang. Lehrer-
Seminar zu Straßburg, 1 evang. Lehrerimnen-
Seminar zu Straßburg, 2 kath. Präparanden-
Schulen zu Oberehnheim u. Kolmar, 1 evang.
Präparandenschule zuStraßburg-Neudorf.1927:
insgesamt 496 Zöglinge. In diesen Anstalten,
z. V. auch in den Ecoles primaires Superieures,
wird der Volksschullehrernachwuchs ausge-
bildet. Nach dem Gesetz vom 6. X. 1919 kann
Seit 1. X. 1923 niemand ein Elementarschulamt
bekleiden ohne das Brevet Superieur (= höhere
Elementarprüfung) u. ohne einen wenigstens
Ijähr. Besuch des Seminars. Die feste Anstel-
lung erfolgt nach Erlangung eines päd. Be-
fähigungszeugnisses, das frühestene nach einer
2jähr. Tätigkeit durch eine prakt. Prüfung in
der von dem Kandidaten geleiteten Schulklassc
erworben werden kann.
IT. Die höheren Schulen. An öffentl. höhe-
ren Schulen gab es 1927: 8 Lyzeen u. 17 Colleges
für Knaben, 4 Lvzeen, 12 Colleges u. 1 Cours Se-
condaire2 für Mädchen; Schülerzahl: 7927 Knaben,
3026 Mädchen; 1010 Lehrkräfte, 30 private höhere

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