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richts (* 1929); -- Deutschkunde im EU. (*?1929);
R. Münch, Vom Arbeitsunterricht in den neueren
Sprachen (1927); H. Spies, Kultur u. Sprache im
neuen England (*1928); H. Strohmeyer, Methodik
des neusprachl. Unterrichts (1928); W. Vietor, Ein-
führung in das Studium der engl. Philologie als
Fach des höheren Lehramts(*1910); O. Wendt, En-
zvklopädie des EU.s. Methodik u. Hilfsmittel für
Studierende u. Lehrer der engl. Sprache mit Rück-
zicht auf die Anforderungen der Praxis (? 1912).
1. u. I1. +. Ewald; 111. ZZ. Montag.
Entschiedene Schulreformer.
[E.Sch. = Entschiedene Schulreformer.]
1. Entwicklung: 1. Die «E.Sch.» weisen
Selbst auf die Quellen ihrer ldeenhin:
auf RousSeau, der Aktivität, Spontaneität u. Pro-
duktivität des Zöglings fordert; auf FP2szal022z,
den Künder einer Erziehung, die «in der Nähe
bei dem Seinigen u. bei dem Tun anfängt» ; auf
Fichte, der im Geiste eine Einheits-, Lebensge-
meinschafts- u. Produktionsschule (s. jeweils d.)
zur Erneuerung des Volkes Schaut; auf Goerke,
dessen u. Produktionsschule darstellt, u. dessen Er-
ziehungsweiSheit dem ganzen Menschen gilt;
auf &. Marx, dessen päd. Programm der Pro-
duktionsschule Z. Schulz ü. S. Kawerau ent-
deckten. Von den Gegenwartspädagogen er-
kennen die Reformer vor allem G. &erScher-
Steiner (Ss. d.) als Geistesverwandten an.
2. Die GeSchichte des Bundes nahm ihren
Anfanz im Sommer 1919 mit der Bildung einer
Gruppe akademiSch gebildeter Männer u. Frauen,
deren Kritik zwar revolutionär, deren Geist aber
noch intellektualistisech gebunden war. Nach Er-
weiterung durch eine «Jungsozialist. Lehrergemein-
Schaft» trat der Bund unter Seinem jetzigen Namen
mit einer Herbsttagung 1919 in Berlin vor die
Otfientlichkeit u. verlangte als Vorbedingung der
MoitgliedSchaft «ein entschiedenes Bekenntnis zur
Idee des freien Volksstaates u. zum Geiste Sozialer
Gemeinschaft». Der neue Geist, das neue Erzie-
hungsziel u. die neue Schulorganisation zeigten
Sich bereits in ersten Umrissen. Januar 1919 er-
Schien die Zeitschrift « Dze zeue Erziehung? unter
Leitung des Unterstaatssekretärs Pacge als AUus-
druck verschiedener Schulreformerischer Bestre-
bangen. Das AusgScheiden ZP. Oeszreichs (Ss. d.) aus
dem Philologenverein wird zum Symbol der Abkehr
vom Intellektualismus u. der Hinwendung zum
Totalitätsprinzip. Die Mitarbeit der Reformer auf
der Reichsschulkonferenz 1920 [s. d.) galt vor allem
dem Erlebnisschulgedanken, also dem uneinge-
Schränkten Individualismus ; aber die Einheits- u.
ProduktionsSchule kündet Sich bereits an. 1920 ,
zeichnet Aawerau (s. d.) neben Baege als Heraus-
Sever der «Neuen Erziehung»; 1922 tritt Baege
zurück u. Oestreich wird die Seele des Organs der
Schulreformer. Das Ziel dertotalen Erziehung u. der
Weg überdie elast.Einheitsschule, die Produktions-
Schule werden immer klarer herausgestellt, bes. auf
der Oktobertagung 1923 in der Berliner Universität.
II. Ziel u. Wege: 1. P. Oestreich faßt das
Ziel der Bundesarbeit unter dem Schlag-
+
Entschiedene Schulreformer.

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worte: ReligzoSsterung des Lebens. Der Ausgangs-
punkt ist die Einsicht in die vollkommene Um-
gestaltung der Lebensverhältnisse durch die
Einengung des Wohnraumes u. durch die All-
gewalt der Techmik. Vollendung des Menschen
zu einer Einheit von Leib, Seele u. Geist durch
Emporbildung aller Schöpferischen Kräfte u.
zur Verantwortlichkeit der Ganzheit des Lebens
gegenüber, an dem Platz, an dem jeder steht ;
< Durchliebung» des alltägl. Werkschagens--das
1St derSinn derReligiosierung, fürdie Sich mit be-
Sonderem Nachdruck der Bundesführer einsetzt.
2. Der Weg zu dieszer Religiosierung führt
durch die Produktionsschule (S8. d.), die zentrale
1ee des Bundes E.Sch. Ihr Name Sagt nicht,
daß Sie wirtschaftl. Produktion als Selbstzweck
anerkennt, Sondern daß Sie den produktiven,
d. bh. den Schöpferischen Menschen heranbilden
will. Die Reformer stellen Sich in bewußten
Gegensatz zu dem russ. Arbeitsschulpädagogen
Hlonsky, der den Nachdruck auf wirtschaftl.
Erzeugung legt u. nicht aufdie «BeSeelung jeder
Art von produktiver Arbeit». Die ProduktionSs-
Schule ist als großzügige Siedlung («Farm») am
Rande der Großstadt gedacht u. umfaßt Garten
u. Feld, Schul- u. Wirtschaftsgebäude, Werk-
Stätten u. Spielplätze, Säuglingsheime, Krippen
u. Kindergärten, Wohn- u. Festräume ; Ste Soll
zugleich Kulturzentrum fürdieheranwachsende
Jugend u. die Eltern werden (vgl. die Siedlungs-
1dee in der «Päd. Provinz»: vgl. auch den Bau-
plan von Arzuno aut tür die Aufbauschule in
Neu-Kölln).
3. Der elast. Einheitsschulgedanke
wird durch P. Oestreich bes. entschieden ver-
treten. Die Differenzierung Soll aber nicht nur
durchdie Begabung bestimmt werden (vgl.Tews,
Kerschensteiner u. a.), Sondern auch durch
eine innere Differenzierung, die den Schul-
charakter SOzuSagen auflöst. Fähigkeiten, Nei-
gungen U. Interessen JasSsen neben dem Kern-
unterricht eine «innere, Stets revidierbare u.
fließende, kursweise Sonderung>» zu; So braucht
auch die Selbstverständl. Koedukation nicht
immer Koinstruktion zu Sein. Die Zugehörig-
keit zu einer Arbeitsgemeinschaft, einem Wahl-
KurSsus wird also weder durch Alter noch Ge-
Schlecht, Sondern an erster Stelle durch die
freie Selbstentscheidung der Schüler bestimmt.
Der Rahmen der Interessen kann Sich auch
erweitern über alle bisher durch Lehrpläne
festgelegten Stoffgebiete.
Die vertikale Gliederung der Schule durca-
läuft alle Stufen von Mutterschutz u. der Säug-
lingspflege bis zur Hochschule oder Volkshoch-
Schule. Die horizontale Gliederung paßt
Sich den verschiedenen Siedlungsverhältnissen
an, die nur in der größern Stadt eine Ober-
Schule (Gymnasium) u. nur in der Provinz eine
Hochschule möglich machten. Die Zehrerfrage
löst Sich in der Praxis der Produktionsschule

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