687 Erziehungsrecht,
Erziehungsrecht, -gewalt u. -pflicht.
[ER. = Erziehungsrecht, EG. = Erziehungsgewalt,
EP. = Erziehungspflicht.]
I. Begriffliches: Von Erziehungsrecht
kann man in einem doppelten Sinn Sprechen :
Recht oder Anspruch azf Erziehung u. Recht
oder Befugnis 2zr Erziehung. Träger des erste-
ren ist der Erziehungsbedürftige (der Zögling,
die Jugend); Träger des letzteren der oder die
Erzieher. Gewöhnlich wird das Wort ohne weli-
teres im letztgenannten Sinn gebraucht, u. dieser
Sinn Soll auch Gegenstand der nachstehenden
Darlegungen sein. Dabei wird der ideelle Zu-
Sammenhangmit ER. im erstgenannten Sinn Sich
von Selbst ergeben. -- Erziehungsgewalt
wird häufig vollkommen identisch mit ER. ge-
braucht, kann aber auch in erster Linie die Mög-
lichkeit u. Kraft zur AusSübung des ER.s inten-
dieren. --Erziehungsptlicht wird eindeutig
im Sinne von Verbundenheit zur erzieherischen
Tätigkeit am Erziehungsobjekt gebraucht, also
nicht wie dasetwa bei Ausdrücken wie Bildungs-
pflicht oder Schulpflicht der Fall 1st, als Verbun-
denheit, Sich Erziehung gefallen zu lassen, deren
Maßnahmen Sich zu unterwerfen. Hierfür ist das
freilich nicht im ganzen Umfang zutreffende
Wort Gehorsam in Gebrauch. -- Nicht jedem
Recht entspricht auch Pflicht zur Ausübung; es
gibt genug verzichtbare Rechte. Ob ER. u. EP.
Sich umfänglich decken, letztere etwa ersteres
erst im ganzen Umfang begründet, ist eine der
grundlegendsten Fragen. -- Das Wort Recht
kannimSinne despositiven, histor., in Verträgen,
Gesetzen oder Sonst irgendwie formulierten An-
Sprüchen zum Ausdruck gekommenen Rechts
verstanden werden. Insofern wäre ER. die
Summe der in Hinsicht auf Erziehung ergange-
nen, in diesen u. jenen Rechtsgemeinschatften
in Geltung Stehenden Bestimmungen. In diesem
Sinne ist vorerst nur von Schulrecht (s. d.) die
Rede, darüber hinaus nur von Erziehungs- u.
Bildungswesen, in anderer Einstellung von Ju-
gendrecht (s. d.), nur teilweise vertreten im EI-
tern- oderFamilienrecht. In derWortverbindung
ER. wird Recht wohl meist im Sinne eines Iir-
gendwie begründeten Naturrechts verstangen,
das Grundlage u. Norm jedes positiven Rechts
Uu. SO avch Grundlage sSittl. Bindung Sein Soll. --
Jedes Recht (einzelne rechtl. Befugnis) Schließt
begrifflich in Sich den Anspruch auf Anerken-
nung, Sei es durch Verzicht aut kollidierende
Änsprüche anderer, Sei es durch deren Lei-
Stungen. Insofern bedeutet ER. ein Doppeltes :
a) Anspruch der Träger von EG. gegenüber
andern Personen u. Gemeinschaften auf aus-:
Schließliche oder irgendwie abgegrenzte Be-; Af Zer SIA. ALrCh hängigen
. 7 S Iv tc . 3 c < O
Sorgung der Erziehungsarbeit an Hestimmten YIASSUNG VON der Staati. durCHaus UNaDNANSIS
Zöglingen ; b) Anspruch der Träger von EG.
erlegten Betätigungen bzw. V erhaltungsweisen, .
-gewalt u. -pflicht. 688
auferziehl. Gehorsam.-- Derlegitime Anspruch
des Erziehers auf den Gehorsam des Zöglings
bzw. auf dessen Entwicklungsbeeinflussung iSt
die erziehl. Aut07rztat im eigentlichen u. echten
Sinn, im Unterschlied zu der meist auch a3js
Autorität bezeichneten faktischen Beeinflus-
Sungskraft, die durchaus nicht immer auf der
vom Zögling erfaßten u. anerkannten echten
Autorität beruht, meist vorwiegend in wegent-
lich andern physischen Faktoren (Überlegen-
heit, Sympathie, Abhängigkeit) wurzelt. -- Die
nähere inhaltl. Bestimmung u. Begründung die-
Ser vorerst rein formal umschriebenen Begriffe
hängtinnig zusammen mit der GrundauffasSung
über Wesen u. Ziel der Erziehung, über Verhält.
n1Ss von Individuum u. Gemeinschaft, von Staat].
u. relig. bzw. weltanschaul. Gemeinschaft.
II. Geschichtliches: Der sachl. Inhalt von
EP. bzw. ER. 1ist bei allen Völkern die längste Zeit
faktisch geübt worden, bevor er Gegenstand gesetzl.
Bestimmungen u. eth. bzw. religiös-Sittl. Ermah-
nungen u. Schließlich, zunächst in Begründung
Solcher, theoret. Darlegung wurde, bis Schließlich
die Erziehung als Ganzes, Ihre Berechtigung, zum
Problem wurdebes. in der Zuspitzung der Erziehung
zu einem bestimmten «Bekenntnis», zu einer be-
Stimmten Lebens- u. Weltanschauung. Die Gesetz-
gebung bestimmte zunächst einzeln, im Zusam-
menhang mit andern Eltern- (u. event. Vormunds-)
pflichten, gewisse Mindestleistungen in Beauf-
Sichtigung, Berufsausbildung, Ausstattung bzw.
Vermögensvererbung u. deren oberste Zeitgrenzen
(Mündigkeitsalter); es entstand So ein Elternrecht,
nicht bloß elterl. ER. Mit Aufkommen des Schul-
zwanges entwickelte Sich auch theoretisch ein ER.
des Staates in Konkurrenz, Ja oft unter Verneinung
jedes ER.S der Eltern. Die bis zur Aufklärungszeit
wesentlich religiös fundierte Sittenlehre u. Ethik
erörterte das Mindestmaß des für Eltern u. Kin-
der Pflichtmäßigen, ebenfalls nicht mit Scharfer
Scheidung von Erziehung gegenüber Pflege u. Ver-
Sorgung, u. die Gewissenspflicht von Eitern u. Nin-
dern gegenüber den rasch zunehmenden Ansprü-
Chen des Staates (oder Seiner Theoretiker) in Hin-
Sicht auf Schule u. Bildung. Ein dritter Quellbezirk
hierher gehöriger Gedankengänge ist die teils in
der Moraltheologie teils in der Pastoraltheologie,
Abt. Katechetik, erörterte, auch im kanon. Recht in
etwa umschriebene Päicht der rehg1ös-Sittl. Unter-
weisung durch die Organeder Kirchei im Fortsetzung
einer auch als Eltern- (Paten-pflicht erklärten Auti-
gabe, aber auch eine vom Standpunkt des Zöglings
aus formulierte Pflicht des Zöglings (Christeniehr-
pflicht). Da die Sittlichkeit mit ihren Normen in alle
Bezirke des Lebens reicht, die christi. Kirche aber
zur Vertretung dieser Normen vor allen Menschen,
zur Einführung der durch die Taufe iht einver-
leibten in diese Normen u. zur Hilfe in Beobachtung
derselben von ihrem Stifter bestimmt 1ist, ergibt
SICh ein weitreichendes ER. auch dieser nach kath.

Gemeinschaft, deren Abgrenzung gegenüber elterl.
| u. Staatl. ER das Problem des ER. Igemeinen
gegenüber dem oder den Zöglingen auf Lei-' t. das Problem des ER.s im a
Stung der in den Erziehungsmaßnahmen auf-:
vertiefte u. komplizierte. = Eine Selbständige päd.
Erörterung des Problems ER. ist daneben kaum
- aufweisbar. Was in den früheren erziehungskundil.

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