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Gegensgatze näher nachgegangen. Das Gewicht der
Vererbung wird für die Pädagogik bes. radikal her-
vorgehoben von W. Hartnacke, Organ. Schulge-
Staltung (21926), u. von F. Lenz, Über die biolog.
Grundlagen der Erziehung (* 1927). Teil-G.en :
F. Klatt, Das Gegenspiel (?1929); Vierteljahrsschr.
für wissenschaft]. Pädagogik, Jhrg. 5, H.2, S.166f.
u. 175 f. (1929); Die Lebenswelt der Jugend in der
Gegenwart, hrsg. von H. Maaß (1928). Unter meh-
reren Beiträgen von H. Schmidkunz zum Thema
Sei genannt: Genealogie u. Pädagogik, in: Lehr-
proben u. Lehrgänge, H. 80 (1904).
1. F5. Maver. 11. Z. Schmiadkunsz. 111. *. Spreler.
Familienpädagogiku. häusl. Erziehung.
[F. =
Familie.]
Familienpädagogik u.


Der Wandel der Jahrh.e hat die tragende Be- |
deutung der ZF. nicht zu erschüttern vermocht.
Solange die christ]l. Weltanschauung unter den
Völkern u. Nationen ihre formende Kraft be-
wahrt, ist die F. in ihrem Bestande gesichert.
Sie 1st die große erzieherische Macht, die trotz
ihrer Bedrohung durch Großstadtentwicklung
u. moderne Systeme heute noch das anerkannte
Fundament des Volks- u. Staatslebens darstellt.
Aus diesem Grunde 1st sie auch in der neuen
deutschen R Vert. im Sy 119 verankert worden.
1. Die Familie in ihrer erzieherischen
Bedeutung: Schwieriger als die Schul- u. Be-
' nisSSe des Kindes,
rufserziehung 1st die F. in ihrem päd. Sinnge-.
halt zu fassen. Sie Speist Sich aus undarstell-.
baren, vieltach unbewußt wirkenden Lebens-
impulsen, die eher ahnend erschaut, als formu-
liert werden können.
I. Qarin, daß Sie auf den immer lebendigen
Kräften der Zuneigung u. des Vertrauens, des
Verstehens u. der Treue aufbaut. F.nerziehung

Guß
häusliche Erziehung. 52
7
Sorge um die äußere Lebensmöglichkeit u. 1e-
benssicherheit, das WisSsen um Welt u. Zeit. Die
Mutterschaft verkörpert die Wärme u. Güte, ist
Trägerin zarter Pflege u. feinen Verstehens für
alle leib-Seelischen Nöte. Sie belebt uU. gestaltet
das Heim zu einem Mittelpunkt u. Abbild des
Kulturgeschehens. In dieser Erziehung wird am
leichtesten Einsgeitigkeit vermieden u. der heran-
wachsende Mensch in einen Reichtum Sich er-
gänzender, fruchtbarster Eindrücke gestelilt.
Die F. nerziehung Stellt 5. eine SICh anpassende,
einfühlende Erziehung dar, aufgebaut auf der
| Selbstverständl. Verpflichtung der Eltern, Sich
aufdie Hilfsbedürftigkeit des Kindes u. Seine in-
nern Wachstumsgesgetze einzustellen. Als Solche
nimmt sie Ständig Rücksicht auf die Bediärf-
gleicht ihre päd. AbsSsichten
dem Entwicklungstempo des Kindes an u. läßt
ihm Raum für eine Selbsttätige Auslese von
Eindrücken der Außenwelt. An 6. Stelle Sei auf
ihren vorbereitenden Charakter hingewiesen. Sie
iSt auf die übrigen menschl]. Gemeinschafts-
formen hingeordnet. In ihr verwirklichen Sich
alle Kräfte freudigen Helfens u. Dienens ; hier
entfaltet Sich Autorität u. Pietät u. Achtung
vor der Sendung Jedes eimzelnen. So werden in
der F. keimhaft vorausgelebt alle Eigenschaften,
die den Berufskreis, den Staat u. die Kirche
tragen helfen. In ihr entfalten Sich die ersten
aktiven Kräfte des werdenden Christen u. des
Staatsbürgers.
DI. Entwicklung einer F.npädagogik:
' Eine F.npädagogik (oft weniger glücklich uv. vor
Die erzieherische Bedeutung der F. beruht allem mißverständlich ZLornpädagogik genannt;
wurde notwendig, als die F. aus dem primitiven
iSt 0r.ganiSche Erziehung, die Sich in der Be-.
fruchtung ehelicher Liebe immer neu Sspeist
u. entzündet u. dadurch ihre tiefe Dauerhaf t1S-
keit u. Stetigkeit erweist. Ein 2. Kennzeichen
der F. ist ihre gleichmäßige Berücksichtigung
: verfeinern,
aller menschl. Kräfte. Die Bedürfnisse des Kör-
pers werden in ihr Selbstverständlicher als in
der Schulerziehung neben den Forderungen für
Seele u. Geist gesehen. So 1ist SIe ZarmonSch,
indem Sie die kulturschöpterischen Kräfte des
Menschen allseitig entwickelt u. pflegt. Die
F.nerziehung 1st 3. ihrem Wesen entsprechend
grundlegend u. prägend, für alle Lebensalter
gleichmäßig bedeutungsvoll. Die Werte einer
guten F.nerziehungsSind von ciner Tragkraft, die
alle Später einsetzende Erziehung an Wirkung
überdauert u. diese wesentlich erieichtert. Inihr
wächst Angeborenes u. Erworbenes zu einem
Ganzen zusammen, das man mit dom Worte
Bildungsg
iSt 4. vielSsettig ut. ausgleichend. Sie lebt aus den
von Vaterschaft u. Mutterschaft. Die VaterSchaf!
trägt in die Erziehung die Starke Hand, die
Wander- u. Hirtendasein in ein stetiges Leben auf
aigenem Grund u. Boden überging u. zur Prägung
einer Kulturemporstieg. Das Verhältnis von Eitern-
Schaſt zur Kindschaft ruft Selbsttätig päd. Bemü-
hungen hervor, die Sich in dem Maße vertiefen u.
als die F.nglieder geistig u. SeeliSch
wachsen. Unter der familienbejahenden Krait
christl. Lehre u. Sitte entwickelte Sich im Volke
ein Grundstock erzieherischer Erfahrung, der Sich
von F. zu F. mündlich fortpflanzte oder im F.n-
chroniken, geistigen Testamenten u. Ansprachen
z.B. «Briefe eines Vaters an Seinen Sohn») Schrittl.
Spuren edlerLebenswerte den Nachkommen hinter-
ließ. Diese überlieferte päd. Weisheit begründete L.
trug, zusammen mit der in Jeder F. eigenständig
erworbenen Erziehungserfahrung, das F.nleben
früherer Zeiten ohne weiteres. Die unbewußt wirk-
Same, originale päd. Kraft der F. Steht u. fällt mit
ihrem Sittl Hochstand. Das Versagen eZrziehe-
rundlage am besten kennzeichnet. Sie.
riScher Mächte sStelit Sich bei erfallserScheinungen
des F.niebens Sofort ein. Diese riefen Pädagogen
anf, die nunmchr, da man Sich nicht mehr auf die
unmitteibaren Wirkkräfte der F. verlassen Konnte,
bewußt u. planmäßig Wege aner Rückerziehung
zum F.ngedanken beschritten. Der erste origina: 1e
. “ ZS , Niederzchlag einer bedeutsamen F.npädagogik 1St
SIch ergänzenden Kräften u. den Spannungen |
das Schrifttum Pstalo537S. Der Roman « Lienhard
u. Gertrud» ist ein eindringl. Bild der universalen
u. tiefgründigen Erziehungskraft der F., «Wie Ger-

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