ZUM GELEIT.
Ih» Sehr charakteristiScher Zug unserer Gegenwart ist das Ringen um den Menschen.
Eine ähnliche Erscheinung finden wir häufig in entscheidenden Übergangsepochen, 50
besonders u. a. am Ausgang der Antike. Es lassen Sich dafür eine Reihe von Gründen angeben:
I. Indem die bisherige Kultur und Lebensform erschüttert wird, Sieht Sich der Mensch auf
Sich Selbst und die Frage nach Seinem Sinn und Wert zurückgeworfen. 2. Den Sich neu formen-
den Verhältnissen und der werdenden Welt ist der heranwachsende Mensch anzupassen oder
doch für Sie vorzubereiten. 3. Die Erkenntnis, daß auch geschichtliche Völkerschicksale ab-
hängig Sind von der Art der Menschen, an denen Sie Sich vollziehen, erweckt das Verlangen,
durch Formung eines neuen, besser gearteten Menschen auch eine bessere Zukunft zu Sichern.
Die Sorge um den Menschen offenbart Sich heute vor allem in dem gewaltigen päda-
gogiSchen Bemühen unserer Tage, das Sich in einer kaum mehr zu übersehenden
Literatur und in einer Fülle von Schulreformen und Experimenten aller Art auswirkt. Die
besondere Eigenart dieser Gegenwartspädagogik wird namentlich dadurch gekennzeichnet,
daß Sie Sich allmählich erst zu einer methodisch geklärten WisSenschaft emporläutert und Sich
zugleich vor umfassendste und Schwerste Aufgaben gestellt Sieht. Diese Probleme erwuchsen
nicht nur aus den Wandlungen und Erschütterungen unseres gesamten Lebens, die Kultur,
Wirtschaft, Gesellschaft und Individuum, das äußere wie das Seelische Leben in stärkste
Mitleidenschaft ziehen, nicht nur aus der Fülle der einander widersprechenden und aus-
Schließenden Weltanschauungen, Sondern auch aus dem Reichtum neuer Einsichten und Er-
Kenntnisse, die Sich aus dem Erleben, besonders aber aus der Forschungsarbeit auf allen
Gebieten, vor allem der Psychologie und Soziologie, allmählich ergeben. Erziehungsziel und
Erziehungsweg, pädagogische Praxis und Theorie befinden Sich Seit langem in ungeheurem
Fiuß und in schwerster Bedrängnis.
Um an der systematiSschen und zielbewußten Klärung aller 50 aufgeworfenen Probleme
wiSSenschaftlich mitzuarbeiten, trat das Deutsche Institut für wiSSenschaftliche
Pädagogik in Münster ns Leben. Es Steht bei Seiner Arbeit bewußt auf katholischem
Standpunkt in der Überzeugung, daß Pädagogik als Menschenformung letzten Endes nur
im Rahmen einer bestimmten Weltanschauung möglich ist. Durch Seine Tagungen, Vorträge
und RursSe, besonders durch Seinen Führerkursus, dann vor allem durch Seine Forscherarbeit,
Seine Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik, durch das in Seinem Auftrag er-
Scheinende großangelegte Handbuch der Erziehungswissenschaft und Seine Sonstigen wisSen-
Schaftlichen Publikationen Sucht es am Aufbau einer wisSenschaftlichen katholiSchen Pädagogik
mitzuhelfen.
Diesem Ziele Soll auch das zweibändige Lexikon der Pädagogikder Gegenwart
dienen, dessen erster Band hiermit der Öffentlichkeit übergeben werden kann. Ursprünglich
geplant als Fortführung von Rolotfs Lexikon der Pädagogik bis in die Gegenwart, hat es Sich
im Laufe Seiner Entstehung ausgewachsen zu einem Selbständigen Lexikon für die Pädagogik
der Gegenwart. Treu dem Geiste des Deutschen Instituts für wisSenschaftliche Pädagogik
will es Führer und Berater Sein für alle wesentlichen Fragen der theoretischen und praktischen
Pädagogik von heute, die es Sowohl Ssystematisch wie geschichtlich von allen Seiten wissen-
Schaftlich zu beleuchten und im Lichte katholischer Weltbetrachtung darzustellen unternimmt.
Daß in der Gegenwart, ganz besonders bei dem heutigen Stande der Pädagogik und der
Wirtschaft, größte, von vornherein nicht zu übersehende Schwierigkeiten zu überwinden waren,
bedarf kaum eigener Betonung. Auch dies nicht, daß es nicht möglich war, alle Beiträge in
gieicher Güte und Vollendung hereinzubekommen. Mögen etwaige Mängel nicht ungerecht
machen gegen den Ernst und die Mühe, die dem Ganzen das Gepräge verleihen.

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