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besetzten Vorstellung (z. B. des gefürchteten
Vaters) auf eine mit ihr assozierte Vorstellung
(z. B. von Gott Vater) kann der erklärende
Grund Sein (z. B. für religiöse A.). Teleologisch
Sieht die Individualpsychologie (s. d.) in den
A.zuständen Vorposten u. Sicherungen gegen
Minderwertigkeitserlebnisse. Angstliche wagen
nicht den Wettkampf des Lebens, die F eigheit
aber maskieren Sie mit Phobien, in die Sie SICh
unbewußt flüchten; andere Suchen Sich gegen
ihre Leidenschaften zu Sichern, z. B. gurch die
A. vor Ansteckung ; Stets ist die Teilnahme der
Umgebung ein Nebengewinn. Auch heße Sich
denken, daß A. festgehalten wird, um eine Ent-
Schuldigung zu haben für Iustbringende Ver-
fehlungen, von denen man nicht lassen w1ll.
Doch bleibt dieses Sinn-deutende Verstehen
häufig ein Wagnis, das von erkenntnistheore-
tiSchen Bedenken nicht immer frei 1st.
IV. PädagogiSches: Nach dem Gesgagten
iSt die Bewertung der Z2/. Katharina von S10na
im allgemeinen richtig: die Furcht kann gut,
heilig Sein, die A. aber ist vom Bögen. Er-
ziehung kann an A. Schuld Sein, Soll davon zu
heilen u. davor zu bewahren Suchen. Unmittel-
bar kann die Erziehung Schuld Sein durch zu
große Strenge u. Enge, wodurch nach Moz-
1aigne Sklavensinn u. Verschüchterung ange-
züchtet wird. Auch das A.- u. Bangemachen
durch gruselige Erzählungen, Drohungen, päd.
unrichtige Warnungen (vor dem Straßenüber-
gang, der Straßenbahn, vor Autos) gehört hier-
her. Mittelbar ist Erziehung an A.zuständen
Schuld durch Weckung oder Schatftung von
Neuro- u. PSychopathien, z. B. durch Überan-
Strengung, Zwang zu falscher Arbeitsmethode.
Unausgesprochene u. unausgegl. Spannungen
unglückl. Ehen übertragen Sich aut die Kinder
der Familie u. äußern Sich als A. (C. G. Fung).
MiSchehen bieten dazu Anreiz (Übpperlezm,
Liertz). Die Ruhelosigkeit, Unsicherheit u.
Ängstlichheit der kindl. Umwelt überträgt Sich
leicht auf das darin eingebettete Kind. Die allzu
peinl. u. gewaltsame Unterdrückung vielleicht
gar nicht ganz zu vermeidender Kinderfehler
u. Unarten kann das Kind mit krankhaften
Schuld- a. A.gefühlen erfüllen, aut Kosten der
Anhalt.

Nerven zu viel psychophysiSsche Kraft zur,
Unterdrückung verbrauchen lassen. Die Fehler-
' der Berufsausbildung Stehenden Schulen Sind
quellen nennen ebenso viele prophylaktische '
GeSichtspunkte. Die /ZZezr/?behandlung wird zu-:
nächst auf Grund individueller Diagnose die '
ÜrSachen der A. auszuschalten Suchen. Dazu :
Sollte treten die Sicherheit u. Ruße des MWalieus. '
Die Eltern Sollten Schon der Kinder wegen ;:
die ehel. Spannungen durch Aussprache ent-!
ternen. Ist nicht Cmweltswandiung möglich, So:
muß Ümaweltswechsel eintreten. Bei körperl. Be-!
dingtheit muß entsprechende arz!/. ZAerapie |
eintreten. Realitätsannäherung, Affektgymna-|
Stik usw. Sind hier ebenso Heilmittel wie:
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bei der übertriebenen Furcht. Bei hinreichend
begabten Kindern u. Erwachsenen kann die
päd. richtige Erklärung| Analyse) u. Ertmaskie-
rung der A.zustände (Gottes-A. aus Vater-A. ;
A. als Lebensfeigheit u. Selbstliebe) in ent-
Sprechenden Fällen Heilung einleiten. Gegen
Pantophobie u. Welt-A. iSt ein gutes Mittel Gozf-
vertrauen u. vernünftige GewzsSensplege.
Schrifttum: Siehe die Arbeiten von Binet,
Ribot, Hirschlaff, Groos, Heller wie unter Art.
Furcht. Dazu: H. Oppenheim, Nervenkrankheiten
u. Lektüre, Nervenleiden u. Erziehung (*1909);
L. Frank, Über A.neurosen u. d. Stottern (Zürich
10911); P. Häberlin, Kinderfehler als Hemmungen
des Lebens (Basel 1921); Th. Müncker, Der pSy-
chische Zwang (1922); Th. Ziehen, Die Geistes-
krankheiten usw. im Kindesgalter (? 1926); E. Wex-
berg, Das ängstl. Kind (1926, in der indivialpsy-
cholog. Sammlung «Schwer erziehbare Kinder»);
A. Kronfeld, Zur phänomenologischen Psychologie
u. Psychopatholozie des Wollens u. der Triebe, in:
E. Ütitz, jahrbuch der Charakterologie IV (1927);
R. Allers, Das Werden der Sittl. Person (1929);
Zur phänomenolog. Auffassung der A. vgl. M.
Heidegger, in: Sein u. Zeit (1927); O. Liebeck,
Das Unbekannte uv. die A. (1928). L. Bopp.
Anhalt (Bildungs- u. Erziehungswesen).
1. Schulwesen: Durch Gesetz vom 22. IV.
1850 wurden die öffentl. Schulen A.Ss zu Staats-
anstalten erklärt (über das Historische s. Roloff,
Lex. d. Päd. I 146). Dieses Gepräge hat das
anh. Schulwesen, Soweit es ausschließlich der
allgemeinen Bildung dient, bewahrt u. Sich nach
Unterbrechung durch den Weltkrieg unter den
durch den Umschwung der Zeiten geschafienen
Verhältnissen, unter politischen, Soziologischen
u. päd. Anschauungen, wie Sie Sich im Schul-
wesen von ganz Deutschlandls.d.) geltend mach-
ten, entwickelt. Es umfaßt 14 /Zößere Schuien
(1 Gymnasium alter Form, 3 Reformgymnasien,
2 Retorm-Realgymnasien, 2 Oberrealschulen,
4 Lyzeen, 1 realgymnasiale Studienanstalt),
27 MMattzlschulen u. 231 Volksschulen einschließ]l.
3 Selbständigen Zz//sSSchulen, die den Namen
PestalozziSchulen tragen. Daneben gibt es
3 höhere Schulen, die von Städten mit Staatl. Un-
terstützung unterhalten werden, 1 höhere Privat-
lehranstalt u. 14 private Kath. Volksschulen,
die z. T. Staatl. Beihilfen in Höhe der ertorder-
lichen Lehrergehälter beziehen. Die im Dienste
: Einrichtungen der Gemeinden oderrein privater
Natur. Sie Unterstehen der A.er Regierung, Abt.
aes Innern, u. der A.er Regierung, . Abt. für das
| Schulwesen. Zur Errichtung von gewerbl. Ze-
ruüfsSSchuten (Fortbildungsschulen) Sind die über
2000 Einwohner zählenden Gemeinden ver-
| pflichtet; bei den übrigen Gemeinden kann der
Pflichtbesuch durch Aufsteilung einer entspr.
Ortssatzung bestimmt werden. BiSher haben von
diesem Recht nur w enige Landgemeinden Ge-
' brauch gemacht. Aber auch S1e erfasSen nur die

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