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lehre. Katechesen für die Volks-F.n I11 (1929);
JT. Göttler, Der Rel.-U. in der F.(1916); F. Weiler u.
M. Weis, Religiöse Lebenskunde in der ländl. F.
(1929); F. Schmidt, Die deutsche F. in ihrer ge-
Schichtl. Entwicklung unter besonderer Berück-
Sichtigung Badens (1930); Zezischriften : Die deut-
Sche Berufsschule (38. Jhrg. 1929); Ztschr. für das
ländl. F.wesen in Preußen (20. Jhrg. 1929); Bad.
Berufs-Schule (5. Jhrg. 1930); Heimatiebenskunde.
Ztschr. für die bayrische Volks-F. (1. Jhrg. 1928).
M. Watter.
Frage u. Antwort.
[F. = Frage, A. = Antwort.]
1. Wesen: Man spricht von einer F., wenn
eine Lücke im WiSsSensbesitz Sich derart geltend
macht, daß das Verlangen nach Ausgleich des
Mangels rege wird. Dieses Wissensbegehren
Spielt Sich in Form einer Aufgabe, die wir un-
Serem Denken stellen, in unserem Bewußtseim
ab oder wird als Bitte um Aufklärung an die
Umgebung gerichtet. Das Verlangen nach Er-
weiterung des Wissens hat Sich für diesen Fall
eine eigene Ausdrucksform geschaffen. Doch
iSt nicht alles, was SICh dieser AusdruckSsweise
bemächtigt, als echtes F.erlebnis anzusehen.
Bei der rhetorischen F., bei der Prüfungs-,
Scherz- u. Suggestiv-F. fehlt das aus Nicht-
wiSSen entspringende Wissenwollen.
Mangel an Wissen genügt noch nicht für das
Lautwerden einer F. Er muß auch als Solcher
gefühlt, bemerkt, wenn auch nicht voll bewußt
werden. Außerdem muß der F.nde dem fehlen-
den WissSen einen gewissen Wert beimessen, da
Sonst die F. danach einfach unterbleibt. -- Der
zu einer F. führende Mangel an Wissen 1st in
keinem Falle ein vollständiges Nichtwissen. Auf
ein ganz unbekanntes Ziel kann Sich kein Den-
ken u. daher auch kein Wissenwollen richten.
F.n im allgemeinen Setzen einen bestimmten
Stand geistiger Entwicklung, jede F. im be-
Sondern ein ganz bestimmtes Maß von Spezial-
wiSSen voraus. Solange diese Vorbedingungen
fehlen, ist keine echte F. zu erwarten. -- Die Art
u. Weise, wie das Fehlen eines Gliedes den Ge-
dankenablauf unterbricht, bedingt naturgemäß
die äußere Form der F. -- Zu einer Ezz!Schel-
dungs-F. kommt es dann, wenn wir aus der Be-
obachtung heraus oderdurch Nachdenken einen
Sachverhalt zwar erfaßt haben, uns aber infolge
eines Gefühls der Unsicherheit urteilsunfähig
fühlen. Die F. richtet Sich dann daraut, ob un-
Sere Annahme zu Recht bestehe oder nicht u.
Kann daher nur mit «Ja» oder «Nein» beant-
wortet werden. «Regnet's*?» -- Die Pes?im-
mungs-F. Setzt den in Betracht kommenden
Sachverhalt als bestehend voraus; man iSt ur-
einer Beziehung der gewünschten Genauigkeit. ;
Diese Lücke wird nicht wie bei der Entschei- | Bestimmungs-F, n bisher kaum beachtet.
dungs-F. durch eine Annahme ausgefüllt, die '
der Befragte bestätigen Soll, Sondern an ihre
Frage u. Antwort.

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Stelle tritt ein alle möglichen Ausfüllungen um-
fasSsendes Abstraktum, das F.-pronom oder
F.-adverb. «Wer kommt ?» «Wo 1st das Buch?»
-- Der Umstand, daß die eine Gruppe von F.n
Sich auf Annahmen Stützt, die andere dagegen
Urteile vorausSetzt, ohne daß dadurch an dem
Charakter als F. etwas geändert wird, legt die
AnsSicht nahe, daß das die F. kennzeichnende
Moment in dem emotionalen Erlebn:s, in dera
DBegehren dez WisSens liegt. -- Der F. nde geht
bewußt oder unbewußt von der Voraussetzung
aus, daß der Gefragte fähig u. auch bereit iSt,
die gewünschte A. zu geben. Freilich kann da-
bei manchmal ein Irrtum vorllegen. Auf ge-
wisSen Entwicklungsstufen iSt dieses SOgar häu-
fig der Fall; unfruchtbare F.n Sind dann die
unvermeidl. Folge.
A. auf eine F. in landläufigem Sinne ist jede
Äußerung des Gefragten, die in der Absicht
geschieht, das in der F. enthaltene Verlangen
nachWissen zu befriedigen. Solche Äußerungen
Sind aber nicht immer geeignet, die gewünschte
Wissenserweiterung zu verwirklichen, da es Sich
dabei bisweilen um Urteile handelt, die von
der Zielrichtung der F. mehr oder minder ab-
weichen. Streng genommen 1sSt ein wahres ÜUr-
teil nur dann A. auf eine F., wenn es den Sach-
verhalt Setzt, auf dessen vollständige Bestim-
mung die F. abzielt. A. auf eine Entscheidunsgs-
F. kann als9o nur ein Urteil 5ein, das mit einem
in ihr entworfenen Sachverhalt völlig überein-
Stimmt. A. auf eine Bestimmungs-F. nur das
Urteil, das den von der F. als bestehend vor-
ausgesetzten Sachverhalt mit der von 1ihr ver-
langten Bestimmung bietet.
DieForschung hatsich bisherverhältnismäß!g
wenig mit der A. u. dem innern Erleben des Ge-
fragten beschäftigt. Für ein umfasSendes Urte
über den Dialog, der Ja aus F. u. A. bestenht, u.
Seine Bedeutung fürden Unterrichtinderdialog.
Lehrform wäre eine eingehende psycholog. Be-
handlung des Problems dringend erwüngscht.
Die F. lenkt die Gedanken des Gefragten aut
den Gegenstand, über den Sie Auskunſtverlangt.
Ob dieses Begehren den Charakter einer Bitte,
einer Forderung oder eines Befehls anmmmt,
iSt in dem persönl. Verhältnis der Beteiligten
begründet. Für das Eingehen auf eine F. 1st
aufseiten des Gefragten normalerweise ein LT-
teil nötig. Wo das dafür erforderl. Wissen fehlt,
kann der Gefragte -- wenn das erstrebte WisSen
auch ihm wertvoll erScheint --Selbst zumF.nden
werden, doch muß dies Keineswegs immer der
Fall Sein. Für den F.nden bedeutet die A. noch
nicht das erstrebte Wissen ; Sie bietet ihm nur
' die Grundlage dafür.
teilsfähig, nur entbehrt das Wissen in irgend ;
11. In der Kinderpsychologie hat man die
Unterscheidung der F.n in Entscheidungs- Uu.
Man
' dachte dort nicht So Sehr an die Gemütsl2ge,
aus der heraus die F. gestellt wird, als an die

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