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vorgebildeten Lehrer besteht die Möglichkeit,
vor der preuß. Prüfungskommission in Magde-
burg die Mittelschullehrerprüfung abzulegen.
2. Die Besoldungderanh. Volksschullehrer
Steigt in zweijährigen Stufen von 2800 RM
(nach fünfjährigem Diätariat) in 20 Jahren auf
5000 RM, im 28. Besoldungsdienstjahr auf
5300 1. im 35. auf 5600 RM. Die geprüften
Fachlehrer (Mittelschul-, Zeichen-, Musik-,
Turp-, Hilfsschul- u. Werklehrer) beziehen bis
zum 20. Besoldungsdienstjahr jährl. 800 RM
mehr. Im 28. u. 35. Besoldungsdienstjahr er-
halten die Mittelschul-, Zeichen- u. Musiklehrer
eine Zulage von Je 400 RM.
V. Schulpflicht: Die Schulpflicht beträgt
in A. 8 Jahre. 1. Die anh. Grundschule 1st
vierjährig. Doch können mit Genehmigung der
Schulregierung hochbegabte u. Strebsame Kin-
der auf Vorschlag der zuständigen Grundschul-
lehrer u. im Einverständnis mit den betr. Eltern
ausnahmsweise nach I-, 11/;-u. 2jährigem Schul-
besSuch einer um ein Jahr weiter vorgeschrittenen
Klasse zugewiesen werden. Der Übergang von
der Grundschule nach den höheren Schulen u.
nach der Mittelschule ist nur von der 4. Grund-
Schulklasse aus möglich. Die Anmeldung zu die-
Sen Schulen hat im Januar jedes Jahres durch die
Eltern zu erfolgen. Anfang Februar überweist
die Grundschule der Aufnahmeschule eine aus-
führ]. Schülercharakteristik unter Anfügung des
Gesamturteils («bes. empfohlen», «empfohlen»,
«nicht empfohlen») Sowie unter Beilage der bis-
hererteilten Halbjahrszeugnisse u. derim letzten
Jahre angetertigten Schriftl. Arbeiten. Die zu
den 2 ersten Gruppen gehörenden Kinder wer-
den ohne weiteres aufgenommen, während die
letzte Gruppe vor einem aus 1 Grundschul-
lehrer des 4. Schuljahres SOwie aus 2 Lehrern
u. dem Leiter der Aufnahmeschule bestehenden
Prüfungsausschuß ihre Geeignetheit Schriftlich
u. mündlich zu erweisen hat.
2. Fürdie anh. MittelSschulesind die preuß.
Bestimmungen übernommen ; doch ist «Eng-
lisch» Pflichtfach u. «FranzösSich» Wahlfach.
Auch in dem für Gymnasium, Realgymnasium
u. Oberrealschule geschaffenen gemeinsamen
Unterbau (für VI, V u. IV), desgl. im Lyzeum
ist «EngliSch» erste Fremdsprache. Damit ist
ginerseits eine Annäherung der Lehrziele zwi-
Körperl. Erscheinungen, z. B. der Geschlechts-
Schen den 3 untersten Klassen der Mittelschule
u. denen der höheren Schulen geschaffen, die
den Übergang von der einen zur andern Schul-
art erleichtert, u. anderseits ist gleichzeitig die
elter]l. EntScheidung über die Schule, der Sie
ihr Kind endgültig zuführen wollen, bis an
das Ende des 7. Schuljahres hinausgeschoben.
Dazu kommt, daß Selbst Solche Kinder, die
bis zum gleichen Schuljahr die Volksschule be-
SUCht haben, noch Gelegenheit finden, durch
Besuch der als Deutsche Oberschule eingerich-
teten Aufbauschule zu Köthen (Internat mit
Anlage.

1
f

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verbilligtem Wohn- u. Kostgeld u. 33*/5%/5 völ-
ligen Befreiungen) das Abitur zu erlangen.
3. Der Religionsunterricht ist in Sämtl.
der Allgemeinbildung dienenden Schulen A.s
ordentl. Lehrfach. Es gibt hier z. Zt. (1928) keine
einzige welt]. (Sammel-)Schule. Nach dem ein-
gangs angezogenen Gesetz ist die anh. Staats-
Schule als Gemeinschaftsschule anzusehen.
Schrifttum: L. F. Knorre, Sammlung der
Gegetze u. Verordnungen, weiche das anh. Volks-
Schulwesen betreffen (3 Bde., 1894, 1903, 1915);
G. Krüger, Verordnungen u. Gesetze für die Gym-
nasien u. Realschulen des Herzogtums A. (1902,
1. Erg.-H. 1907); G. Sanftenberg u. W. Knorr, Das
Staats- u. Verwaltungsrecht des Herzogtums A.
(1909); F. Heinze, Sammlung anh. Gesetze u. Ver-
ordnungen (1926). FT. Albrecht.
Anlage.
1. Begriff u. WesSen: 1. So häufig u. ge-
dankenlos das Wort gebraucht wird, So Schwie-
rig iSt die Bestimmung des Begriffes. Erent-
Stammt letztlich dem aristotel. Denken, der
Vorstellung eines nur möglichen, noch nicht
wirkl. Seins u. gelangt auf dem Wege über die
mittelalter) Philosophie, als «Potenz» im Gegen-
Satz zum SAkt» in den modernen Begriffsschatz.
A.ist die Übersetzung(?) von dispositio, DsP052-
tion, welcher Begriff ebenfalls in Spekulativem
Gebrauch vorhanden war, bevor erin pSycholog.
u. biolog. Theorien Seinen Eingang tand. A. als
Solche ist miemals für die Erkenntnis unmittel-
bar gegeben; ihr Bestehen kann nur aus ihr ent-
Springenden Erscheinungen erschlossen wer-
den. Wenn irgend ein Geschehen Sich an einem
Seienden abspielt, S0 muß dieses die Möglich-
keit zu Solchem (aktiven oder passiven) Ge-
Schehen je Schon in Sich getragen haben. Denkt
man Sich nun diese Möglichkeit irgendwiestruk-
turell verankert, S0 gelangt man zu der Vor-
Stellung von A., wie Sie heute zumeist gehegt
wird. Um eine Eigenschaft erwerben zu können,
bemerkt IV. Stern, muß der Organismus eine
Eigenschaft besSitzen, welche diesen Erwerb
zuläßt. -- Vornehmlich ist es die Tatsache,
daß gewisse Figenschaften des Lebenden spon-
' tan oder unter äußern Einwirkungen erst in
' Späteren Lebensabschnitten Sichtbar werden,
welche die Annahme ihrer Präexistenz in Form
einer Disposition oder A. zu fordern Scheint.
reife, haben ihre «Manifestationszeit» ; Sie ent-
Stehen aber nicht erst dann u. neu, Sondern Sind
«latent» Schon früher da, Sind Schon «angelegt»
-- denn unter abnormen Bedingungen können
Sie auch an einem früheren Zeitpunkt auftreten.
Manche A.n «aktualisieren» oder «manifestie-
len» Sich Spontan im Laufe normaler Entwick-
rung, andere nur, wenn bestimmte Bedingungen
eintreten. In der Krankheitslehre Spricht man
von dem Zusammenwirken der «Disposition»
(z. B. fur Tuberkulose) u. der «Exposition» (dem

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