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gezeichneten Larousse. Das Vokabularium, das
bisher ein Starres Gerippe dargestellt, wird
durch Gebrauch des einsprachigen lebendig u.
voll u. ersetzt ein Studium der Synonyma. Auch
Lehrbücher, wie das französ. von G. Schmitt
(Diesterweg), kommen dieser Tendenz entgegen.
Systemat. Wörterbücher ertüllen den Zweck
auch nicht ganz, da der Wortschatz nicht den
Charakter des Erlernten, Sondern des Gewach-
Senen haben Soll. Eher noch, wenn auch der
prakt. Wert nicht 50 hoch anzuschlagen 1st,
erweist Sich kulturkundlich das Studium der
Wörter in Sprachfamilien wertvoll. Die Erfas-
Sung der Sprache von der psSycholog. Seite
her führte zu einem Neuaufbau der Gram-
matik, wie Sie S?rohmeyer tür das Französ1-
Sche mit Erfolg erstrebt hat. Durch psycho-
10g.-Sprachwissenschaftl. Betrachtung ist ein
erleichtertes u. ertolgreicheres Eindringen in
Sprache u. Seele des fremden Volkes gewähr-
leistet, zumal wenn der Unterricht im Sinne
der Arbeitsschule geführt wird. Dazu tragen
auchdie vergleichenden Schulgrammatiken bei,
die auf die in romanischen u. germanischen
Sprachen ähnlichen Erscheinungen hinweisen.
Auch die alten Sprachen Sind von diesen neuen
Methoden beeinflußt. Denn es ist bedeutend
leichter, vom Sprechen zum Verständnis Schwie- ;
riger Texte zu gelangen, als umgekehrt von
den Texten aus zum mündl. Gebrauch. Im Ge-
Spräch erst wird das erlernte Sprachgut leben-
dig, Sonst bleibt Sprachkenntnis nur dekora-
tives WisSen. Damit hat Sich auch die Auswahl
der Lektüre geändert. Diese Anderung erstreckt
SICh auch aut die alten Sprachen, insbes. auf das
Latein, wo mit der Erkenntnis des mittelalterl.
Lateins als einer Sprache, die Sich entwickelt
hat, auch die großen Kirchenschriftsteller Autf-
nahme gefunden haben, die der heutigen Zeit
ungleich mehr bedeuten als etwa Cicero. Da-
mit 1St zugleich ausgedrückt, daß man die Kul-
turen als Selbstwerte Schätzen lernte u. vom
leer Formalen abrückte.
AIs Sprach]. Unterrichtsfächer kommen an deut-
SChen höheren Schulen in Betracht: Englisch, Fran-
zöSISCh, RusgSisch, Spanisch, dessen Einführung in
verschiedenen Gegenden mehr polit. als Kkultu-
rellen Motiven entsprang, Italienisch, Dänisch u. :
Schwedisch. Ein reger Schüleraustausch hat geit
neuester Zeit zwiSchen Frankreich u. Deutschland
eingesetzt, dem nun auch eim Austausch der an
Hochschulen Studierenden Jugend nachgefolgt 1st,
wie er zwiSchen Amerika u. Deutsch'and Schon
länger besteht. Die Bedingungen Sind für Studenten
zu erhalten durch den Akademischen Austausch-
dienst, Berlin C 2, Schloß.
IV. Als Selbstunterricht: Für gas Erler-
nen fremder Sprachen im Selbstunterricht.
Stehen zahlreiche Unterrichtswerke vonottmehr
als zweitelhaftem Wert zur Verfügung. Markt-
Schreterische Reklame weist die meisten als Ge-
Schättsunternehmungen aus. Durch Ausschal-
Freundschaft u.
r
Kameradschatt. 836
tung der Grammatik Sind zie nur verkappte
Vokabularien. Site bieten einen Standard ge-
prägter Redensarten u. Sätze, die der Kenner
Selbst bildet; für den Laien aber Sind Sie nutz-
los. Pädagogisch u. wissenschaftlich veraltet
iSt heute die Gaspey-Sauer-Metkhode. Eine Re-
viSion einzelner Bände ist im Gange. WisSen-
Schaftlich wertlos iSt die /ö/lmarnsche Methode,
die zudem aut einer veralteten Gedächtnisme-
thode beruht, u. deren Abnehmer dazu noch
Schweigepflicht über ihre Schülerschaft be-
wahren Soll. Der X&zusrzuschen Methode, die durch
ihre Wiederholungsfragenleichtbesticht, kommt
nur der Wert eines Pauksystems für zurück-
gebliebene Schüler zu. Die Textauswahl zeigt
SIe auf dem Stande des alten Ploetzschen Lehr-
buches. Dieser Kategorie reiht Sich auch die
Schliemannsche Alethode an, die mehr das Ge-
dächtnis als den Verstand beansprucht. Alles
Nachahmungen oder Abänderungen der 7%zs-
Saint- Langenscheidtschen Methode, die, wisSen-
Schaftlich absolut zuverlässig, auch Bedeuten-
des auf phonet. Gebiet leistet, aber durch die
großen Antorderungen an Verstand u. Energie
leicht entmutigt. Die glänzenden phonet. An-
gaben ersetzen Gem Laien Jedoch das gespro-
chene Wort des Lehrers nicht. Die von dieser
Firma in den Handel gebrachten Sprec/plarten,
für die meisten Sprachen gut, enttäuschen für das
FranzögiSche, wo es gerade auf Schärfste Unter-
Scheidung von ofienen u. geSchlossenen Voka-
len ankommt, was ihm den bes. klangl. Reiz
verleiht. Hier Sind die Platten der Sammlung
Prot. Doegern (Odeon) vorzuziehen (Vertrieb
durch Otto Sperling, Zentralstelle für das
phonogr. Unterrichtswesen, Stuttgart). (S. Art.
Schallplatten.) Der Rundfunk hat den Nachteil
der Einmaligkeit des Vortrags ein u. desselben
Stückes, was natürlich beim Schulung vermie-
den werden kann. Alle diese Methoden leiden
aber mehr oder minder unter der Vernachiäs-

; Sigung der durch die Konvention geschaffenen
| Ausdrücke (Galliziemen, Angliziemen uSw.) u.
' hauptsächlich derSynonyma, ohne deren genaue
| Kenntnis von einer Sprachbeherrschung nicht
| geSprochen werden kann. Gute Dienste leistet
' Faustians lustige Sprachzeitschrift (Hamburg).
: Vgl. das Schrifttum bei den einzelnen Spra-
' chen. Dazu J]. Blau, Naturgemäßer Sprachunter-
richt 21921; E. Hermann, Die Sprachwissenschatt
: in der Schule (1923; F. Lehmensick, Das Prinzip
des Selbstfindens (319253; H. Paul, Über Sprach-
: unterricht (1921; O. Tacke, Der Sprachunterricht
: muß umkehren (1923: R. Rößger u. P. Jäger, The
: Merchant's English [4 Tle. = Die Welthandels-
Sprachen durch Selbstunterricht, 1922). A“ SoSc/.
Freundschaft u. Kameradschait.
'F. = Freundschaft, K. = Kameradschaft..
I. Wesen: F. u. K. Sind personale Bezie-
hungen. Darin liegt ihr Wesen u. Wert be-
gründet. K. ist eine Beziehung, die eine Mehr-

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