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zahl von Personen umfassen kann; F. in ihrer
höchsten Form 1st immer nur eine zweiglied-
rige Situation, Gezweiung. F. zu dreien gibt
es eigentlich nicht; es ist dann K. oder 3
F.en. F. besteht in der Konzentrierung zweier
Menschen aufeinander ihrem gesamten persönl.
Sein nach. Die individuelle Persönlichkeit ist
Ausgangspunkt u. Ziel der F. Die Einigung
der beiden PerSönlichkeiten 15t in der F. Selbst-
zweck u. Spannt Sich unmittelbar von Person
„1 Person, 50 daß eine neue höhere Einheit ent-
Steht, die KEigenständigkeit hat gegenüber der
Einzelperson u. einen in Sich geschlossenen
Seinscharakter offenbart. Bei der K. ist der Eini-
gungsgrund nicht die Persönlichkeit, nicht See-
TiSche Verwandtschaft u. Verbundenheit, SON-
dern ein von außen herangebrachtes Ziel, U.
erst über u. durch Solch äußeres Ziel Sind Kame-
raden geeint. K. entsteht bei gemeinsamer Sinn-
fälliger Tätigkeit in unbedingter Gleichheit vor
einem gemeinsamen Ziel, dessen Erreichung
eine bestimmte Zeitdauer, gegenseitige Ein-
gewöhnung, gleichenRhy thmus erfordert. Form
u. Grenze Sind der K. von außen gesetzt, be-
Stimmt durch den Zweck der Einigung, durch
die Aufgabe u. das Ziel, durch die Mittel u.
die Tätigkeit, die zu desSen Erreichung not-
wendig Sind. Sie zielt darauf, daß der eine den
andern tüchtig haben will im gleichen Wert
(Kriegskameraden, Spielkameraden).
F. ist Hingabe zweier treier Persönlichkeiten
ihrem geistig-SeeliSchen Sein nach, im Vertrauen
u. Glauben an den andern Menschen, der in-
tolge gleicher Entwicklung, gleicher Charakter-
anlagen, gleicher SeeliScher Grundschichten
wonlwollendes Verständnis entgegenbringt. F.
Freundschaft u.

iSt fundiert im gegenseitigen Vertrauen u. Glau-:
ben, die gerechttertigt werden durch Autrich-
haben, in der Reifezeit möglich ; da Geschlecnht-
gkeit, Verläßlichkeit, Selbstlosigkeit u. Treue;
SIe vollendet Sich in der persönl. Liebe. Der
Wert der F. ist nicht eindeutig bestimmbar ;
als ein hohes u. Seltenes Gut Stellt Sie einen
Kameradschaft. 838
aus kindl. Spielfreude entstandene Knaben- u
Mädchen-F.en eine ernstl. Krise, die nur wenige
überdauern. In der Pubertät erhält die F. erst
wirkl. Sinn, eigene Dignität; die Wendung nach
Innen, die Entwicklung des Selbst- u. Persön-
lichkeitsbewußtseins, das Einsamkeitsgefühl
Schaffen die VorausSsetzung für die persönl. F.
Aus Starkem Mittellungsbedürfnis heraus wird
der Freund oft bewußt gesucht. Echte u. wahre
F. iSt jedoch Seltenheit. Verletzung notwendi-
ger Distanz u. Ehrfurcht läßt leicht das F.Sver-
hältnis Scheitern u. zerbrechen. Sexuelle Mo-
mente Spielen in der F. während der Reifezeit,
auch zwiSchen Fremdgeschlechtlichen fast keine
Rolle. H. Blüher (5. d.), der in der F. vorwiegend
homosgexuelle Neigungen erblickt, hatdas Wesen
der F. verkannt u. mißverstanden u. durch Seine
Deutung bei jugendlichen viel Unheil gestiitet.
Auch E. Spranger (s. d.) wird mit Seinem platon.
Erosbegriff dem Wesen der F. nicht gerecht.
III. Die pädagogiSchen Werte der F. lie-
gen darin, daß Sie Ansatz zu einem Größeren,
zu einer truchtbaren Beziehung des einzelnen
zur Umwelt Sein kann. Die F. iSt ein wichtiger
Faktor der Persönlichkeitsbildung ; durch die
wechselseitige Einwirkung erzielt Sie die AK-
tualiSierung der vorhandenen Anlagen, tördert
die Charakterbildung, Schafft Freiheit in der Er-
weiterung des u. verwirklicht durch die in den perSsonalen Kern
genende Beziehung neue Wesensbereiche.
WahreF. besteht meist unterGleichgeschlecht-
lichen, iStauch möglich unter Fremdgeschlecht-
lichen, Setzt dann aber Starke Zucht des Geistes
u. der Sinne voraus (Franz von Sales u. Fran-
ziSka von Chantal). Im Schulalter ist F. zwiSchen
Knaben u. Mädchen verpönt, weil Sie Sich in
dieser Zeit gegenSeit!g noch nichts zu geben
Uches aber als unheilig empfunden wird, ent-
. Stehen von da aus kaum Konflikte ; Sie dauert
nochkomplexen Wert dar u. 1st als konkrete :
achverhaltsordnung zwischen 2 Personen die :
(dele, ethische Lebensform im Kleinen, diedie.
Möglichkeit zur Realisierung Sämtl. ethischen
: Lebensvereinigung Schließt die F. ein. Für den
Werte bietet.
IL. Verwirklichung: K. ist allen Menschen
zugänglich. Die Möglichkeit zur K. ist Schon
1m vorschulpflichtigen u. im Grundschutlalter.
gegeben (Spielk cameraden). In der 2. Hältte des :
Schulalters iSt KX. das verbindende Moment bei
aer Bandenbildung u. den verschiedenartigsten .
V ereinsgründungen. Die «F.sverhältnisse> die- .
Ser Zeit («Rudel- F .en»>), die größtenteils nur So-
lange bestehen, wie äußere Momente, z. B. die
Schule, ainen gewissen Zusammenhang gewäh-.
ren (Schulfreund), beruhen auf Ergänzungs- |
bedürftigkeit, auf einer bes. Schätzenswert er
Scheinenden Eigenschaft oder Fähigkeit des
Gegenüber. Die] Pubertät bringt für diese, meist |
oft nicht länger als die Pubertät oder wächst
Sich aus zur geschlechtl. Liebe u. Ehe. KA. unter
Fremdgeschlechtlichen inVorpubertät u. Reife-
zeitist möglich, aber abhängig vom Ziel u. birgt
manche Gefahren. Die Ehe als höchste Form der
ſugendlichen, der zur ehel. Gemeinschaft noch
nicht reif ist, bedeutet F. höchstmögl. Gemein-
SChaftsform. Sie ist zu allen Zeiten als ein hohes
Gut u. eine Seltene Tugend geschätzt worden.
F.SverhältnissSe zwiSchen Lehrer u. Schüler,
Meister u. Jünger, Eltern u. Kindern Stellen
eigene Probleme, ebenso F. u. Führertum etwa
in der Jugendbewegung u. in Jugendgruppen.
Auch in der Internatserziehung bietet F. oft
ein Schwieriges Problem, das jedoch bei einSich-
tiger Leitung erzieherisch wertvoll Sein dürfte.
Schrifttum: A. Henn, Vom Wesen u. Wert der
Jugend-F. (1928, mit weiteren Literaturangaben...
A. Hen».
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