TOLTI
mäßigen Darstellung der geistig-Sittl. EntwicK-
lung der Menschheit geben wollte. Der G.s-
unterricht muß vielmehr versuchen, den Zög-
ling auch nach der prakt. Seite hin zu erfassen,
ihn also zu eigener wertender u. wollender
Stellungnahme zu veranlassen. Diese Aufgabe
vermag vor allem die Arbeitsschule zu leisten.
Zur Methode des G.Sunterrichtes Sei noch
angemerkt, daß die erzieheriSche Behandlung
der « G.5S70772» oft mit gewisser Vorsicht gehand-
habt werden muß; denn allzu Starkes Unter-
Streichen des Gesinnungsmäßigen («Morali-
Sieren») kann bei manchen jugendl. Individuen,
namentlich in der Zeit der Pubertät u. der Ado-
leszenz, leicht eine unerwünschte innere Ab-
wehraktion zeitigen, die den Erfolg der Erzie-
hungsabsicht in Frage Stellt.
Wer das Erziehungsziel der Schule bejaht,
wird auch den G.Sunterricht bejahen müssen.
Soll aber nicht allein die eine oder andere Spe-
zial- oder Regional-G. (s. 0.) erzielt werden, Soll
die Schule vielmehr, ihre erzieherische Aufgabe
voll in Angrifi nehmend, den ganzen Menschen
erfassen, SO muß Sie Sich die Bildung einer
"Total-G. angelegen Sein lassen. Das bedeutet
für den Unterricht, daß G.sbildung zu jenem
zentralen u. konzentrierenden Faktor wird, der
dem Schulunterricht die von der neueren Päda-
gogik mit Recht geforderte u. so Sehr verlangte
innere Einheitlichkeit verleiht. Folgerichtig
muß man dann aber der relig1ös-Sitt!. Unter-
weiSung u. Erziehung keine Nebenbedeutung,
Sondern eine Schwerpunktsstellung zugestehen ;
Sie kann durch keine andere Art von G.Sunter-
richt (etwa durch reinen Moralunterricht oder
durch SsStaatsbürgerl. Ausbildung) ersetzt wer-
den. Folgerichtig wird man weiter verlangen
dürfen, daß alle übrigen Fächer, namentlich
die G.sfächer 1. e. S., ebenso wie alle andern Ein-
flüsSe, die von Schule u. Lehrer auf den Schüler
einwirken, im gleichen Sinne dem Ziel einer
einheit]. Pers6nlichkeitsbildung dienen.: Wenn
also die kath. Pädagogik von Jeter die religiö5- '
Sittl. Zentrierung u. Vereinheitlichung des ge-
Samten Unterrichts, Soweit er der Erziehung:
dient, in Gestalt der konfesSionellen Schule ver-:
langt hat, So 1sSt das nichts anderes als die kon-
Sequente Durchführung des G.Sunterrichtes.
Schrifttum: M. Honecker, Über das Wesen :
der G., in: Jahrb. d. Vereins f. christl. Erz.wisSensch.
XVII (1026) I=41 (behandelt die latente G.%; A.
Pfänder, Zur PSychologied.G.en, in: Jahrb.f. Philos.
u. phänomenolog. Forschung I (1913) 325-404,
IT (1916) 1I= 125 (Sorgsame Untersuchung der ak-;
wellen G.en); H. Herchenbach, Die Abgrenzung
der Begriffe Charakter u. G. u. die Bedeutung dieser
Abgrenzung für die Pädagogik, im: Verstehen u.
Bilden (Zeitschr. für Erziehung u. Unterricht) I
(1926) 201--212; vgl. desselben Verf.s Art. «G.» im
Päd. Lexikon, hrsg. von H. Schwartz, Il (1929),
SP. 4356-467, u. «G.Sunterricht», ebd. Sp. 467-470;
E. Spranger, Lebensformen ("1930); F. Weigl,
Gestalt- u. GanzheitspSsychologie.
1012
G.Sunterricht u. Willensbildung, in: Jahrbuch des
Vereins für christl. Erz.wisSenschaft XI111/X1V
(1922) 99-- 123; = Klassen- u. Einzelerfahrungen
zur PSychol. der G. u. des Sittl. Handelns, ebd. XV
(1923) 94-113; -- Wesen u. Gestaltung der Ar-
beitsschule (*1925). Vgl. auch das Schrifttum zu
den Artikeln Bildungsgut, Charakter, Wertpäd.,
Wertpsychologie, Willenspäd. M. Honecker.
Gestalt- u. Ganzheitspsychologie.
[G. = Gestalt, Gz. = Ganzheit.]
Die G.- u. Gz.SpSYchologie, in bewußtem Gegen-
Satz zur Elementenpsychologie (s. d.) Stehend --
grundgelegt durch v. Ehrenfels («Über G.qualit-
täten», Vierteljahrsschrift für wissenschaft]l. Philo-
Sophie, 14. Jhrg., 1890), ausgebaut erst in diesem
Jahrh. --, betont, daß im Bewußtseim keine ele-
mentaren Empfindungen , Gefühlselemente usw.
gegeben Sind, Sondern Stets G2.e% des Erlebens
(Bhänomenaler Primat); daß die Funktionen der
Gz.en im Seelischen Geschehen durch Rückführung
auf 50g. Elemente nicht hinreichend erklärt werden
können (/unktionaler Primat); daß die psych. Ent-
wicklung auch zeitlich mit Gz.en anhebt, der Pro-
| zeß der Entwicklung also nicht im Zusammenfügen
; von Elementen, Sondern in derDifferenzierung ganz-
heitl.Erlebnisse besteht (gere. Primat). Dieser drei-
fache Primat der Gz. gilt für alle Bereiche des Er-
lebens, also auch für die intellektuellen u. affektiv-
willensmäßigen Erlebnisse.
I. Gestaltpsychologie: 1. Abgrenzung
u. Bestimmung ihres Gegenstandes.
Der Begriff G. wird am besten auf das Gebiet
des Perzeptiven, des anschaul. Erlebens, ein-
geschränkt: ave GG. Zs? eine Anschauungs-Gz.,
Stellt also einen Spezialfall der Gz. dar.
Beispiele: Eine gehörte Melodie ist erlebnis-
mäßig etwas anderes als die Summe der einzelnen
Töne ; beim Transponieren können Ssämtl. Töne
geändert werden, u. doch bleibt die Melodie er-
halten (G. 771 der Zeit). -- Ein gesehenes Bild 1st
mehr als ein Chaos von Farbflecken ; es bietet Sich
Schon dem ersten Blick als eine geordnete Einheit
' dar (Raum-G.). = Der gesehene Film wird nicht


als Summe einzelner Bildphasen, Sondern als Be-
; wegungiScheinbewegung) erlebt (7ä27.-geitl. G.J.
Diese gestalthaften Ordnungen in Raum u.
Zeit werden erfaßt, ohne daß die zwiSchen den
Teilen (Tönen, Farbflecken) bestehenden Re-
' lationen erkannt werden müssen. Das G.erleben
. iSt anschaulich-perzeptiv.
Wesentl. 1/er&male der G. Sind ihre Abgehoben-
heit von den übrigen ErlebniSinhalten u. ihre Ge-
' gliedertheit. Die Adge/obenheit ist im Bereich des
Optischen leicht zu illustrieren an dem Verhältnis
| von Figur u. Grund: die Figur ersScheint eindring-
: icher als der Grund. Der Grund wird häufig nur
unbestimmt «hinter» der Figur gesebhen, die ding-
lich fest gefügt vor dem Grunde zu Schweben
Scheint. Daher prägt Sich die Figur dem Gedächtnis
auch viel besser ein als der Grund, dessen man Sich
häufig Später Schwach oder gar nicht erinnert. --
Die Gliederung einer G. kann prägnant, innig oder
lose Sein. Wesentlich bestimmt ist der Gefügecha2-
' Takter der Gliederung von der Gewichtsverteilung
| unter den Gliedern: in einer Melodie z. B. Sind nicht

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