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lichkeits-G. beruht in der psychophys. Gesamt-
konstitution des einzelnen Menschen (Anlage,
Begabung, Konstitution, Vererbung, erbl. Bela-
Stung, Charakterfehler u. dgl.). Unter den Titeln
«Möglichkeit der Erziehung» oder «Frage der
Bildsamkeit» Sind diese individuellen Möglich-
keits-G.n oft diskutiert worden.
Bekannt 1ist Schopenhauers Lehre von der Un-
veränderbarkeit des Charakters u. der damit ge-
botenen KEinschränkung der Erziehung auf die Mo-
tivbeeimnflussung. In neuester Zeit vertritt 4. 4Ad/2r
mitseinenAnhängern(s.Art.Individualpsychologie)
die Ansicht, vorhandene Schwächen (z. B. Organ-
defekte, Minderwertigkeitsgefühle usw.) könnten
überwunden oder in Stärken verwandelt werden
(Sog. Überkompensation).
*. Göttler, Innere Schranken, in: System ...
S. 16; S. Bernfeld, G. der Erziehbarkeit, in: SiSy-
phos... S.149ff.; dieältere Diskussion nebst Litera-
tur bei HY. Barti S. 18-46 u. WW. Rein 1(1911) 170 ff.;
OÖ. Arnold, Schopenhauers päd. Ansichten (19066)
55-71; Schrifttum bei Art. Individualpsychologie.
3. Wirksamkeitsgrenzen der Erziehung.
Auch wo die Erziehung berechtigt u. mög-
lich ist oder wäre, findet Sie noch G.n in der
Unzulänglichkeit alles menschl. Wirkens. Die
Widerstanadsgrenze tritt hervor, wenn unserem
erzieheriSchen Wirken unbeabsichtigt oder ab-
Sichtlich andere erziehlich wirkende Einflüsse
entgegentreten (phys. Schwächung des Kin-
des durch Schlechte wirtschaftl. Verhältnisse,
Wohnung, Nahrung, ungünstige SeeliSsche Ein-
flüSse der Umwelt, Fehler der Miterzieher, M1-
lieu usw.). Die Fd/rigkeitsgrenze erinnert uns,
daß der Erzieher Selbst wegen mangelnder Ein-
Sicht, fehlender Einfühlungsgabe oderUnzweck-
mäßigkeit Seines Handelns talsche erzieher1-
Grenzlanddeutschtum.
Sche Maßnahmen trifft oder gebotene unterläßt. :
Die Absichtlichkeits grenze bemerken wir, indem
manche früher Sicher gehandhabte Erziehungs-
funktion durch theoret. Durchleuchtung ge-
Schwächt oder gar wirkungslos gemacht wird.
Eine ähnl. unbedingte Wirksamkeits-G. tritt zu
Tage, wenn der Zögling die Absicht, ihn zu er-
ziehen, durchsSchaut u. nicht gewillt ist, diese Ab-
Sicht in Selbsterzieherischer Haltung zu bejahen.
1. Grenzen der ErziehungswisSSen-
Schaft: Als Wissenschaft Sind der Pädagogik
keine andern G.n gezogen als andern Wissen-
Schaften, nämlich die der menschl. Erkenntnis
überhaupt. Dem einzelnen Pädagogiker u. Päda-
gogen hingegen müssen die G.n bewußt sein, |
die durch die Eigengesetzlichkeit desStaates, der
Wirtschait, der Kirche usw. einem Schulmeistern 7
: Danzig (5. d
auf diesen Gebieten gezogen Sind. In method.
Hinsicht dürfen die ethischen G.n des päd.
Versuchs (Experiments) nie übersehen werden.

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J. Göttler, SySstem der Pädagogik (*1927); W.E.
v. Ketteler, Freiheit, Autorität u. Kirche (Mainz,
*1862); E. Grisebach, Die G.n des Erziehers u.
Seine Verantwortung (1924); - Gegenwart (1928),
vgl. dazu Reichwein, in: Die Erziehung, Jhrg. 3,
H.10--11 (1928); E. Hoffmann, Die G. der Päda-
gogik, in: Verstehen u. Bilden, Jhrg. 1, H.8 (1926);
E. Linde, Daimon u. Tyche, eine Untersuchung
über Möglichkeit u. G. der Erziehung, in: Päd.
Zentralblatt, Jhrg. 7, H.6 (1927); Th. Litt, Mög-
lichkeiten u. G.n der Pädagogik (1926); W. Rein,
Pädagogik in Systemat. Darsteilung I (*1927);
P. Schröder, Über Erziehbarkeit, in: Die Erziehung,
Jhrg. 4, TL 7 (1929); E. Stern, Von den G.n der Er-
ziehung, in: Jahrb. der Erziehungswissenschaft u.
Jugendkunde (1927); F. Schneider, Pädagogik u
Individualität (1930); W. Schulze-Soelde, Päd. Un-
tersuchungen (1930). *. Dolch.
Grenzlanddeutschtum.
1. Der Begriff G. iSt erst nach dem Welt-
krieg in den polit. Sprachschatz aufgenommen
worden. Eindeutig geklärtisterauch heutenoch
nicht. Mitunter wird er auf Deutsche innerhalb
der deutschen Reichsgrenzen angewendet, fast
nur im Zusammenhang einer polit. Gefährdung
infolge Zusammenwohnens mit Starken polit.
aktiven fremden Minderheiten(z.B. bislang Saar,
Pfalz, Rheinprovinz, heute noch Schleswig,
Deutsch-Oberschlesien, Grenzmark). Oft aber
werden unter G. die Deutschstämmigen eines
mehr oder weniger breiten Streifens Jenseits der
Reichsgrenzen verstanden, die also in fremden
Staaten leben. Manchmal werden beide deut-
Schen Volksteile rittlings der Grenze zusammen
als G. benannt. Im allgem. jedoch hat Sich die
Bezeichnung G. erhaiten für aie Bewohner jener
Landesteile des gesSchlossenen, mitteleuropä-
iSChen deutschen Sprachgebiets, die infolge der
Friedensverträge von Versailles, St-Germain
u. Trianon vom Deutschen Reich u. Osterreich
abgetrennt wurden (Abgetrennte Gebiete). Sie
verteilen Sich heute auf 11 Staaten.
I1. BesStand: Yoaschloswig, das nach einer
Abstimmung 1920 an Dänemark kam (40009 Deut-
Sche), Eupern- Nladmedy-St. Viih (S.d., auch Neu-
belgien genannt, mit dem durch eigenmächtige
Annexion auch ein Teil des Kreises J/orSchau an
Belgien fiel (50000 Deutsche', Z/S5al-Lotiringen
(S.d.) (1910: 1643 000 Deutsche), das der Versailler
Friedensvertrag bedingungslos an Frankreich gab;
beträchtl. Teile der preuß. Provinzen OSZpreußern,
IWostpreußen , Pommern , PoSch , Niedorschlesten
wurden an Polen gegeben 1415000 Deutsche;
/u. a. Poln. Korridor, andere wurden mit der Stadt
.,) SZ315 000 Deutsche) zu einem Selb-
Ständigen Freistaat gemacht u. aus dem Reich
Schrifttum: P. Barth, Die Elemente der Er-.
ziehungs- u. Unterrichtslehre (** 1923); S. Bern-:
feld, Sisrphos oder die G.n der Erziehung /? 1928),
vgl. dazu Wvneken im Almanach des Wiener In-
ternat. PSvYchoanalrt. Verlags für 1927; F. Dele-
kat, Von Sinn u. G.n bewußter Erziehung (19273;
herausgerissen. ÖSZobUSCHLESTEN (264 000 Deutsche,
' wurde nach Schwieriger u. im ihren Ergebnissen
kaum beachteter Abstimmung ebenfalis Polen ein-
verleibt. Im äußersten Nordosten mußte 1920 auf
Grund des Versailler Vertrags das J/vwlgedbret
'72 000 Deutsche? den «Alliierten u. asSozierten
Hauptmächten» abgetreten u. zur freien Verfügung
gesteilt werden. 1924 wurde es von Litauen gewalt-

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