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Glied eines Ganzen fühlen. Sie werden zur Ver-
antwortlichkeit der Gemeinschaft gegenüber
erzogen. Die Erziehung zur GemeinsSchaft ist
die wirkSamste angewandte Staatsbürgerkunde.
Über die Gemeinschaftserziehung in der Schule
geht der Weg zur Volksgemeinschaft.
Ahnl. Zielen dient auch der KzrsSsznterricht.
Schrifttum: O. Karstädt, Wegweiser f. Lehrer-
fortbildung, Lehrerprüfungen u. 4.(***1924); Die
A. für Lehrerfortbildung, hrsg. vom Zentralinstitut
für Erziehung u. Unterricht in Berlin (1926). Fol-
gende Bücher müssen wegen der zu Grunde lie-
genden weltanschaul. Einstellung kritisch gelesen
werden: A. Kruckenberg, Die Schulklasse (1926) ;
H. Schröder, Soziologie u. Schule (1929); W.O.
Döring, Psychologie der Schulklasse (1927); Die
neuen Schulen in Deutschland, hrsg. von F. Kar-
Sen (1924); H. Deiters, Die Schule der Gemein-
Schaft (1925, vgl. hier bes. die logisch klare u. kon-
Sequente Darstellung der kath. Gemeinschafts-
Schule durch B. Benten); Deutsche Schulversuche,
hrsg. von F. Hilker (1924); K. Zeidler, Die Wieder-
entdeckung der Grenze (1926); W. Paulsen, Die
Überwindung der Schule (1926); P. Petersen u.
H. Wolff, Eine Grundschule nach den Grundsätzen
der Arbeits- u. Lebensgemeinschaftsschule (19253);
M. Steinhaus, Helen Parkhursts Dalton - Plan
(1925). F. Kurfelß.
Arbeitsschule u. Arbeitsunterricht.
[A. = Arbeit.]
I. Grundbegriffe: Der Begriff der Arbeit
iSt vieldeutig. Für die päd. Wertung kommt
Seine philosoph. Deutung in Frage. Sie Sieht
in der A. eine An- u. Aufwendung menschl.
Kraft, die körperl. Art (Zard-4.) u. geistiger
Art (Xopr-A4.) Sein kann, zu deren Wesen aber
Planmäßigkeit gehört, u. dliedie Erlangung eines
Gutes oder Nutzens, die außerhalb der A. Selbst
hegen, zum Ziel des Abschlusses des unter-
nommenen Werkes hat. Die A. Steht im Gegen-
Satz zu Spiel, Sport u. bloßer Beschäftigung.
Wohl wurde das Spiel (s. d.) die A. des
Kindes genannt. Diese Gleichung 1st aber un-
zulässig. Beide Begriffe Schneiden Sich wohl,
decken Sich aber nicht. Beiden kommt Betätt-
gung, Handeln zu. Im Spiel fehlt aber die Plan-
mäßigkeit u. das Streben auf Erfolg. Es wird um
der Betätigung u. um des darin legenden Reizes
willen getrieben, wobei auch weniger derlogisch
arbeitende Verstand als vielmehr die ungebun-
den frei Schaftende Phantasie beansprucht wird.
Kennzeichnend 1ist ihm das Hana«geln ohne
Zwang, aus Neigung u. freiem Antrieb.
Sport setzt planmäßiges Handeln voraus u.
verfolgt auch einen Zweck. Dieser istaber einge-
engt auf Training, Rekordleistungen, Meister-
Schaft u. liegt So innerhalb der Betätigung Selbst.
Die BeSschäftigung kommt der A. am
nächsten, unterscheidet Sich aber von dieser
dadurch, daß der Gedanke an die Betätigung
überhaupt im Vordergrund Steht u. das Ziel,
das Sich die A. Setzt, nur an 2. Stelle gesehen
Arbeitsschule u. Arbeitsunterricht.

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wird, S0 daß die Beschättigung wohl auch be-
endet wird, wenn der Betätigungsantrieb u. die
hiervon ausgelöste Freude an der A. aufhört,
ohne Rücksicht darauf, ob das erzielte Werk
abgeschlossen 1st oder nicht. Die A. dagegen
will den erstrebten Nutzen, das Gut erreichen,
das begonnene Werk zum Abschluß bringen.
Nicht immer trägt die A. diese Kennzeichen.
Abgesehen von der phySsikalischen Deutung,
die den Begriff auf die Formel bringt: Leistung
einer Kraft zur Überwindung eines Hinder-
n1SSes längs einer Strecke, tritt in der religiöSen
Deutung der Gedanke an das Gottesgebot der
A. nach dem Sündenfall, in der rein ethischen
Auffassung der Pflichtgedanke, in der Alltags-
deutung des Wirtschaftslebens vielfach der
Druck u. Fluch ger A., die Seelisch tot 1ist, me-
chanisch, ohne innern Impuls u. bleibendes
Interesse geleistet u. nur durch die Not des Le-
bens gefordert wird, hervor. Der A.Sbegritff im
Rahmen der Erziehungs-A. iSt in obigem Sinne
aufzufasSgen u. SO unterschieden von Erwerbs-
A., die den Lebensgunterhalt in erster Linie
betrachtet, von Berufs-A., die wirtschaft]. Ten-
denzen hat, wie Sie in den Industrieschulen
Kzndermanns mit Betonung des Ökonomischen
Zieles bis in die Anfänge der deutschen A.s-
Schulbewegung unter Sc/rerckendory lebendig
waren, von ManualisSmus, der nur in Hand-
betätigung A. Sehen wl] u. der marxistiSchen
Pädagogik charakteristieSch ist, von Produk-
tlonismus, der nur auf wirtschaft]l. Werte Sieht
u. in der russSiSch-bolschewistischen Erziehungs-
Praxis zur Geltung kommt, von ASsthetizisSmus
u. ExpresSioniSmus, bei denen nur an AUSs-
druckskultur gedacht wird.
Der entwickelte Begriff der A. iSt unabhängig
von dem jeweiligen Inhalt u. kommt deshalb
mit Recht aller geistigen, wisSenschaftl., Kör-
perl., gewerbl., kaufmänn., bäuerl., hausfraul.,
künstleriSschen A. zu, wenn ihr nur planmäßiges
Handeln u. Zielstrebigkeit eigen ISt.
Einepsychologische AnalysederA. zeigt,
daß der Antrieb hierzu aus der Persönlichkeit
Selbst Kommt. Diese Betätigung des eigenen
Ich, das Wesen der Akzwität (s. d.), Sichert
der A. die förderl. Gefühle der Lust, der
Freiheit, der Selbstgesetzten Anstrengung. Im
Wesen der A. liegt nach den Ergebnissen der
AÄA.SpSychologie, wie wir Sie heute Sehen, weiter
die Selbstgestaltung der Einzelleistungen mit
RücksSicht auf das zu erreichende Hauptziel;
die Selbsttätigkeit oder Spontaneität (5. d.) ist ein
wesentl. Merkmal der A. Sie hat Sodann das
Ziel, Werte -- in Gegensatz zur bolschewist1-
Schen Einengung 1St zu Sagen: nicht nur wirt-
Schaftliche -- zu Schatten. Es kommt ihr also
Produktivität zu, wobei der Begriff wiederum
nicht eingeengt werden darf auf die Schafitung
von Stets neuen Werten. Die Schöpferische Lez-
Stung iSt verhältnismäßig Selten, den Erfindern

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