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Schule u. holt mir die Dichter herein.» «Wer
die Vergesellschaftung der Schulbildung for-
dert, der befindet Sich mitten im Sozilalist. Staat.»
Zurstaatsbürgerl. Erziehung hatder Geschichts-
unterricht zu dienen. Das Kind hat ein Recht
auf religiöse Erziehung; Religion 1st Jehrbar.
In den höheren Schulen Soll die griech. Sprache
fallen, das Griechentum durch Übersetzungen
bekannt werden.
K. 1ist ein verständiger Erzieher von tiefem
Gemüt u. warmer Diebe zur Jugend. Er erteilt
den Eltern manche trefil. Ratschläge. Er w1ll
auf dem christl. Boden stehen ; es iSt der der
liberalen Theologie, die JeSus «Göttlichkeit»
zuerkennt, aber nicht die metaphys. Gottheit,
u. Statt der Dogmen «Symbole» gibt, auch für
die «letzten Dinge».
K.S Schriften : Das neue Geschlecht (ein Er-
ziehungsbuch, mit Geleitwort von ]. Wychgram
[1913, *1919]); Erziehender Geschichtsunterricht
(1912, *1921); Deutsche Geschichte (1914, *1820);
Evanz. Religionsbuch (3 Bde., 1900, *1921); Gottes
Heimkehr (Erziehungsroman, Selbstbekenntnis
[1907, *1920])); Wie lehren wir Religion ? (1910,
S 1923) usw.
Schrifttum: O. Hellmuth, R.K., in: Erzie-
hung u. Bildung, Wissenschaftl. Beilage der Preuß.
Lehrerzeitung (1922); E. Saupe, Deutsche Päda-
gogen der Neuzeit (***1927). S. 2. Widmann.
Kahl, Wilhelm.
K. wurde am 10. 1V. 1864 in Heiligenstadt(Sach-
Sen) geboren, Studierte in München, Leipzig (Szü-:
Bell) u. Straßburg klass. u. germanist. Philologie,
Philosophie u. Pädagogik, promovierte 1886 als
Schüler W7ndelbards im Straßburg mit der Disser-
tation über «Die Lehre vom Primat des Willens bei
Augustinus, Duns Scotus u. Descartes» u. beendete |
hier 1887 Sein Studium mit dem Staatsexamen. 1887.
zwiSSCHSCHhaftl. Hilfslehrer im Metz u. Diedenhofen, '
1891 Semmarlerer m Kolmar, 1892 K7ezsSchrwl-
znSpektor m Zabern, 1894 Semnardirektor in Pfalz-
burg, 1903 Stadischulrat m Röln u. hier, nach-:
dem er vorübergehend (1909/10) als Provnzlal-
Schulrat m Koblenz tätig war, 1910 Peigeordneter
u. Dezernent des Städt. Schulwesens. Mit der prakt.
Tätigkeit verband er von Anfang an die wissen-
Schaftliche, in Köln auch noch die Lehrtätigkeit.
Er/ab;/itierte Sich 1914 an der damaligen Handels-
hochschule für Pädagogik. An der 1919 wieder-
begründeten Univerzität wurde er 1921 770107a7-
DrofesSsor u. nach Seinem Ausscheiden aus dem
Städt. Dienst 1922 07dertl. Prof2S50r der Erziehungs-
wisSenschaft. AIs Solcher Starb er am 23.V 11.1929.
Schon während der langen Jahre Seines prakt.
Wirkens hatte KR. eine vielseitige literarische
Tätigkeit entfaltet:
Democrit in Ciceros philosoph. Schriften (Demo-
cnitstudien 1, Progr. 1889); Cornelius Labeo. Ein
Beitrag zur Spätröm. Literaturgesch. (Philologus,
Suppl.bd. 5, 1889; Mundart u. Schriftsprache im ElI-
Saß (1893); Deutsche mundartl. Dichtungen (1901). |
Das übrige Schrifttum ist rein päd. Natur. ;
Er gab Werke päd. Autoren heraus:

vmminn = mereeen € hd

Kahl.
1320
Th. Waitz' Allgemeime Pädagogik (1908); J.J.
Felbigers Schrift, Eigenschaften, WisSsenschatften u.
Bezeigen rechtschaffener Schulleute (1900, *1915);
Chr.G.Salzmann. Sein Leben u. Seine päd. Schriften
(1910)u. die Ausgabe von G. M. Durschs Pädagogik
oder Wissenschaft der christl. Erziehung auf dem
Standpunkte des kath. Glaubens (1916).
Dazu kommen histor. Untersuchungen, wel-
che K.s umfassendes WisSen bes. bekunden :
Die Renaissance-Literatur bereichert die Ab-
handlung: Die älteste Hygiene der geistigen Ar-
beit: Die Schrift des Marsilius Ficinus De vita
Sana Sive de cura valetudinis eorum, qui incumbunt
Studio litterarum (1482), in: Neue Jahrbücher für
das kilass. Altertum, Gesch. u. deutsche Literatur
(1906); Zur Geschichte der Schulaufsicht (1913)
bringt gesammelte Aufsätze über deren Organisa-
tion im 16., 17. u. 18. jahrh. ; Die päd. Ansichten
im den Schriften deutscher Rechtsphilosophen u.
Nationalökonomen aus dem Anfang des 17. Jahrh.s
(Mitt. der Ges. für deutsche Erziehungs- u. Schul-
gesch., 1906) lehrt, wie Althusius, Henning Arnit-
S2eus, G. Schönborner, W. Heider, Barth, Kecker-
mann, A. Contzen, Chr. Besold überErziehungdach-
ten; «J. ]. Winckelmanns Einfältiges Bedencken»
(Päd. Blätter für Lehrerbildung, 1906) behandelt
eine päd. Reformschrift aus der Mitte des 1 3.Jahrh.Ss,
«Das Lehrerseminar zu Ptialzburg 1876-1901»
(1901) dessen Geschichte. Das rhein. u. bes. köln.
Schulleben beschäftigte ihn in dem Abschnitt
«Das Schulwesen» in dem Werk: Die Stadt Köln
- im 1. Jahrh. unter Preußens Herrschaft 1815-1915,
: Bd. 2 (1915) u. in dem Aufsatz «Aus der Früh-
zeit der Lehrernmnenbildung», im: Hundert Jahre
Volksschullehrermnenbildung in Köln 1823-1925,
Festschr. zur Jahrh.feier in Köln 1925. Auf die
: großen in der rheim. Schulgesch. noch vorhandenen
Lücken u.die Notwendigkeit exakt-quellenmäßiger
Arbeit auf dem Gebiet der Erziehungsgesch. über-
haupt weist nachdrücklich Sein Beitrag : Neue Pro-
bleme u. Aufgaben der rhein. Erziehungs-u. Schul-
gesch., in: Festschr. zur Hauptversammlung des
kath. Lehrerverbandes des Deutschen Reiches,
Provinz Rheinland, am 26./27. X. 1924 in Köln,
hin. Das Roloffsche Lex. der Päd. verdankt ihm
eine Reihe ausgezeichneter Artikel. Lber Nach-
. wirkungen Overbergs Schrieb er in: B. Overberg
als päd. Führer Seiner Zeit (1926), über O.Willmann
im Deutschen biograph. Jahrbuch 1929 (Über-
leitungsband II, 1917-1920, S. 616-621). Zahl-
reiche Besprechungen im Literar. Zentralblatt,
Literar. Handweiser, der Theol. Revue u. der
Vierteljahrsschr. für wissenschaftl. Päd.; Ständiger
Mitarbeiteram Histor.-päd. Literatur-Bericht, hrsg.
von der Gesellschaft für deutsche Erziehungs- u.
Schulgesch. Mit A. Schneider begründete er 19253
die ForSchungen zur Gesch. der Philosophie u. Päd.
Eine reiche u. tietgehende Lehrtätigkeit ent-
faltete K. als Universitätslehrer in VorleSungen
u. Übungen. Seine Sache war es nicht, Sich in
weltfremder Abstraktion u. einseitigem Dogma-
tiSmus zu bewegen. Peinlich bemüht, auch
andersgearteten Richtungen gerecht zu werden,
den Blick auf die Wirklichkeit u. die gegebenen
Zeitverhältnisse gerichtet, verwertete er Seine
: in Gen verschiedensten Stellungen des prakt.

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