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Lebensanszicht (angeregt durch F7chte, F. Faul-
Sen, Carlyle u. Dewey) mündete er laut Selbst-
biographie erst gegen Ende des Weltkrieges
caus der teleologisch-prakt. in die axiologisch-
theoret. Einstellung» ein. K. hat hierbei mit
großer Synthet. Geisteskraft die Starken Sozial-
ethischen Impulse u. den metnodisch-prakt.
Erfahrungsreichtum, wie Sie Schon Sein Ein-
treten für Staatsbürgerl. Erziehung u. Arbeits-
unterricht befruchteten u. Sich in Seinem Prinzip
der «produktiven Gemeinschaftsarbeit» zuU-
Sammenfaßten, mit philoSoph. Theoremen ver-
einigt, die ihm zumal aus dem axiolog. Neu-
kantianismus Wzruaelbands, aber auch von an-
dersgerichteten Denkern wie 72. Lzpps, H. Na-
20rp, E. Spranger u. H. Freyer überkamen. Eine
völlig einheitl. «Erziehungslehre» ist ihm da-
bei nicht erwachsen, aber eine Seltene Fülle
Jebensvoller Anregungen zusammengetaßt.
SozialethizistiScch ist K.s Bildungstheorie
Stets geblieben, da ihr alle Bildung als «ein
Sittl. Zustand» gilt u. mit dem «absoluten Werte
der Sittl.-autonomen Persönlichkeit» zugleich
die «Sittl. autonome Gemeinschaft» im Sinne des
Idealstaates als gesetzt erScheint. Der ax1o0iog.,
werttheoret.Gesichtspunktist unterden 3 ASpek-
ten (axiologisch, psychologisch, teleologisch),
aus denen K. Seine Theorie der Bildung auf-
baut, durchaus der zielbestimmende; alle 4 Fun-
damentalbegriffe der wissenschaftl. Pädagogik
(Bildungs-, Interesse-, Wert-, Strukturbegriff)
hängen ihm letztlich im Wertbegriff zusammen.
Das menschl. Wertbewußtsein u. vor allem Seine
Bewußtseinsgesetzlichkeiten Sind von ihm auf
denim menschl.Geist(formal) zurWirkung kom-
menden göttl. Geist zurückgeführt; die Bewußt-
Seinsgesetzlichkeiten können nach ihm weder
auf die Kausgalitätsgesetzlichkeiten der Phys.
Natur, noch auf die teleolog. Gesetzlichkeiten
der psych. Natur zurückgeführt werden. Man,
erkenntaber unschwer, daßtrotz aller Betonung
der unbedingten Werte der Wahrheit, Schön-
heit, Sittlichkeit u. Heiligkeit der philos. Wert-
lehre K.s (material) der objektiv-metaphySische
KesSeler.
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er («Seele des Erziehers» S. 121) auch aner-
kennt, daß «wo immer der Bildungsgedanke in
einiger Vollkommenheit verwirklicht ist», dies
bis in unsere Tage nur aus der Verwurzelung
in «wahrhaft religiögem Geiste» geschah.
Schrifttum: Autobiographie, in: Die Päd.
der Gegenwart in Selbstdarstellungen, hrsg. von
E. Hahn (Bd. I, 1926); jugendführer u. Jugend-
probleme. Festschrift zu K.s 70. Geburtstag, hrsg.
von A. Fischer u. E. Spranger (1924); R. Prantl, K.
als Pädagoge (1917); H. Kirschbaum, Die Entwick-
lung der theoret. Voraussetzungen von K.s Pädago-
gik (1927); J]. Dolch, Bildungstheorie, in: Pharus,
18. Jhrg. (1927), S. 241 ff.; Selbstdarstellung (1930);
J. Gabhlbäck, K.s Begriff der Arbeitsschule, in: Die
Arbeitsschule, H. 5/6 u. 6/7 (1922); E. Bertrand,
L'(Euvre Scolaire du docteur K. 4 Munich (Paris
1914); M. Vanselow, Kulturpädagogik u. Sozial-
pädagogik bei K. .. (1927): H. P. Cruse, G. K.5
n. opvoedkundige studi8& (Amsterdam 1922)
4. dias j 0
M. Ettlinger.
KesSeler, Kurt.
K., evang. Pädagoge u. Religionsphilosoph, geb.

am 26. I1. 1884 zu Rawitsch (Provinz Posen, jetzt
Polen), Studierte evang. Theologie u. PhiloSsophie
in Greifswald, Berlin u. Breslau, an dem evang.
Predigerseminar in Naumburg a. Qu., war QO627-
Jehrer bzw. Studienrat m Thorn, Kottbus u. Rerlin,
darauf OberStudiendirektor im Minden 1.W. u. (Seit
1926) in DüSsSeldorf.
K. gehört zu jener Gruppe regsamer evang.
Theologen an höh. Schulen, die Sich um eine
innereAuseinandersetzung u. Synthese zwiSchen
evang. Weltanschauung u. modern päd. Forde-
rungen mühen. Seine Bedeutung liegt nicht 50
Sehr im Schöpferischen als im Versuch, Theorie
u. Praxis, Geschichte u. Gegenwart zur Einheit
zu verbinden u. philosophisch-theologisch zu
unterbauen. Er verfolgt im ganzen eine ge-

mäßigt liberale evang. Kulturpädagogik u. ist
Anhänger des Simultanschulgedankens.
KS Schriften : Die Vertiefung der Kantischen
Religionsphilosophie durch R. Euckeni1908);; Kant
u. Schiller (1910;; Der Unsterblichkeitsgiaube in
' religionsgeschichtl. u. religionsphilos. Bedeutung
Rückhalt fehlt; alle Werte u. Güter gelten
letztlich nur als Erzeugnisse u. Objektiva-
tionen menschheitl. Wertbewußtseins. Das auf:
dem Neuhumanismus IV. v. Zumboladts ftußende .
. . t 2 ens 1 geISUO
desgen Verwirk- Der Kampf R. Euckens um einen geistigen Grund
personalist. Bildungsideal,
lichung der Bildungsprozeß dient, wird dem-
gemäß als «ein durch Kulturgüter geweckter,
individuell organisierter Wertginn von ind1vi-
duell möglicher Weite u. Tiefe> bestimmt u.
gegenüber einem falschen Enzyklopädismus die
persönl. u. Sozialberufl. Sondergestalt jeder
. echten Allgemeinbildung betont. Wahre Bil-
- dung erfordert Stets Beschränkung mit mög- :
lichster Vertiefung; nur von der Berufsbildung :
führt der Weg zur Menschenbildung. Über den
Sittl. u. Sozialen Bildungsfaktoren kommen bei
(1910); Die religiöse Weltanschauung Schillers u.
Goethes in ihrer Bedeutung für das Lebensproblem
(1911); R. Euckens Werk (1911); R. Euckens Be-
deutung für das moderne Christentum (1912; Das
Lebenswerk der großen Pädagogen (1913, *1925);
u. Inhalt des Lebens (1914); Päd. Charakterköpfe
'1916,*1929, Spanisch 1931); Die wisSenschatftl. Ver-
tretung des Christentums in der Gegenwartstheo-
Jogie 11917); Das Problem der Religion in der
: Gegenwartsphilosophie (1917, *1920); Kritik der
'neukant. Religionsphilosophie d. Gegenwart(1920);
: Pädagogik auf philosoph. Grundlage (1921); Die
religiöge Bewegung der Gegenwart (1922); Reli
gionsunterricht in evang. Geiste (1919, 71922);
: Schulfragen der Gegenwart (1924); Religionsphilo-
' Sophie (1927); Kulturaufgaben der höh. Schule .
11927); Päd. Führertum u. moderne Schule (1928);
| Evang. Lebenskunde (1928) u. Oberstufe des Re-
K. die religiösen nicht zu ihrem Recht, 50 Sehr ligionsbuches von K. K.. W. Oppermann u. B.

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