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gründete daselbst den ersten Arbeiterverein « &7-
derreunae».1917 erfolgte der Zusammenschluß der
bestehenden Elternvereine u. Kindergruppen zum
«Österr. Reichsverband». Als grundlegende Zweck-
bestimmung wurde in den Satzungen festgestellt :
«Der Verein ist ain Eiternverein. Sein Zweck 1ist
es, das Proletariat zusammenzufassen, damit es
aus gemeinsamer Kraft das leibl. u. geistige Wohl
Seiner Kinder u. deren Entwicklung zu Sozialist.
Denken, Fühlen u. Wollen 5o fördert, wie es dem
einzelnen Elternpaar in der kapitalist. Wirtschafts-
ordnung nicht möglich ist.» Im Dezischen Reich
entstanden die ersten Gruppen der K. nach dem
Kriege 1919/20. Die zahlenmäßige Verbreitung der
R. iSt nicht festzustellen, da die Angaben einander
widersprechen. 1924 erfolgte der Zusammenschluß
der deutschen K. zu der Rezchsarbeitsgemeinschaft
der K., Berlin SW 68, Lindenstr. 3. Sie ist nach ß 1
ihrer Satzungen «eine ZusammenfassSung aller auf
dem Gebiet der Kindererziehung wirkenden Arbei-
terorganisationen, Soweit Sie nach allgemein-Sozia-
list. u. wisSenschaftlich-päd. Grundsätzen ihre Erzie-
hungstätigkeit ausüben».
Aufgaben Sind: 1. Heranbildung der Arbeiter u.
Arbeiterinnen zur Sinnvollen Betätigung auf dem
Kinderfreunde.

Gebiete der Kindererziehung im Geiste der Selbst-
hilfe u. Selbstverantwortung. 2. Errichtung von.
Kindergruppen mit lebendiger, gesunder u. ver-
nünftiger Gestaltung der Schulfreien Zeit. 3. Ein-
wirkung auf den Ausbau aller staatl. u. kommur :
nalen Kindererziehungseinrichtungen u. Nutzbar- :
machung der öffentl. Mittel für diesen Zweck.
4. Einrichung von Kinderbibliotheken u. -lese-:
hallen ; entsprechender Ausbau der bestehenden
Arbeiter- u. Kinderbibliotheken,
Kinder- u. Jugendschriften zur Bekämpfung der ;
Schundlhiteratur. 5. Unterstützung der Eltern in
allen Erziehungsfragen, Zusammenwirken mit den
SoZzialist. Erziehungsbeiräten , Elternvereinen u.
Schulgemeinden. Führer u. Vorsitzender ist der
frübere Berliner Oberschulrat, Reichstagsabgeord- ,
neter Dr. AX. Löwerstern.
Vertrieb guter :
Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Sozial-
demokrat. Lehrer u. Lehrerinnen Deutschlands
wird die Sozzalst. Erziehung (das eigentl. Führer-.
blatt), die der Sozzalzst. Bildung beiliegt, heraus-
gegeben. Kinderzeitung: De Kinder „freund, mit
emer Auflage von 300000; Heiferzeitung: De
Felfer, außerdem eine Reihe von Bezirkszeitschrif- -
ten. Die freie Arbeitsgemeinschaft besteht aus rund
10000 Helfern ; durchschnittlich werden täghch
180 000 Kinder erfaßt.
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Die innere Entwicklung der K. bewegung er-
folgte in 3 Stufen: ursprünglich reine Fürsorge-
einrichtung u. Wohlfahrtsbestrebung, wurde Sie
Dald als bewußte Erziehungsbewegung im Sinne
einer Führung u. Betreuung der Arbeiterkinder
durch Erwachsene ausgebaut. Die dritte Ent-
wicklungsstufe entsprach einer gewissen Eman-
zipation der Jugendlichen u. ihrem Willen zur
Figengestalitungder Geschicke u. Arbeiten ihrer
Bewegung; es erfolgte vielfach eine Differen-
zierung der Kindergruppen vom 12. Lebens-
jahreab. Dieälteren Gruppen nennen Sich Roe
Falken u. haben Stark das Gepräge einer akti-
ven Selbsterziehungsbewegung. Entsprechend
der Zielsetzung Ssozialist. Erziehung: «Fähig-
machung des werdenden Geschlechtes für die
werdende Gesellschaft» (Löwenstein), hat die
prakt. Erziehungsmethode der K. eine doppelte
Aufgabe: die geistige Befreiung des Kindes von
alten herkömml. Bindungen durch planmäßige
Sozlalist. Gefühlsbildung u. die Erziehung zu
neuen Bindungen im Sinne der zukünftigen
Gesellschaft, zur Selbstbestimmung u. Selbst-
verwaltung u. zum unbedingten W illen der Ein-
ordnung in die Gesamiheit der kämpfenden
Klasse. Die K.bewegung ist, wie die gesamte
SOZLalist. Erziehung, weltlich orientiert u. ar-
beitet zielstrebig an der völligen Verweltlichung
' des Bewußtseins der Kinder u. an der Begrün-
dung einer rein diesseits gerichteten Kultur.
In der prakt. Arbeit der K. kann viel mensch-
' lich Schönes u. Wertvolles festgestellt werden.
Es geht bei den K.n um den planmäßigen Auf-
bau eines wohldurchdachten allumfasSsenden
Sozlalist. Erziehungssystems. Über kath. Kinder-
. arbeit vgl. Art. Kinderwohl.
Schrifttum: J. Steinmetz, Die K. in Österreich
'u. Deutschland (1926); Z. Fischer, Die K.bewegung
inDeutschland(1929);--Sozialist. Erziehung(1926);
M. Winter, Das Kind u. der Sozialismus (1924); F.
Kanitz, Kämpfer der Zukunft. Eine Systemat. Dar-
Stellung der Sozialist. Erziehungsgrundsätze (1929);
K. Löwenstein, Das Kind als Träger der werdenden
Gesellschaft (0. ] ); - Die Rote Kinderrepublik
(21929); -- Kinderland, Jhrg. 8 (1930); H. Nedder-
meyer, Im Zeltlager (1928); D. Breitenstein, Die
Sozialist. Erziehungsbewegung (1930.
PS. Bergmann.

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