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noch nicht die gebührende Bedeutung beige-
messen. Es muß zugegeben werden, daß in der
< Überspannung des psychotherapeutischen Ge-
dankens» (Zomburger) in der Tat eine gewisSe
Gefahr gelegen 1st, u. daß es klug abwägender
Maßnahmen bedarf, um zwischen rein ärztl.
u. rein erzieheriSchen Aufgabenkreisen die
Grenze zu ziehen u. in den beiden Autoritäten
gemeinsamen Gebieten ein nutzbringendes Zz-
Sammenaxrbeiten zu gewährleisten. Hier kann
zunächst nur Soviel gesagt werden : «Schwie-
nige» Kinder Sollten unter allen Umständen
von Sachverständigen Arzten untersucht werden
(was durch die Schule oder im vorschulpflich-
tigen Alter vom Eiternhaus, von der Fürsorge,
von Horten usw. veranlaßt werden Sollte), da-
mit a) die möglichen körperl. Ursachen erkannt
bzw. ausgeschlossen werden können, b) die See-
1ischen entweder ermittelt oder als zu ermit-
telnde andern Organen aufgegeben werden.
Die Entscheidung, ob ein Kind organisch de-
fekt 5e1 oder nicht, Schwachsinnig, «nervös»,
hirnkrank, entwicklungsgehemmt usw., darf
rr dem A. anvertraut werden. Bei aller Kennt-
n1S u. Intuition Sind alle andern Personen dazu
völlig ungeeignet. Freilich muß der A. über
die notwendigen allgemein medizinischen, aber
auch psychiatrischen u. charakterolog. Kennt-
nisSe verfügen. Eine derartige Ausbildung der
Schulärzte oder Sonstiger beamteter Arzte in
Fürsorge usw. ist großenteils noch Desiderat.
Insbes. müssen alle plötzlich einsetzenden Ver-
änderungen des kindl. Verhaltens ärztlich ge-
würdigt werden (man denke z. B. an die Cha-
rakterveränderungen nach Encephalitis lethar-
gica -- Sog. Hirngrippe -- die, oft Symptom-
los oder nahezu So verläuft, aber Schwere Folge-
zustände zeitigen kann).
Neben diese Aufgaben des A.es in der Indiv1-
dualfürsorge treten die der Aufklärung u. Be-
lehrung weiter Kreise, die Mitwirkung an der
Gestaltung der Erziehung u. des kindlich-ju-
gendl. Gemeinschaftslebens, der Schulorgani-
Sation u. der Schulhygiene. In allen diesen
Punkten 1ist ein verständnisvolles ZuSsammen-
arbeiten aller beteiligten Faktoren in weit höhe-
rem Maße als bisSher erforderlich.
2. Schließlich 1ist der Bedeutung ärztl. Er-
kenntnis für die Pädagogik zu gedenken,
der EinsSichten über den Einfluß der Sog. Über-
bürdung, der Sozialen Verhältnisse (z. B. daß
unter den Kindern mit Bettnässen der größte
Prozentsatz SOoz121 Schlecht gestellten Kreisen
entstammt, u. daß dieser Fehler weniger mit
dem Mangel an Nahrung als mit dem an Liebe
zusammenhängt), der Artung des Kindes, wie es
SICh dem A., der von ihm nichts will u. es da-
her vielleicht objektiver Sieht, darstellt. Die an
der Nüchternheit naturwissenschaftl. Methodik
gebildete ärztl. Beobachtung iu. natürlich die
ihr gleichwertige entwicklungspsycholog. Art)
ÄsSoziliation.

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vermag manche übertriebene Meinungen, die
zuweilen mehr aus theoret. Vorurteilen als aus
empirischen Feststellungen entspringen, zu
korrigieren. So dürfte gerade auch die Medizin
berufen Sein, gewissen verkehrten Auffassungen,
die Sich in Verkennung des Wahrheitsgebhaltes
pSychoanalyt. Behauptungen mehr als wün-
Schenswert in päd. Kreisen breit gemacht ha-
ben, eine Schranke zu Setzen.
3. Die Aufgaben des Kreis- bzw. Be-
zirks-A.es in den Schulen Sind in den ver-
Schiedenen Ländern durch die Dienstanwei-
Sung (in Preußen vom 23. IL 19ot1 u. den Er-
laß vom 1. VI. 1904) geregelt. Sie betreffen im
wesentl. die BeSichtigung der Schule innerhalb
eines bestimmten Zeitraumes in Bezug auf Bau-
lichkeiten u. Einrichtungen u. den GesSundhelits-
zusStand der Schüler. Bei Umbauten u. Neu-
bauten Sind ihm die Baupläne zur gesundheitl.
Begutachtung vorzulegen. Er hat bes. die Vor-
Schriften zur Verhütung u. Verbreitung an-
Steckender Krankheiten (s. d.) zu überwachen.
Ohne Seine Mitwirkung dart, von dringenden
Ausnahmefällen abgesehen, eine Schule oder
Schulklasse aus GeSsundheitsgründen weder ge-
Schlossen noch wieder eröffnet werden.
Vgl. zu dem Ganzen auch die Art. Hpy-
giene, Krankheiten u. Erziehung u. Schule, Me-
dizin u. Pädagogik, Sowie die Art. über die
einzelnen Sinne 1. ihre Krankheiten.
Schrifttum: A. Czerny, Der A.als Erzieher des
Kindes (*1926); H. Keller, Arzti. Pädagogik (2 Bde.
1924/25). 1.--11. 2. X. A42lers. 11. 3. 5. Spreler.
ASSOZiation.
I. Begriff u. Wesen: Die Tatsache, daß
die Seelischen Inhalte nicht unabhängig von-
einander in das Bewußtsein treten, Sondern ein
Inhalt durch den andern wachgerufen wird,
führt zu der Annahme von Bindungen, A.en, die
zwiSchen den Inhalten bestehen u. ihre gegen-
Seitige Reproduktion (s. d.) ermöglichen. Die
A.en werden also Selbst nie erlebt, Sondern aus
den Tatsachen der Reproduktion alsderen Vor-
bedingungerschlossen. Über ihr Wesen besteht
noch Unklarheit; Sicher ist nur, daß Sie in ge-
wiSSen phySiologischen Prozessen des Gehirns
fundiert Sind. Gegenüber früheren AnSschau-
ungen, nach denen es Sich um Bahnungen, AUS-
Schleifungen oder gar A.sStasern handeln Soll,
Spricht man heute nur noch von bestimmt ge-
richteten Erregungsverläufen infolge gieicher
Abstimmung der nervösen Elemente.
II. ASSO0ZIationSgeSetze: Die Bedingungen
der A.Sbrldung werden von der 4.S/0rSchung
festgestellt u. in den A.Sgesetzen zusammen-
gefaßt. Die trüher aufgeführten wzer A.SgeSetze
(Bindung der Inhalte auf Grund von Ahnlich-
keit, Gegensatz, räuml. u. zeitl. Berührung) Sind
in neuerer Zeit auf zwe? zurückgeführt worden :
das Gesetz der Ahnlichkeit (innere A.) u. das

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