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diese. Gerade Solche Kinder Sind oft eine Schwere
Belastung für die Schule, da die häufigen Rück-
fälle zu oft langen Schulversäumnissen Veran-
lasSung geben. Solche Kinder Sollen, abgesehen
von der Notwendigkeit dauernder ärzt]. Über-
wachung, jedes Jahr die Ferien in einem Solbad
oder einer Walderholungsstätte verbringen. Durch
unermüdliche, Sorgfältige Pflege können Sie Selbst
vor großem Schaden u. die Allgemeinheit vor
Schwerer Belastung bewahrt werden. Die eitrige
Bindehautentzündung der Neugeborenen, die frü-
her die Blindenanstalten bevölkerte , ist heutzu-
tage Sehr Selten geworden ; ihre Verhütung durch
die den Hebammen zur Pflicht gemachten Maß-
nahmen 1st einer der glänzendsten Erfolge der
neuzeitl. Gesundheitspflege.
Chronische Entzündung derlLidränder,
nicht Selten familiär erblich, bedarf je nach
ihrer Eigenart Sorgsamer Pflege nach ärztl. An-
weiSUNg, um dauerndem Schaden vorzubeugen.
Innere Erkrankungen des A.s Sind im
Schulalter Selten. In der Nachkriegszeit haben
Sich allerdings c«AroniSche Entzündungen der
Aderhaut auf tuberkulöSer Grundlage gehäuft,
ebenso FZornhaut- u. KRKegenbogenhautentziin-
dungen durch ererbte Syphilis. Lainsentrüdung
( häufig vor, iSt oft angeboren, bleibt oft partiell,
erfordert dann nur Brillen, hin u. wieder, bes.
wenn die ganze Linse Sich trübt, operative Be-
handlung. Er&grankungen der Netzhaut. des Seſ-
nerven Sind im Schulalter verhältnismäßig Selten,
meist Sind Sie Teilerscheinungen anderer Er-
krankungen, bes. des Gehirns u. Seiner Häute.
V. PädagogiSches: Ein So lebenswichtiges
u. zugleich empfindl. Organ wie das A. iSt bes.
vor Verletzungen (beim Spiel) zu Sc/ü12e7 u. be-
darf einer angemessenen /%/2ge (Beleuchtung u.
richtige Haltung beim Lesen u. Schreiben in
Hausu. Schule, hauptsächl. beim Zeichnen u. bei
Handarbeiten). -- Die Frage des Unterrichts
von SehSchwachenist in allen Ländern eine
Sehr umstrittene, vielfach ist Sie noch nicht in
Angntft genommen, geschweige denn gelöst. In
Deutschland hat diese Frage eine wesentl. KIä-
rung dadurch erfahren, daß der große Verein
rhein.-westfäl. A.närzte Sie eingehend unter-
Suchte. Ein von ihm eingesetzter Ausschuß hat
die folgenden Grundsätze aufgestellt :
1. Es muß angestrebt werden, möglichst viele
Kinder der Normalschule zuzuführen.
2. Die Gründung von Sehschwachen-
Schulen kommt nur für Großstädte u. die ihnen
benachbarten Bezirke im Betracht, nicht für rein
Jandl. Bezirke. Inwieweit die Kinder in diesen Be-
zirken in Internaten bei Sehschwachenschulen der
Großstädte oder evtl. in Blindenanstalten mitunter-
gebracht werden können u. Sollen, muß der jeweili-
gen Beurteilung des Einzelfalles überlassen bleiben.
Auskunftstellen, pädagogiSche.
;

Eine Angliederung von Sehschwachenschulen an
Blindenanst. wird nicht als zweckmäßig erachtet.
3. Von den nicht für die Normalschule geeig-
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a) AbgeschlosSene ProzeSse : Untere Grenze -
SehSchärfg */]59 bei normalem Gesichtsfeld u.
einigermaßen ausreichender Intelligenz; ausnahms-
weise u. versuchsweise Können bes. intelligente
Kinder mit einer noch geringeren Sehschärfe unter
Ausnützung aller in Frage kommenden optischen
Hilfsmittel aufgenommen werden. Obere Grenze .
SehSchärfg *ſ29. AusgesSchlosSsen Sind Schwach-
Sinnige Kinder. Dagegen Sollen Solche Kinder,
die durch langsameres Lern- u. Begriffsvermögen
Lernschwier!gkeiten haben, möglichst mit in den
Kreis derfürdie Sehschwachenschulen bestimmten
einbezogen werden.
b) Nicht abgeschlossene Fälle, Sog. Sehgeg/arr-
dete : Die Entscheidung muß in jedem Falle durch
den A.narzt getroffen werden. Hierzu gehören vor
allem alle chronischen rezidivierenden Erkran-
kungen des vorderen u. hinteren Augapfelabschnit-
tes. Zur Erfassung aller Kinder müssen bes. die
A.närzte beitragen, denen auch die regelmäßige
Kontrolle obliegt. Selgefährdetie Kinder können
evtl. während einer Krankheitsperiode az// Zezt der
Sehschwachenschule zugeführt werden uv. nach er-
folgter BesSerung bzw. Ausheilung in die Normal-
Schule zurückkehren.
c) Reraktionsanomalien : Auch in diesen Fällen
hegt die EnisSscheidung in Händen des A.narztes.
In Betracht Kommen: 1. I/yopzer über 8 Dioptrien
aus Familien, die mit progredienter Kurzsichtigkeit
belastet u. bei denen gleichfalls Schon Zeichen von
Progredienz festzustellen Sind. 2. Zohgradige
Brechungsjehler anderer Art nach Maßgabe der
zu erzielenden Sehschärfe.
Diese Grundsätze dürften Sich, da aus der
Praxis hervorgegangen, wohl in Zukunft für die
Maßnahmen der ausführenden Behörden als rich-
tunggebend auswirken.
Kinder mit einer Sehschärfe unter ?/,, können
auch in Sehschwachenschulen nicht mit Erfolg
unterrichtet werden. Sie gehören in Blinden-
Schulen bzw. -anstalten. Manchmal widerstreben
| die Eitern Solcher Kinder der Unterbringung der-
Selben in eine Blindenanstalt. Das Fürsorge-
erzienungsgesetz gibt Handhaben, um dieselbe
auch in Solchen Fällen durchzusetzen.
S. auch Art. Blindenpädagogik.
Schrifttum: R. Perlia, Leitfaden für die
Hygiene des A.s(1893); O. Eversbusch, Die Pflege
des A.S in Haus u. Familie (1893); W. Rein u.
P. Seiter, Das Kind, Seine körperl. u. geistige Pflege
von der Geburt bis zur Reife * 1927); H. Schulz,
Ermüdung des A.S5S, in: Industrielle Psychotech-
nik, Jhrg. 2 (1925), H. 1, S. 3-12; H. Herzog, Die
Schulen für Sehschwache in Berlin, in: Ztschr. für
Kinderforschung XXXIII 1, S.75--81. Die Frage
der Sehschwachenschule ist vom neuesten Stand-
punkt behandelt in den Verhandlungen des Ver-
eins rhein.-westf. A.närzte, welche im 22. Bd. der
KlinisSchen Monatsblätter für A.nheilkunde er-
Schienen Sind. KX. Quint.
Auskunitstellen, pädagogische.
„A. = Auskunfſt.]
Bei dem Selbst für den Fachmann nicht mehr
übersehbaren Gebiet der erziehungswissen-
neten Fällen Sollen Soviel wie möglich in die Seh- | Schaft]. Forschung, der prakt. Bildungs- u. Er-
Schwachenschule. Für diese kommen in Betracht: ziehungsarbeit, der Übertfülle für Sie geltender

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