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beschränkt worden, da Schon von 1925 an in-
folge des Grundschulgesetzes der Abbau der
Unterstufe an allen Lyzeen begonnen hatte (für
die Privatschulen ist die Frage noch nicht völ-
lig gelöst) u. auch dieVILKL tallen mußte. Beide
Maßnahmen wurden als Verlust Stark empfun-
den. In dieser der Realschule angeglichenen
Form bildet das L. «den Stamm» der höh. Mäd-
chenschulen. Es ist grundständige Schule u.
führt als Solche die Schülerinnen vom 10.--16.
Lebensjahre. Entweder besteht es als VZcAt-
vollanstalt für Sich oder 1st als Ürzer- u. Mttel-
Stufe einer Vollanstalt, dem Ober-L. eingelagert;
mit einer Frauenschule verbunden, erhält es
gleichfalls die Rechte der Vollanstalt. Wie zu-
vor gabeln Sich gymnagilale u. realgymn.Studien-
anstalten (s.d.) ab von UIT an, das neuereform-
realgymn. Ober-L. (s. d.) von UII an.
Als Voraussetzung für die Gleichberechti-
gung der Lyzeen mit den Knabenschulen wird
die gleicheVorbildung der Zehrgräfte getordert,
d. h. die Akademzsierung des Lehrkörpers (1924).
Die wissenschaftl. Stunden müssen nun in den
K1.VI--IV wenigstens zur Hälfte, von U I[1 bis
UI vollständig mit akademisch gebildeten
Lehrkräften besetzt werden. Aus Studienräten
u. -rätinnen, Oberschullehrern u. -lehrerinnen
(wissenschaftl.u. technisch-künstler.)Sowienach
wechselndem Bedarf aus akadem. u. nichtaka-
dem. Hilfslehrkräften Setzt Sich der Lehrkörper
zuSammen. -- Für die Bildungsarbeit des L.s
gelten grundsätzlich die Zerzzele u. LeRrauf-
gaben der entspr. Knabenschulen, jedoch mit
einzelnen Abweichungen, bedingt durch die
besondern Interessen u. Lebensaufgaben der
Mädchen (Richtlinien für die Lehrpläne d. höh.
Schulen Preußens, ** 71927, S. 300f.). Diese Be-
Sonderheiten können Sich auch in den Lehrplä-
nen der Einzelschulen auswirken, da dieReform
ihnen eine größere Bewegungsfreiheit gesichert
hat;Ssowohl dieAnstalts-als auch die Jahrespläne
derlyzeen werden hierdurchihre individuellere
Gestaltung u. ihren Eigenwert gewinnen.-- Die
Kernfächer --Deutsch, Geschichte, Erdkunde-
Sind die der andern höh. Schulformen u. Stellen
die gleichen Anforderungen, während die neue-
ren Fremdsprachen als betonte Fächer im gan-
zen die Lehrziele der Oberrealschule erhalten
haben. Die weitestgehende Umgestaltungmußte
die mathematisch-naturwissenschaftl. Fächer-
gruppe erfahren; ihre Lehraufgaben wurden
wesentlich erweitert u. vertieft. =- Wie an den
höh. Knabenanstalten 5oll die ganze Arbeits-
weise des L.s Sachgemäß u. wissenschatftl. be-
gründet sein; dem steht nicht entgegen, daß
im einzelnen u. Feinern der method. Einstel-
lung doch die Seel. Struktur der Mädchenklasse
u. == im Ganzen der Schule-- der Entwicklungs-
rhythmus der weibl. Jugend zu beachten bleibt.
== Wenn die Reform die künstler. Fächer Musik
u. Zeichnen höher schätzt u. Sie den wissSen-
Lexikon der Pädagogik der Gegenwart. IL.
Lyzeum.

322
Schaft]. Fächern nebenordnet, knüpft Sie damit
an gewisse Überlieferungen der Mädchenschule
an. Die Nadelarbeit ist verbindlich geworden
bis OIJ, vielfach geäußerten Wünschen ent-
Sprechend, aber nur wahlfrei in UIL Nach-
drücklicher als bisher wird die körperl. Erzie-
hung betont. -- Um die Doppelautgabe der
Kl. UI als Abschluß- u. zugleich Übergangs-
klasse zu vereinfachen, wurden Sonderbestim-
mungen für eine UIIlb getroffen, die parallel
geführt werden darf u. Erleichterungen in den
wiSSsenschaftl. Fächern einräumt; tür Solche
Schülerinnen bestimmt, die nicht zur Ober-
Stufe aufsteigen können oder wollen, hat Sie
die Erwartungen nicht zu erfüllen vermocht.
Stundentafel des neuen Lyzeums (1924).











Fächer VI | V LIV UIII OILN|UIL Zus. JU ILD)
Religion . . 21212 2 2 21 22 8
Deutsch . . . . 5/1515 4 4 41 27 4
1. neuereFremdspr. | 6| 5 | 5 4 3 41 27 2
2. » » -- | - | -- 4 4 4 2 2
Geschichte (Staats-
bürgerkunde) --=]j] 1 | 3 2 2 81 DÜ 3
Erdkunde 2/1212 2 2 217272 2
Mathematik 4| 4| 4 4 4 41 24 3
Naturwiss. . 2|2|2 2 3 31 14 8
Zeichnen 2/2112 2 2 2171012 2
Musik 21211 1 1 1 8 2
Zusammen | 25125 126 | 27 | 27 | 29 11591 26
Zu derStundentafel treten hinzu für: VI--OlIllje 2Stunden Nadel-
arbeit, UILb 4 Stunden Nadelarbeit, zusammen 10 (14) Stunden ;
VI--UII je 4 Stunden Leibesübungen (für die Schule zusammen-
zulegen zu insges. 16 Stunden). -- Die für Nadelarbeit, Zeichnen
u. Musik vorgesehenen 8 Stunden können in UIIb auf diese
Fächer auch anders verteilt werden.
III. Berechtigungen: Diejenigen Anstal-
ten, welche die Richtlinien vom 21. HI. 1923
durchführen konnten, wurden als «umgewandelte
Lyzeen» vorläufig anerkannt; Sie erhielten die
neue Berechtigung, Schlußzeugnisse mit dem
Vermerk der OberSekundareife auszustellen,
die das L. alter Ordnung nicht verleihen kann.
Inzwischen wurde die Reform 5o weit durch-
geführt, daß die endgültige Anerkennung er-
folgen konnte (MinErl. vom 4. 111. 1930).
Für das L. als gleichberechtigte höh. Lehr-
anstalt ist Seit 1929 die länger umstrittene
Schlußprüfung verbindlich geworden, da nur
diese an Nichtvollanstalten die Obersekunda-
reife vermittelt. In ihrer Form vereinfacht, wird
Sie-- wie an Knabenschulen -- an denjenigen
Lyzeen abgehalten, die nicht einer geradlinig
weiterführenden Oberstufe unterbaut Sind, also
an Nur-Lyzeen oder mit Studienanstalten ver-
bundenen Lyzeen, nicht aber an Lyzeen, denen
SiCh eine Frauenschule angliedert. Für Privat-
Schulen gelten auf Grund reichsdeutscher Ver-
einbarung besondere Prüfungsvorschriften. Wo
eine KI]. UINb besteht, verleiht Sie nur die
mittlere Reife. --“ Den beiden Formen der ADb-
Schlußzeugnisse entsprechen für MAc/Atschüle-
rinnen die Prüfung für Obersekundareife des
Ober-L.s u. die Prüfung zum Nachweis der ab-
geschlossenen Bildung eines L.s nach den Be-
IT

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