323 Mädchenbildung u.
Stimmungen vom 7. VI. 1912 (Extraneerprüfun-
gen), letztere Seit Ostern 1931 aufgehoben.
IV. Ausbreitungu. Bewertung: Dieneuen
Bestimmungen Sind geeignet, auch formell die
Gleichstellung der Lyzeen zu Sichern u. Somit
manche Vorurteile zu beseitigen, die noch ge-
gen die Mädchenschule bestanden hatten. Dem
entspricht, daß die äußere Entwicklung, von
vorübergehenden Hemmungen abgesehen, eine
aufsteigende Linie zeigt. Die Zunahme der
Schulen u. Schülerinnen wurde gefördert durch
das Starke Bildungsstreben, das oft für Zeiten
wirtschaftl. Not kennzeichnend 1st. Die Statistik
für 1930 zählterund 502 Lyzeen, von diesen nur
noch 171 Ohne weiterführende Klassen. Es
kommt nun vor allem darauf an, daß nicht nur,
den Knabenschulen entsprechend, die wissen-
Schaft]. Leistungshöhe des L.s Sich Steigert, Son-

Mädchenerziehung. 324
dern daß auch hier die innern Ziele der Reform
in der vielseitigen Weckung lebendiger Seeli-
Scher Kräfte erfaßt u. durchgetührt, zugleich
auch die erschwerten Erziehungsaufgaben --
unter Ausnutzung vielfacher neuer Möglich-
keiten -- gefördert werden. Den Lehrenden legt
die Verwirklichung der neuen Bildungsziele
erhöhte Verantwortungen auf, zumal an einer
immerhin noch jungen Schulart; von den Schü-
lerinnen wird ein Mehr an Begabung u. ernstem
Arbeitswillen erwartet, von den Eltern das oft
nicht leichte Verstehen der neuen Formen u.
Forderungen der Reform.
Schrifttum: L. u. Ober-L., hrsg. von F. Cauer
u. A. Molthan(1926, Ergebnis einer L.Swoche 1924).
Zahlreiche Aufsätze in Fachzeitschriften. Vgl. auch
das Schrifttum der Art. Mädchenbildung u. Mäd-
chenlyzeum. 4. Pfennings.
M
Mädchenbildung u. Mädchenerziehung.
[M. = Mädchen, MB. = Mädchenbildung.]
1. Geistige Grundlagen: Seit der Wende
des Jahrh.s drängten zur Neugestaltung der
MB. nicht nur die Idee einer vertieften Per-
Sönlichkeitsbildung u. die Eingicht in die er-
weiterten kulturellen Aufgaben der Frau, son-
dern bald auch die Anforderungen neuer For-
men des Gemeinschafts- u. Volkslebens; die
allg. päd. Reformbewegung trat (Seit 1919 bes.)
hinzu (s. die Art. Frauenbewegung, bildung).
--“Daß es eine besondere MB. u. M.schule geben
müsse, wurde im allgemeinen nicht bezweifelt;
Sehr geteilt waren jedoch die Ansichten über
Ziele a. Wege, zumal in den «Kampfzeiten», die
den Staatl. Neuregelungen vorangingen.
Die allgem. (interkonfessionelle) Frauenbewe-
gung erstrebte eine volle Angleichung an die
Formen männl. Bildung mitihren Berechtigungen,
um den ungehemmten Zugang zur Berufsausbil-
dung zu erreichen. Andere Richtungen (die M.-
Schulpädagogen im Deutschen Verein für das höh.
M.schulwesen, die kath. u. evang. Organisationen)
traten für die tunlichste Wahrung eigenständiger
Schultypen der MB. ein; die «weibl. Eigenart», die
gewahrt werden Sollte, Strukturell zu bestimmen,
erwies Sick freilich als Schwierig. Man hielt es in
diesen Kreisen nicht für ratsam, Lehrziele u. Schul-
formen, die in Sich noch reformbedürftig waren, auf
die MB. zu übertragen. Diese Bedenken verstärk-
ten Sich, insofern von der Gegenseite die Koedu-
kation (Koinstruktion) zeitweise entschieden ge-
fordert wurde, sei es als Ersatz für das noch feh-
lende vollwertige M.Schulwesen oder auch ais Er-
ziehungsgrundsatz (bes. Sozialist. Gruppen); man
betonte daher, daß die Koedukation die Anpassung
an den Entwicklungsrhythmus der weibl. Jugend
u. die entsprechende Mitwirkung weibl. Lehr-
kräfte ersSchweren müßte. Demgegenüber hoben
die Führerinnen der allgem. Frauenbewegung her-
vor, daß die weibl. Eigenart in der Natur begrün-
det liege u. Sich «organisch» auswirke, wo Sie nicht
gestört werde, daß zie Sich «unverwüstlich» zeige;
es Sei also nicht notwendig, die Bildungsgüter in
besondern Formen darzubieten (Gegensatz von ZZ.
Gaudig u. H. Lange). Die gesamten Frauengruppen
hielten es für wesentlich, die Frau als Lehrerin u.
Erzieherin auf allen Gebieten u. Stufen der MB.
zu beteiligen u. ihr daher eine gleichartige Sach-
gemäße Vorbildung, die dazu erforderlich war, in
vollem Umfange zu Sichern. -- In diesem Zusam-
menhang gewannen die Erörterungen über die M.-
PSychologie (5.d.) eim Starkes päd. Interesse; je-
doch blieben die wissenschaftlich gesicherten Er-
gebnisse, wie heute hervorgehoben wird, bisherspär-
lich, wenn auch die Beobachtung geschlechtl. Be-
Ssonderheiten u. Wachstumsstufen bestimmte Anre-
gungen geboten hat. Für die Zielsetzungen der MB.
wurde aber bedeutsam die Kritik der psycholog.
Erkenntnismethoden u. die Feststellung, daß die
psycholog. Kategorien für (männl. u.) weibl. Art
letzten Endes nur statist. Wert besitzen, daß Sach-
u. Werturteile nicht hinreichend voneinander ge-
SChieden wurden u. im allgemeinen für die Deu-
tungsformen oft die Kulturlage bestimmend war.
Viel Problematisches tritt auch in dem Bemühen
hervor, eine einheitl. Schau fraul. Wesensart u.
-bestimmung anzubahnen u. hierdurch eine zu-
verläsSige Grundlage für die MB. zu gewinnen. Neu
gesehen u. betont, leben die gegensätzl. Auffassun-
gen des früheren Schrifttums über Sein u. Sollen der
Frau in der Gegenwart wieder auf (von einseitig
biolog. Theorien angefangen bis zu metaphysisch
verwurzelten Formulierungen hin; W. Liepmann,
K. Haase, P. Wüst; M. v. Tiling, E. Stein u. 2.).
Dieletztbezeichneten Wesensdeutungen wen-
den Sich bereits gegen die inzwischen vollzogene
Angleichung der MB. an männ]. Bildungstor-
men Oder, einerpäd. Zeitrichtung entsprechend,
gegen einseitig-intellektuelle Bildungsziele, die
Sich für die Frau bes. nachteilig auswirken
würden. Sie Stimmen mit der neu betonten Er-

kenntnis überein, daß das Wesensganze zu bil-

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