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Martinak, Eduard.
M., FZofrat, bekannter österr. Pädagoge u. Schul-
reformer, kath., Schüler von 4. . Mezrnong, geb.
am 5. IX. 1859 zu Warasdin in Kroatien, widmete
Sich in Graz dem Studium der Germanistik u. der
klass. Sprachen, war Seit 1884 in Leoben u. in Graz
20 Jahre als Gymrasiallehrer u. Direktor, Seit 1904
Prof. der Pädagogik an der Univ. Graz, Mitarbeiter
an den österr. Lehrplänen von 1899 u. 1908,im Som-
mer 1918 nach Wien berufen, dort von April 1919
bis Ende 1921 Zezter der Reformabteilung für höh.
Schulen, Vorstandsmiglied des Reichsbundes für
E. u. U., Mztllerausgeber der «Zeitschrift für Kinder-
forschung» u. der «OSterr. Vierteljahrshefte für E.
u. U.», Korrespond. Mitglied der WienerAkad. der
Wiss., 1928/29 Zektor der Univ. Graz.
Ein charakterist. Teil päd. u. didakt. Erkennt-
nisse der Gegenwart liegt in den zahlreichen
Einzeluntersuchungen M.s vor. Obwohl diese
meist ursprünglich einem prakt. Ziel gewidmet
waren, ließen Sich doch «die so gesammelten
Untersuchungen M.s zu einem System theoret.-
prakt. Pädagogik vereinigen» (Höfler). -- In le-
bendigem Austausch mit 4. Zöfler (s. d.) greift
M. die erziehungs- u. unterrichtswiss. Probleme
auf. Seine theoret. Überlegungen erhalten Ziel
u. Richtung aus den Erfahrungen Seiner lang-
jährigen prakt. Erziehungs- u. Bildungsarbeit.
Seine Reformgedanken gewannen in den Krisen
des Staatl. Niederganges an Bedeutung, da er
an verantwortl. Stelle bei der Neuordnung des
höh. Schulwesens in Osterreich mitarbeitete. --
Für M., der zugleich die wissenschatfts-theoret.
u. die prakt.-technolog. Seite der Pädagogik
überzieht, umfaßt der Begriff Erziehung 1. die
planmäßig bewußte bildende Einwirkung auf
die heranwachsende Generation u. 2.den Prozeß
der Angleichung des jungen Geschlechtes an
den Kulturzustand der Erwachsenen. M. hält
eine «tiefe, feste autonome Fundierung der Er-
ziehung» für unabweisbarz; er lebt u. Schafft in
der Seelischen Stimmung des päd. Idealisten.
Vor allem sei auf Seine Abhandlungen u. Vor-
träge über «Prüfen u. Klassifizieren» verwiesen.
M.s Frontstellung gegen das herrschende Prü-
füngswesen liefert hier wichtige Beiträge zur
Dispositionspsychologie, auf die die wiss. Päda-
gogik 1. die Erziehungspraxis Sich nach ihm zu
beziehen haben. Der von M. Stammende Begriff
des «Dispositionssystemes» (organisch geglie-
dertes Reich von Dispositionen) zeigt der Er-
ziehungswissenschaft den Zusammenhang zwi-
Schen dem «zentralen Akt der Erziehung» u. den
vielseitigen u. vielfältigen Gebilden der Unter-
richtsfächer. Die planvoll geleitete Erziehung
Schafft organ. Beziehungsverhältnisse in u. zwi-
Schen den Dispositionsgefügen. -- Die Ergeb-
nisSe der DispositionSpsychologie haben in ihrer
päd. Anwendung (neben method. Vorteilen) ihre
Bedeutung auch für Fragen der Begabungsfor-
Schung u. des «Prüfens>», das Einsicht in die
psych. Dispositionen des Gefragten nehmen will.
Martinak - Maschinenbauschulen.

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M.s Schriften : Ein Verzeichnis Sämtlicher von
M. (bis Ende 1918) veröffentlichten Schriften liegt
in der von A. v. Meinong zum 6o. Geburtstage M.s
hrsg. Festschrift vor: Beiträge zur Pädagogik u.
Dispositionstheorie (1919). Zahlreiche Artikel von
M. finden Sich im Handbuch der Erziehungskunde
(hrsg. von J. Loos), im Enzykl. Handbuch der Päda-
gogik(hrsg von W. Rein) u. im Osterr. Staatswörter-
buch. -- Bequem zugänglich gemacht Sind Seine
Arbeiten durch die zu Seinem 70. Geburtstage von
E. Mally u. O. Tumlirz gesammelten u. hrsg. «Psy-
cholog. u. päd. Abhandlungen» (Graz 1929).
Schrifttum: Auf folgende Abhandlungen der
M.-Festschrift 5sei bes. verwiesen: A. v. Meinong,
Aus M.s Leben u. Wirken; A. Höfler, M. als Päda-
gog u. Pädagogiker; R. Meister, Unterrichtsfächer
als Dispositionssysteme. W. Stähler.
Maschinenbauschulen.
Die M. gehören zu den Fachschulen (8s. d.)
für das Metallgewerbe u. haben in der niederen
Form die Aufgabe, die unteren Betriebsbeam-
ten für die Industrie u. die öffentl. techn. Ein-
richtungen heranzubilden (Werkmeister, Tech-
niker usw.). Die 2ö/,. M. Stellen den Nachwuchs
für die mittleren u. leitenden Stellen als In-
genieure, Konstrukteure, Betriebsleiter usw.
Aufgenommen werden Schüler mit ausrei-
chender Werkstattpraxis (für die niederen M. 4,
die höh. 2 Jahre) u. der erforderl. Vorbildung
(bei den höh. M. Obersekundareife oder gleich-
wertige Bildung, die in einer besondern Prü-
fung nach 3jähr. Praxis nachzuweisen ist). Das
Studium dauert bei den niederen M. 4, bei den
höh. M. 3-7 Halbjahre.
Lehrfächer Sind Mathematik u, Naturwissen-
Schaft, darstellende Geometrie u. Maschinen-
kunde mit Laboratorium, Elektrotechnik, Kon-
Struieren, Technologie, Bau- u. Fabrikkunde. --
Als Zerhrkräfte (unzutreffend Studienräte ge-
nannt) wirken in der Regel Diplomingenieure,
die nach ausreichender Praxis zunächst als
Probelehrer angenommen, in den Unterrichts-
betrieb eingeführt u. nach Bewährung plan-
mäßig angestellt werden. -- Der Zudrang zu
den M. 1st Sehr Stark, weil die Industrie die Ab-
Solventen wegen ihrer gründlichen technisch-
wisSenschaftl. Vorbildung, ihrer prakt. Betfähil-
gung für Betriebsfragen u. ihrer pSsychologisch
verständnisvollen Einstellung der Arbeiter-
Schaft gegenüber gern heranzieht.
Die M. haben in der Regel noch besondere
Einrichtungen zur freiwilligen Fortbildung
Strebsamer Facharbeiter für Elektroinstallation,
Schweißtechnik, Motorenkunde usw.; dann
aber auch Vorbereitungskurse für den Späteren
Besuch des Hauptlehrganges. Für den Aufstieg
der Tüchtigen aus der Industriearbeiterschaft
iSt 50 ein S0zIal wertvoller Weg geschafien. =
Schonjetzt ind spezialisierte Metallfachschulen
errichtet, eine Bewegung, die vielleicht künftig
weiter um Sich greifen wird. Künftige Aufgabe
wird aber noch die Erweiterung des Lehrplans

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