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ist P. keine angewandte Ph. im Schlechten Sinne
des populären Begriffes Anwendung. In ihren
zentralen Problemen zs? P. notwendig Ph. Ph.
als Prinzipienwissenschaft, die nach letzten
Gründen Aufgaben u. Prinzipien des Denkens
u. Handelns mit zum Gegenstand hat, ist P.,
insofern Sie Theorie von Aufgaben u. Prinzipien
des Denkens u. Handelns, /ür andere u. durch
andere, muß Sein können.
Schrifttum: M. Ettlinger, Die ph. Zusammen-
hängein derP.der jüngstenVergangenheit u.Gegen-
wart(1925); M. Frischeisen-Köhler, Bildung u. Welt-
anschauung(1921);H.Th. Becker, Das Problem der
P.inder krit. Ph. der Gegenwart(1925); E.Seydl, Die
Parallelbewegung des ph. Denkens u. der päd.
Theorie, in: 5.1.6. Jahrb.des Vereins für christl. Er-
ziehungswissenschaft (1913); G. Grunwald, Die P.
des 20. Jahrh.s (1927). H. Brunnengräber.
Philosoph. Propädeutik u. Philosophie
als Unterrichtsfach.
(ph. = philosophisch, Ph. = Philosophie, PhU. = Philosphiec-
unterricht, P. = Propädeutik.
I. Entwicklung: Ein Problem ist die ph. P.
Seit dem Beginn des 19. Jahrh.sS; in dem Labyrinth
der Strömungen hat Sich die Schule Seither nie
zurecht gefunden. Seit 3. Z. S&verns Schulgesetz-
gebung(1816) wurde ihrjedes Jahrzehnt eineandere
Stellung gegeben. Ihre Bedeutung nahm mit dem
Verfall des ph. Denkens im Laufe des Jahrh.s
immer mehr ab, ohne daß aufmunternde Erlasse
oder das Eingreifen So befähigter Methodiker wie
A. Trendelenburgs Wesgentliches änderten. Eine
erste Erweckung der P. fand unter dem Einfluß
Fr. Pautlsens u. R. Lemans durch die Lehrpläne
von I90I Statt, die auf Logik u. PSychologie zurücKk-
griffen, aber auch die Notwendigkeit einer über-
fach]. Gesamterkenntnis betonten. Die Bestim-
mungen für das höh. Mädchenschulwesen (1908)
Setzten Sodann Sonderstunden für die Behandlung
log., pSycholog. u. eth. Probleme an.
11. Die gegenwärtige Lage: Durch die
Reformen der Nachkriegszeit erhielt die P. in
einigen deutschen Ländern eine zentrale Stel-
lung zugewiesen. Den entscheidenden Schritt
tatdiepreuß. Schulreform von 1925.-- 1. Inden
Preuß. Richtlinien gehört die P. zu den kultur-
kund]. «Kernfächern>, die für alle Schularten
im Mittelpunkte stehen, die Einheit der deut-
Schen Bildung gewährleisten u. die eigentl. Trä-
ger des nationalen Bildungsgutes Sein Sollen.
Ihr wird dabei die Aufgabe zugewiesen, durch
«innerlichste Konzentration» den Zusammen-
Schluß aller Teilftächer zu einer Gesamterkennt-
nis zu bewirken. Damit wird auf den alten
Unterricht in Logik vu. Psychologie verzichtet,
auch eine Einführung in die Geschichte der Ph.
oder eine ph. Systematik abgelehnt, aber eine
Durchdringung aller Unterrichtsfächer mit ph.
Betrachtungen verlangt u. von den freien Ar-
beitsgemeinschaften die Lektüre bedeutender
ph. Schriften gefordert. Dieser Unterricht hat
eine dreifache Zielsetzung, a) eine kulturkund-
liche: der Philosoph Soll als Deuter Seiner Zeit
Philosoph. Propädeutik u. Philosophie als Unterrichtsfach.

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u. Verkünder ihres Lebensgefühls begreiflich
werden; b) eine methodologische: die eindrin-
gende Beschäftigung mit großen Gedanken-
zusammenhängen bedeutender Philosophen
zwingt zu Scharfer Begriffsbildung u. erzieht zu
Vorsicht u. Sorgfalt im Urteilen; c) eine welt-
anschauliche: durch Berührung mit möglichst
vielen Denkern Soll der Schüler eine Vorstel-
lung von der «Mannigfaltigkeit mögl. Weltan-
Schauungen» erhalten u. die Seiner persön]l.
Entwicklungstendenz entsprechende Weltan-
Schauung finden. -- Diese Leitsätze gewinnen
ihren besondern Sinn durch die ph. Grund-
position der Richtlinien, die auf Zegel u. Del/tkey
zurückweist u. die These vertritt, daß keine
Weltanschauung auf Wahrheit im Sinne von
Allgemeingültigkeit Anspruch erheben darf.
Damit ist auch dem PhU. der Normcharakter
der Wahrheit entzogen u. zum Gesgetz der P.
ein ph. RelativisSmus gemacht, der der dunkelste
Punkt der ganzen Reform iSt.
2. In den übrigen deutschen Ländern ist der
P. zumeist eine ähnl. Stellung zugebilligt wie
in Preußen. Sayern kennt an den höh. Schulen
keine P. u. wird voraussichtlich auch keine ein-
führen; der Gesamtunterricht in Verbindung
mit dem Rel.-U. soll die Grundlagen für ein
einheit]. Weltbild schafien. In Sader wird die
P. mit einem andern Fach, oft mit Deutsch,
verbunden. Die method. Anweisungen für
die württemberg. Schulen Sind mit denen der
preuß. Reform verwandt -- ohne deren idealist.
Grundstandpunkt; sie Sind im allg. strafifer,
verlangen vor allem zuchtvolles Denken, Be-
handlung psycholog. Fragen u. von da aus
eine Besprechung von Problemen der übrigen
ph. Teilgebiete. Der Wille zur Systematik
wird ausdrücklich verlangt. Ahnlich fordern
die Lehrpläne ZFZesSsers die Behandlung der
großen, immer wiederkehrenden Fragestellun-
gen der Ph. u. eine Klärung der wichtigsten Be-
griffe, insbes. für UI eine Einführung in ph.
Denken u. in erkenntnistheoret. u. psycholog.
Fragen, für OI eine Beschäftigung mit Meta-
Pphysik u. Ethik. In Oldenburg Sind Lehrgänge
zur Einführung in die Ph. erwünscht; es iSt zu-
lässig, in UI u. OI oder wenigstens in der letz-
teren Klasse eine besondere Stunde für P. an-
zusetzen. Die öszerreich. Schulordnung (1928),
an die ausgezeichnete Tradition von Mezno7rg u.
Höfler anknüpfend, verlangt in je 2 St. für die
beidenAbschlußklassen zu Anfangeine ausführl.
Behandlung der Psychologie, Sodann eine Ein-
führung in Logik, WisSsenschaftslehre, Erkennt-
nistheorieu. die wichtigsten Strömungen der Ph.
TI1. Kritik: Niemand wird bestreiten, daß
die Reformen im ganzen genommen neben
vielen andern Maßregeln u. Anregungen durch
die Befreiung der P. aus ihrer früheren Erstar-
rung einen größeren u. freieren Zug in die höh.
Schule zu bringen bemüht waren. Keine Frage

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