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auch die Rechte der Kirche voll zur Auswirkung
gelangen. Beide Parteien wollen aber auch Eltern-
recht u. Gewissensfreiheit für 2//e Staatsbürger re-
Spektieren. Daher werden Sie das, was Sie für die
Katholiken fordern, andern nicht verwehren. Bei
alier Anerkennung der Tatsache, daß die reichs-
gesetzl. Regelung gewisser Gruppen der S.frage
ihren guten Sinn hat, lehnen Sie eine volle Zentra-
liSierung des S.wesgens aus triftigen Gründen ab.
Sind die Parteien gewissermaßen die offiziellen
Exponenten der SP. großer Volksgruppen, So ha-
ben auch diese Selbst vielfach eine S.bewegung ins
Werk gesetzt, die für die SP. von Bedeutung ist.
Die Zah. S.bewegung hat zur SP. Stellung ge-
nommen in den amtl. Außerungen des Episkopats,
Ger kath. Elternbewegung, die in der Kath. S.orga-
nisation zusammengefaßt 1st, in den Kundgebun-
gen der kath. Lehrer u. Lehrerinnen, anderer kath.
Vereine Sowie der kath. Akademiker u. Gelehrten.
Wie geschlossen diese Bewegung ist, erzieht man
am deutlichsten aus der großen Unterschriften-
Sammlung im Jahre 1921/22, in der von 11061004
wahlberechtigten Katholiken Sich 8696766, also
78,62 */,, offen für die Bekenntnis-S. aussprachen.
Auch auf 2varg. Seite erließen die Kirchenbe-
hörden Kundgebungen, bei denen man aber die
bei den Katholiken vorhandene innere Einheit-
lichkeit vermißte. Vielfach wird die Stellungnahme
durch örtl. Verhältnisse bestimmt. Ahnlich liegen
die Dinge in der evang. E.ltern- u. Lehrerbewegung.
Ganz auf dem Boden des Liberalismus stehen
der Dezutsche Lehrerverein u. der Allgem. Deutsche
Lehrerinnenverein. Die Haltung wird hier durch
Standespolit. Erwägungen versteift. Die Gewekß-
Schaft deutscher Voliksschullehrer zu. -Lkhrerinnen
Stellt Sich geschlossen hinter die Sozialist. SP.
Auch die Hochschullehrer haben zum Entwurf des
Reichsvolksschulgesetzes Stellung genommen ; Sie
war Selbstverständlich nach der verschiedenen
Einstellung Sehr verschieden.
Daß Schließlich die verschiedensten S.vereine
u. kulturellen Organisationen, wie der Pu7rd der
Freien S.gesellschaften Deutschlands, der Bund
entschtedener S.reformer, die Reichsarbeitsgemein-
Schaft der freigeistigen Verbände, der Deutsche
dlonistenbund, der Goethebund usw., die SP. zu be-
einflussen Suchten, zeigt, wie tief die Schulpolit.
Fragen das Volk u. Seine ganze S. aufgewühlt haben.
Schrifttum: Der Kampf um das Reichsschul-
gesetz, hrsg. von W. Offenstein (2 Tie., 1925/28);
W. Offenstein, Die SP. der Sozialdemokratie (1926);
E. Spranger, 25 Jahre deutscher Erziehungspolitik
(?1919);-- Die wissenschaftl. Grundlagen der S.ver-
ftassungslehre u. SP. (1928); W. Rein, SP. (1926);
G. Bäumer, Deutsche SP. (1928); weitere Literatur
Ss. unter Ärt. S.reform. *. Schröteler.
Schulpolizei,
Die Szelbsttätige Mitwirkung der Polizei in
Schulverwaltungsangelegenheiten Setzt ein all-
gemeines polizeil. Interesse voraus. Zur Abwehr
von Störungen der öffentl. Ordnung, Ruhe u.
Sicherheit u. von Gefahren für das Publikum
kann die Polizei aus eigenem Recht eingreifen.
Im übrigen kann Sie nur im Auftrag der zu-
Ständigen Behörden handeln, denen die Ver-
waltung des Unterrichtswesens übertragen ist.
Schulpolizei--Schulpsychologe- Schulrecht.

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Das preuß. Schulpflichtgesetz vom 15. XII,
1927 (GS. 8. 207) Sieht ausdrücklich das Recht
der Schulaufsichtsbehörde vor, bei der zwangs-
weisen Zuführung schulpflichtiger Kinder zur
Schule die Hilfe der Polizei in Anspruch zu
nehmen. Die Anwendung von polizeil. Zwang
ist jedoch auf die Fälle zu beschränken, in
denen alle andern Mittel der Einwirkung auf
das Kind u. die Erziehungsberechtigten er-
SCchöpft Sind. In erster Linie Soll die Hilfe der
Jugendämter u. ähnl. Einrichtungen, nur im
Notfall die Hilfe der Polizei in Anspruch ge-
nommen werden. St. Gildemerster.
Schulpsychologe,
Neuerdings wird zur Unterstützung der See-
liSsSchen Betreuung der Kinder durch den Lehrer
der S. verlangt. Er hat die unter- u. übernormal
begabten oder Schwererziehbaren Kinder zu
untersuchen u. die Lehrer in allen Schwierigen
Unterrichts- u. Erziehungsfragen zu beraten.
Er Soll die psycholog. Probleme der Schulver-
waltung bearbeiten u. durch eigene Forschun-
gen den wisSenschatftl. Ausbau der Jugendkunde
unterstützen. Er Soll kein reiner Fachpsycho-
loge, aber auch kein reiner Schulpraktiker Sein.
Anfangs lehnte ihn die Lehrerschaft einmütig
ab. Die Praxis zeigt aber, daß es Fälle gibt,
deren Untersuchung durch einen Spezialisten
erwünscht ist. Es Sind bes. patholog. Fälle u.
Grenzfälle. Ihre Untersuchung ist zeitraubend
u. kann von dem Lehrer, Selbst wenn er die
PSYycholog. u. psychiatr. Kenntnisse besitzt, ne-
ben dem Unterricht nicht vorgenommen wer-
den. Seit kurzem werden aus individualpsycho-
log. Kreisen AZyzlehungsberatungsstellen für
Schuleu. Elternhaus eingerichtet. Ein Bedürfnis
nach Solcher Beratung Scheint vorhanden zu
Sein. Der 8. muß also psychiatrisch u. tiefenpsy-
chologisch vorgebildet Sein. Die wenigsten
Städte, geschweige denn die Regierungen, ha-
ben einen 3S.n. Je mehr Sich die psycholog. AUS-
bildung der Lehrer hebt, desto geringer wird
das Verlangen nach einem besondern S.n. Ganz
verschwinden wird es aber nie, weil die Ür-
Sachen Seelischer Störungen oft nur von einer
fremden, distanzierten Persönlichkeit erkannt
werden können. Mannheim war die erste
deutsche Stadt, die einen S.n anstellte. Frank-
furt a. M. hat eine Städt. Jugendsichtungs-
Stelle u. eine priv. Erziehungsberatungsstelle.
Schrifttum: W. Stern, Die Jugendkunde als
Kulturforderung (1916); E. Conrad, PSycholog.
Jugendpflege (1926); H. Lämmermann, Von der
Tätigkeit des S.n (1929). FH. Schüßler.
Schulrecht.
[R. = Recht, SR.= Schulrecht.]
1. Begriff u. Umfang: SR. ist der Inbegriff
der Normen, die die rechtl. Verhältnisse des
Schulwesens regeln. Man unterscheidet her-

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