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kömml. Weise die innern Schulangelegenheiten,
die Sich auf die Lehrer u. Schüler, die Unter-
richtsgegenstände u. das Lehrziel erstrecken, u.
die äußern, die die Abgrenzung der Schulbe-
zirke 1. die Gestaltung der Schulverbände, die
Bereitstellung der Schulräume u. Lehrerwoh-
nungen Sowie der Lehr- u. Lernmittel zum Ge-
genstande haben. Die hierfür geltenden Normen
bilden das SR. im objekt. Sinne. Im Subjekt.
Sinne genommen, umfaßt das SR. alle Befug-
niSSe, die auf Grund der Normen des objekti-
ven R.s der Gesamtheit oder den einzelnen zu-
Stehen. Da das R. nur die Aufgabe hat, das
äußere- Gemeinschaftsleben der Menschen zu
regeln, fallen die Normen der Pädagogik u.
Didaktik nicht unter den Begriff des SR.S.
11. Quellen: Als Quellen des SR.s kommen
nicht nur die Gesetzgebungsgewalt des Staates
u. das Gewohnheits-R., Sondern auch das Natur-
R. u. die kirchl]. Gesetzgebung in Betracht. Wäh-
rend die Staatl. Schulgesetzgebung (s. d.) früher
Sache der einzelnen Bundesstaaten war, istdurch
die neue RVerf. die Grundsatzgesetzgebung
über das Schulwesen einschließl. des Hoch-
Schulwesens an das Reich übertragen worden
(Art. 10, 2). Die übrige Gesetzgebung steht den
Ländern zu. Auf Grund des Natur-R.s ist na-
mentl. das Subjekt. R. der Eitern bezüglich der
Erziehung u. Bildung ihrer Kinder zu bestim-
men. Die RVert. hat diesen Grundsatz wenig-
Stens für die Erziehung anerkannt u. unter die
«Grund-R.e u. Grundpflichten der Deutschen»
aufgenommen (Art. 120). Das Kirchen-R. ist
grundsätzlich allein maßgebend bezüglich des
Rel.-U. u. der religi6s-Sittl. Erziehung der kath.
Schüler. Vgl. can. 1372ff. C.LC.: De Scholis.
I11. Die grundlegenden Fragen betreffen
namentlich das Verhältnis der Schule zum
Staate, zur Kirche (5. jeweils d.) u. zu den EZzrzel-
Zersonen (5. Art. Eltern). Den beiden höchsten
Autoritäten (Staat u. Kirche) gebührt als «voll
kommenen Gesellschaften» kraft natürl. R.s
das Aufsichts-R. über die Erziehung u. Bildung
der Kinder. Die unmittelbare Ausübung beider
R.e Steht jedoch in erster Linie den Eitern zu,
weil es Sich um eine private Angelegenheit han-
delt. Nur die Pflege einer nationalen Gesinnung
u. die Erteilung eines Staatsbürgerl. Unterrichts
iSt als primäre Aufgabe der staatl. Gemeinschaft
zu bezeichnen, ebenso die fach]. Ausbildung
der Staatsbeamten. Wofern die erzieherische u.
unterrichtl. Tätigkeit der Eltern oder der von
Ihnen errichteten Privatschulen nicht ausreicht,
muß der Staat dieselbe durch die Gründung
von öffentl. Schulen ergänzen. Der Staat 1st
kraft Seines Aufsichts-R.s über das Schulwesen
auch befugt, einen Cnzerriühtszwang anzuord-
nen, der Sich auf die für alle Staatsbürger not-
wendigen Kenntnisse u. Fertigkeiten bezieht.
Jedoch darf er keinen allgemeinen Schulzwang
vorschreiben, weil dadurch das €rzerrichts-R.
Schulrecht.

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der Eltern beeinträchtigt wird. Noch weniger
1St der Staat nach den Grundsätzen der kath.
Staatsphilosophie berechtigt, ein Sc/zulmonopol
für Sich in Anspruch zu nehmen, weil dadurch
die PrivatSchulen unmöglich gemacht werden,
deren Existenzberechtigung auf den natürl.
Grund-R.en der Eltern beruht. Die religiös-sittl.
Ausbildung u. Erziehung der kath. Jugend un-
tersteht allein der Jurisdiktion der Kirche, die
den Lehrern an den öffentl. Schulen zu diesem
Zwecke die missSio canonica (Ss. d.) erteilt. Die
Lehrpersonen besitzen kein eigenes Subjekt. R,
bezüglich der Schule, Sondern leiten ihre Be-
fugnisse aus dem Auftrag des Staates u. der
Kirche Sowie der erziehungsberechtigten Privat-
personen ab. -- Seit Ig18 ist der Einfluß des
Staates auf das Schulwesen bedeutend verstärkt
worden, uU. zwar auf Kogten der R.e der Eltern
u. der Kirche. Art. 143, Abs. 3, Satz 1 RVerf.
bestimmt, daß für die Bildung der Jugend durch
öffentl. Anstalten zu Sorgen ist. Hiermit 1st der
Grundsatz des primären Staatl. Unterrichts-R.s
ausgesprochen. Nach Art. 144, Satz 1 Steht das
gesamte Schulwesen unter der Aufsicht des
Staates. Ein Aufsichts-R. der Kirche wird nicht
erwähnt. Selbst der Rel.-U. ist gemäß Art. 149,
ADbs. 1, Satz 3 ausschließlich dem Aufsichts-R.
des Staates unterstellt. Die Privatschulen Sind
zwar durch die RVert. nicht völlig verboten,
aber namentlich hinsichtlich des Volksschul-
unterrichts weit über Gebühr eingeschränkt
(Art.147RVerf.). Die Fuldaer Bischofskonferenz
hat daher gegen einzelne Bestimmungen der
Art. 143-149 RVerf. bei der Reichsregierung
Verwahrung eingelegt. S. Archiv für kath.
Kirchen-R., Bd. 99, S. 142 (1919).
IV. Einzelgebiete: Die hauptsächlichsten
Einzelgebiete des SR.s 8ind: 1. die Sc/aulver-
fasSung; 2. die Schulverwaltung, die auch die
Schulaufsicht (s. jeweils d.) in Sich Schließt;
3. die Schulunterhaltung, deren Pflicht den
Schulträgern obliegt; 4. die Unterrichtsgegen-
Stände 1. die Lehrpläne (s. die Art. über die ein-
zelnen Unterrichtstächer, insbes. Rel.-U.); die
Vorbildung u. Anstellung der Lehrer (s. die
Art. Lehrer, -bildung, -fortbildung usw.).
Schrifttum: V. Cathrein, Moralphilosophie
I1 601 ft. (61924, kath.); KR. Riedel, Vom SR.
zum R. der Schule (1924, Sozialistisch); W. Rein,
Schulpolitik (1926); W. Lande, Aktenstücke zum
Reichsvolksschulgesetz (1928); A. Sachse, Grund-
züge des preuß. Volks-SR.s (1926); W. Kühn, SR.
in Preußen (1927); H. Heideloff. Preuß. SR. (1927);
F. Schmidt, Die Bad. Volksschule (*?1930f.); H.
Meinzolt, Bayer. Volksschul-R. (1926); G. Louis,
Städt. SR. u. inneres Leben der höh. Schule (1918);
G. Monti, La liberta2 della Scuola. Principii, Storia,
legislazione cComparata (Milano 1928); W.Vorbrodt
u. K. Herrmann, Handwörterbuch des ges. SR.sS
u. der Schul- u. Unterrichtsverwaltung in Preußen
(1930); vgl. die Darstellungen über das Unterrichts-
wesen im In- u. Ausland. NV. Filling.

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