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Straktion nur auf Grund einer vollständigen, im
Ergebnisklaren S.esanschauung, durch «Arbeit
am anschaul. Gegenstand» (O. Scheibner) voll-
zogen werden darf. Dazu ist die Erarbeitung
des der betr. Klasse von Gegenständen ent-
Sprechenden Arbeitsverfahrens, das die Tech-
nik der Sinnl. Erfassung in Sich schließt, ertor-
derlich. Dem Sinn der Arbeitsschule wie der Be-
deutung formaler S.esschulung entspricht es,
wenn der Gebrauch der S.e u. ihrer natürl.
Hilfsmittel der Verwendung künstl. Hilfsmittel
voraufgeht. Diese Forderung gilt auch für die-
jenigen Gebiete, in denen die «Arbeit am dar-
zustellenden Gegenstand» zu leisten ist. So
muß im gebundenen Zeichnen die Faustskizze der
exakten Zeichnung, im Werkunterricht die freie
Maßskizze der Werkzeichnung, das Schätzen
dem Messen voraufgehen. Der Bedeutung des
analyt. Sehens für das prakt. Leben wie für die
geistige Arbeit entspricht nicht die im heutigen
Zeichenunterricht oft beobachtete Vernachlässi-
gung des e7Schernungstreuen Zeichnens nach dem
Gegenstande u. aus dem Gedächtnis gegenüber
dem frei gestaltenden Zeichnen auch aut den
oberen Stufen. Der Werkzunterrickt (s. d.) bietet
Gelegenheit zu lebenswichtigen u. bildungs-
trächtigen Erfahrungen des Tast-S.es für Sich u.
in Verbindung mit Erfahrungen des Gegichts-
S.es, die in andern Unterrichtsfächern nicht
gewonnen werden können.
Schrifttum: Außer den allg. psycholog. Lehr-
büchern von W. Wundt, H. Ebbinghaus, J. Fröbes,
J]. Geyser, O. Külpe, J. Lindworsky: J. K. Holz-
amer, Der Begriff des S.es, entwickelt im Anschluß
an das «Irreale S.gebilde» bei H. Rickert, in:
Philos. Jahrbuch der Görres-Gesellschaft, Bd. 43,
S. 337 (1930); W. Wirth, Psychophysik (1912);
E. Hering, Grundzüge der Lehre vom Licht-S.
(4 Lfgen., 1905/20); D. Katz, Der Aufbau der Farb-
welt (* 1930); -- Der Aufbau der Tastwelt (1925);
C. Stumpf, Tonpsychologie (2 Bde., 1883/90);
N. Brühl, Die spezif. S.esenergien nach Joh. Müller
im Lichte der Tatsachen (191 15); KR. Bühler, Über
die Deutung des Weberschen Gesetzes, in: Die
Naturwissenschaften, Jhrg. 7, S. 456 (1919); --
Die Gestalt-W.en 1 (1913); - Zeit-S. u. Raum-S.,
in: Handwörterbuch der Naturwissenschaften,
hrsg. von E. Korschelt u. a. (1913); L. Martin,
Über ästhet. Synästhesien, in: Ztschr. für Psycho-
logie, Bd. 53 (1909); J. Lindworsky, W. u. Vor-
Stellung, ebd., Bd. 80 (1918); K. Jaspers, Allgem.
Psychopatholog ie (21923); Handbuch der Geistes-
krankheiten, hrsg. von Ö. Bumke (1928 ff.); A. Mes-
Ser, E. u. Denken (* 1928); W. Peters, Die Ent-
wicklung von W.sleistungen beim Kind, in: Ztschr.
für Psychologie, Bd. 103, S. 181 (1927); A. Völker,
Gesichts-S. u. Gestaltungskraft, in: Ztschr. für
Deutschkunde, Jhrg. 40, S. 547 (1926); A. E. Brink-
mann, Erziehung des Raum-S.es, ebd., S. 39; M.
Fack, Über S.eSübungen, in: Die Arbeitsschule,
Jhrg. 42, S. 311 (1928); K. Stern, Aus der Arbeit
eines Kinderklubs, in: Die Erziehung, Jhrg. 6,
S. 467 (1931). S8. auch die Art. Anfangsunterricht,
Anschauung, Arbeitsschule, Beobachten, Hand-
betätigung u. Werkunterricht. +7. Winkel.
Sittlichkeitsvergehen.

964
Sittlichkeitsvergehen
an u. von Schülern.
[S. = Sittlichkeitsvergehen, Sch. = Schüler.)
1. Begriffliches: S. in gewöhnl. Sprachge-
brauch Sind Verfehlungen im geschlechtl. Ver-
halten, Soweit es in Seinen innern u.äußern Akten
gemäß dem Sittengesetz auf die Fortpflanzung
des Menschengeschlechts in der Ehe hinge-
ordnet ist. Die Verletzung dieser Ordnung wird
mit Cnszttlichkeit oder Unkeuschheit bezeichnet.
II. Statistiseches: Die Unzulänglichkeit
jegl. Statistik (s. d.) liegt in der Natur der Ver-
gehen, die der intimsten Sphäre des mensch]l.
Verhaltens angehören. Scham, Furcht, Rück-
Sichtnahme, Abhängigkeit wirken hemmend
aut die Veröffentlichung der S. Verantwortung
dem Sittengesetz u. damit Seinem Urhebergegen-
über vermag das geschlechtl. Verhalten aut das
nachhaltigste zu beeinflussen, was Sstatistisch
nicht erfaßt werden kann.
III. Die Vergehen von Zrwachsenen an
Sch.n u. Sch.innen Sind häufig aut geschlecht]l.
Überempfindlichkeit zurückzutühren als Folge
von exzessiver Onanie, andern Sexuellen Ab-
wegigkeiten u. krankhaften Veränderungen des
Gehirns, der Geschlechtsorgane, der Iinner-
Sekretor. Drüsen u. des Nervensystems (s. Art.
Geisteskrankheiten). So beruhen S. von Greisen
meist auf Dhysiolog. u. geistiger Minderwertig-
keit, wie auch bei Alkoholikern (s. d.) Urteils-
u. Getühlsstörungen, bei Taubstummen Aus-
Schaltung wichtiger Sinne die eth. u. gesell-
Schaft]. Einstellung erschweren. Psycholog.
Bedingungen vieler S. von Erwachsenen sind
vermutete körperl. Unversehrtheit des Sexual-
objekts, Hoffnung auf Nichtanzeige bei S. an
jüngeren Sch. u. Sch.innen, Berechnung auf
deren Unerfahrenheit u. das Ausbleiben von
Folgen bei geschlechtl. Mißbrauch. Dazu kom-
men äußere Einflüsse (Milieu), bes. in den
Großstädten, wo Straßendirnen die frühzeitige
Vertührung von Sch.n u. ihre Ansteckung mit
Geschlechtskrankheiten (s. d.) verursachen, wo
in der Nähe von Mädchenschulen perverse
Zoptabschneider u. Kleiderdiebe Sich aufhal-
ten, an ofien gelegenen Spiel- u. Turnplätzen
Pornoskopen Sich im Betrachten des Sexual-
objekts geschlechtlich befriedigen, Exhibitio-
nisSten u. Homogexuelle (s. Art. Geschlechtl.
Irrwege) Sich in Bedürtnisräume der Schulen
einschleichen. Außerdem werden Zoten u. ge-
Schlecht]. Aufklärung in Schrift u. Bild ver-
breitet, unsittl. Andeutungen zugeruten. Bei S.
von Künstlern kann das Objekt ihres künstler.
Formsinnes, der Jüngling, zum Gegenstand
Ihres geschlechtl. Verlangens geworden Sein.
Mit S. von Arzten an Sch.n u. Sch.innen ist
ebenso zu rechnen wie mit Homosexualität u.
Sadismus bei Lehrern u. Erziehern in Schulen,
Internaten u. Erziehungsanstalten.

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