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fen in ihr um Recht tür ihre Ideen u. Bestre-
bungen. Die Partei verlangt als «Gewissens-
angelegenheit des einzelnen Menschen» Ach-
tung vor der «religiöSen Gesinnung u. Ent-
Scheidung», g gewährt aber der Religion 1. erst
recht einer Kirche als Solcher keinen Einfluß
auf kulturpolit. Gestaltung. Im besondern Soll
die Schule «weltlich» werden als «Volks-,
Berufs- u. Hochschule», d. h. «jede öffentlich-
rechtl. Einflußnahme von Kirche, Religions-
u. Weltanschauungsgemeinschaften auf diese
Einrichtungen» ist laut Parteiprogramm «zu
bekämpfen». Die konfessionslose, welt]. Schule
erteilt einen bekenntnisfreien, lediglich reli-
gionsgeschichtl. Unterricht, weil nach dem gel-
tenden idealist. Kulturbegriff Religion eine
Kulturerscheinung des geschicht]l. Menschen-
lebens ist. Die Schule umfaßt die gesamte
Jugend vom 4.--18. Lebensjahre («Einheits-
Schule») u. Soll in der Entwicklung des Unter-
richts die Arbeit in den Mittelpunkt stellen, um
So einen Einblickin den Wirtschaftsprozeß zu ge-
währen. Die Anklänge an die Produktionsschule
der «Entschiedenen Schulreformer» (Siehe jew.
d.), denen jedoch die Sozialdemokrat. Schul-
politik nicht entschleden genug war, Sind deut-
lich, wieauch dieNachwirkungen des Marxschen
ersichtlich Sind, eine Anthropologie, die Schon
die klassisch-bürgerl. Nationalökonomie ihrem
zweckhaften Denken zugrunde gelegt hatte.
Die /zädd. Grundidee des «vergesellschafteten
Menschen» überträgt Somit das Recht der Er-
ziehung der Gesellschaft (heute: dem Staate);
Eitern u. Kirche ist das Alitbestimmungsrecht
über Schule u. Erziehung entsprechend dem
zentralist. Gesellschaftsideal entzogen. Die
heute dem christlich-abendländ. Personalismus
entgegengehaltene Idee vom «kollektiven Men-
Schen» ist die Kulturideologie, die Sich über
dem Soziolog. Faktum menschl.-geschicht].Ver-
gesellschaftung erhebt. Im tiefsten hat die öko-
nom. GeschichtsauffasSung hier mehr als histor.
Forschungswert; Sie enthüllt Sich in diesen Kul-
turforderungen als MetaphySsik. So geht es zu-
jetzt um den Kampf der Weltanschauungen
gerade auch zwischen dem Kutltur-S. u. einer
gottgläubigen Menschbetrachtung, die aus
dem Glauben des in der kirchl. Heilsgemein-
Schaft wurzelnden Menschen, nicht aber von
der «Gesgellschaft?» her den Aufbau menschl.
Gemeinschaftslebens u. die Erziehung zu ihm
als aus einer der tiefsten gesellschaftsbildenden
Mächte mitvollziehen will. Daß auch eine Solche
Erziehung die jeweilig konkrete Situation der
gesellschaftl. Wirklichkeit Sehen muß u., will
Sie zeitberufen Sein, nicht mit zeitlosen Sozial-
idealen utopistisch 'Sich zufrieden geben wird,
Sollte um So Selbstverständlicher Sein, je tiefer
die Ehrfurchtvordem Gott der in der Gegenw art
SICh vollziehenden Geschichte gewurzelt ist.
Sozialpädagogik u. Sozialerziehung.

978
Sozialist. BildungsorganiSationen : Verband der
Soztaldemoßrat. Studenten Deutschlands u. Oster-
reichs, die Vereinigung der 5. Intellektuellen, die
Freien Gewerkßschaften, Arbeiter-, Turn- u. Sport-
bund, Touristenverein Die Naturfreunde u. die
Spitzenorganisation Sozzallst. Kulturbund; über
ihre Jugendgruppen u. -arbeit vgl. 2 Breitenstein,
in: Schule u. Erziehung, Jhrg. 19, H. 2 (1931). --
Über die 4 rbeitsgemeinschaft Sozialdemobkr at. Lelt-
rer u. Lehrerinnen Deutschlands vgl. Art. Lehrer-
vereine u. über Ä7uderfreundebewegung Siehe d.
Schrifttum: Über Farr u. Engels Idee
des vergesellschafteten JWenschen vor allem die
Schriften des Nachlasses (hrsg. von Fr. Mehring),
die jedoch wesentlich vermehrt u. in treuerer
Wiedergabe in der im Erscheinen begrifienen
Moskauer Gesamtausgabe (auch deutsch) ein-
zusehen Sind. -- A//gemeine Übersickt u. Kritik
vom ati. Standpunkt: D. Breitenstein, Die Er-
ziehungsbewegung (1930. -- Vom S. Standpunkt:
M. Adler, Neue Menschen (* 1926); F. Kanitz,
Kämpfer der Zukunft (1929); K. Korn, Die Ar-
beiterbewegung (1924); O. Rühle, Das proletar.
Kind (6.= 10. Tsd., 1922); H. Schulz, Die Mutter
als Erzieherin (* 1926). =- Ethischer u. Kutltur-S.
A. Kranold, Die Persönlichkeit im S. (1923); --
Zwang u. Freiheit im S. (1925); -- Vom eth. Ge-
halt der s. Idee (1930); H. de Man, Zur PSsycho-
logie des S. (3.--5. Tsd., 1927); -- Die Intellek-
tuellen u. der S. (1926); = Antwort an Kautsky
(1927); -- Der S. als Kulturbewegung (4.--6. Tsd,
1929); G. Radbruch, Kulturlehre des S. (21927).
--- Religiöser S.: G. Dehn, Die religiöSe Gedanken-
welt der Proletarierjugend (*1926); E. Heimann,
Die sittl. Idee des Klassenkampfes (1926); -- So-
ziale Theorie des Kapitalismus(1929/; C. Mennicke,
Der S. als Bewegung u. Aufgabe (1926); -- Das
Problem der sittl. Idee in der marxist. Diskussion
der Gegenwart (1927); P. Piechowski, Proletar.
Glaube (* 1929); G. Soecknick, Religiöser S8. der
neueren Zeit (1926); P. Tillich, Religiöse Verwirk-
lichung (1929); =-- Religiöser S., in : Die Religion
in Geschichte u. Gegenwart V (* 12 31); G. Wünsgch,
Evang. Wirtschaftsethik (1927); S. aus dem Glau-
ben (1929). -- Die Zeitschriſten : "Blätter für relt-
giögen S. (1920/27); Religion u. S. (Seit 1929);
Neue Blätter für den 8. (Seit 1930); Das Rote Blatt
der kath. Sozialisten (1929/30,. -- Die Sz2tl. zu. relig.
TZdeenwetlt des S. in kath. Beurteilung - H. Mertens,
Kath. Sozialisten (1930, Verf. ist «kath. Sozialist»);
A. Pieper, Kapitalismus u. S. als Seelisches Problem
(1924); Th. Steinbüchel, Ders. als sittl. Idee (1921); 3;
-- Die Philosophie F. Lassalles, in : Synthesen in
der Philos. der Gegenwart, hrsg. von E. Feldmann
u. M. Honecker (1926); -- Das Problem Religion
u. S., in: Akad. Bonifatiuskorrespondenz, Jhrg. 42
(1927); - KRK. Marx, Gestalt u. Ethos, in : Der Mor-
gen, Jhrg. 4 (1928). -- Vgl. noch W. Rein, Marx
oder Herbart (192.4 Th. Steinbiichel.
Sozialpädagogik u. Sozialerziehung.
!E. = Erziehung, P. = Pädagogik, SP. = Sozialpädagogik,
SP. =502ialpädagogisch.]
1. Begriff: Unter SP. versteht man die Lehre
von der E. des einzelnen zu sittl. Sozialem Ver-
halten. Die sittl. Gestaltung des Sozialen Lebens
ist das Ergebnis dieser E. Unberechtigt ist da-
:' her der häufige Gebrauch des Terminus SP.

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