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bis 28. IX. 1929, hrsg. von R. Meister (1930);
W. Vorbrodt u. K. Herrmann, Handwörterbuch
des gesamten Schulrechts u. der Schul- u. U.s-
verwaltung in Preußen (1930); M. Kessgelring,
Arbeitspsycholog. Erhebungen zur Theorie des
SP.s, in: Ztschr. für päd. Psychologie, Bd. 16,
H. 12 (1915); vgl. ferner die Art. über die verschie-
denen Schultypen u. die beigegebenen S.ntafeln.
P. Dirfjang.
Suggestion.
1. Begriff u. Wegen: Unter S. versteht man
die Seelische BeeinflussSung eines Menschen
durch einen andern. Ganz allgemezn Stellt Sie
also eine Grundform zwischenmenschl. Bezie-
hung dar («Wir-Du-Erlebnis»). Im desondern
Falle geht von einem Menschen (Szuggestor) auf
einen andern eine Solche (beabsichtigte oder
unbeabsichtigte) Wirkung aus, daß dieser Sich
in Seinem Denken u. Fühlen, in Seiner Einstel-
lung, Seinem Wollen oder Handeln im Sinne der
ceingegebenen» Richtung oder Aufgabe ändert.
11. Bedeutung: Wir alle unterliegen stän-
dig S.Swirkungen, ohne uns dessen bewußt zu
werden. Von uns gehen aber auch ständig S.en
aus, U. dessen Sind wir uns meist noch weniger
bewußt. S. ist eine Voraussetzung für jede Er-
ziehung, u. der geschickte Erzieher wird Sich
ihrer oft mit großem Nutzen bedienen, wird
vor allem der lebendigen Suggestiven Wirkung
Seiner Worte u. Handlungen Stets eingedenk
Sein müssen. -- Der Grad der Beeinfluß-
barkeit (Suggestbilrtät) ist individuell Sehr ver-
Schieden. Da Ansprechbarkeit u. Anpassungs-
fähigkeit Voraussetzung ist, nimmt Sie mit höh.
Alter ab. Entsprechend ist sie in der Jugend
groß. Mit der Pubertät erfolgt hier eine quali-
tative Verschiebung. Der bewußten Aufleh-
nung gegen Suggestive Führung durch die bis-
herigen Erzieher (Eltern, Lehrer usw.) Steht
eine Starkesuggestive Abhängigkeit von Führer-
naturen als Trägern Spannungliefernder Ideale
gegenüber. Die Erotisierung der Jugendlichen
führt zu weiterer einseitiger Suggestiver «Blick-
teldverengung». Über bewußt ausgeübte S. in
der Heilbehandlung s. die Art. Hypnose, Psy-
chotherapie. -- Große Bedeutung kommt der
Massen-S. bei Revolten, Sexuellen Verseuchun-
gen, passiver Resistenz u. ä. zu. Die größte
Gefahr droht dem haltlosen Psychopathen, den
die Suggestive Wirkung einer gefährl. Umge-
bung den Weg des geringsten Widerstandes in
den Abgrund führt. Prophylaktisch genügt es
nicht, die Ursache Schlechter 8. zu beseitigen;
der Erzieher muß vielmehr an ihre Stelle im
günstigen Sinne wirksame S. Setzen.
Schrifttum: E. Straus, Wesen u. Vorgang der
S. (1925); G. Stieler, Person u. Masse (1929); R.
Schinzinger, Freiheit u. S. in der Erziehung, in;
Vierteljahrsschr. für wiss. Päd., Jhrg. 7, S. 1-23
(1931); W. Stern, Psychologie der frühen Kindheit,
Rap. 32 (* 1930); s. auch Schrifttum bei Art. Hyp-
n0Se. PB. Legewie.
Suggestion -- Symbol -- System der Pädagogik.

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Symbol.
Der menschl. Geist hat die Tendenz, Ab-
Straktes, Unanschauliches, Übersinnlichesdurch
Sinnbilder anschaul. Art (S.e) auszudrücken.
Für Religion, Kunst, Wissenschaft ist das S.
von jeher unentbehrlich gewesen. Es muß da-
her im Hinblick auf Verstehen u. Aufnahme
dieser Kulturgebiete als ein wichtiger Erzie-
hungsfaktor angesehen werden (Volkserzie-
hung, Volksbildung). Leider besitzen wir weder
über diese allgemeine, noch über die Spezielle
päd. Bedeutung des S.s eine zusammenfassende
Darstellung. -- Für die geistige Entwicklung
des Kindes 1st das Erwachen des S.dezwu/Jt5e2ns
von außerordentl. Bedeutung. Während vorher
der vom Kind geäußerte Lautkomplex Aus-
druck der Gefühle u. Vorstellungen war, ge-
winnt er jetzt S.wert, d.h. das Kind meint jetzt
mit den Lauten Gegenstände. Diese Einsicht
in das Verhältnis von Zeichen u. Bedeutung
legt die psych. Grundlage für die kindl. SpacAt-
entwicklung (Ss. Art. Sprache). Die Folge ist
eine plötzlich einsetzende Zunahme des Wort-
Schatzes u. der Fragelust. Auch die kindl. Phan-
tasie (s. d.) bleibt durch das Erwachen des S.-
bewußtseins nicht unbeeinflußt. Ganz einfache
Gegenstände der Außenwelt bieten Symbol.
Anknüpfungsmöglichkeiten, werden zum Aus-
gangspunkt für ein reich entwickeltes P/!ar/asze-
Spzel (Spazierstock ; Reitspiele, Füttern, Pflege
des Pferdes usw.). Im Zusammenhangdamitsteht
die erste Stufe des Sinnvollen Zezeanerns beim
Kinde, in der es Sich um eine Art Symbolmäß.
Zeichnens handelt (Schemazeichnen, s. Art.
Kinderzeichnen). Nach CZ. Sükler Steht die
frühkindl. Entwicklung unter dem besondern
Zeichen Symbolhaften Erlebens u. Handelns.
Viel erörtert wird neuerdings die S.//eorze der
psychoanalyt. Richtung. S. Freud behauptet in
Seiner Lehre von der infantilen Sexualität, daß be-
reits beim Kleinkind das unbewußte Triebleben se-
xUual-erot. Charakter habe; infolgedessen handle es
Sich bei den kindlich-jugendl. Phantasie- u. Traum-
vorstellungen um Sublimierungen bzw. Maskierun-
gen Sexual-erot. Momente, also um Sexual-S.e, die
durch Deutung (Psychoanalyse) ihre ursprüngl. Se-
xual-erot. Wesenheit wieder enthüllen. Die ernste
psSycholog. Forschung hat diese Übertreibungen,
wie Sie vorallem von den Epigonen Freudsteilweise
in ganz krasser Weise behauptet wurden, fast aus-
nahmslos abgelehnt (vgl. Art. PSychoanalyse).
Schrifttum: W. Stern, Psychologie der frühen
Kindheit (* 1930); H. Hetzer, Die symbol. Darstel-
lung in der frühen Kindheit (1926); Ch. Bühler,
Kindheit u. Jugend (*1931); H. Worch, S. u. Er-
ziehung (1927). A. Kießling.
System der Pädagogik,
S. (griech. wvoTnug = Zusammenstellung)
will eine Mannigtaltigkeit von Begriffen, Er-
kenntnissen u. Denkbestimmungen aus einem
Grundprinzip heraus nach einem e?nfezitl. Be-

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