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gründungszusammenhang zu einem in Sich ge-
gliederten, innerlich /ogisck verbundenen u. Sac2-
lich begründeten Lehrgebäude aufbauen.
A. Möglichkeit: Gegen die Möglichkeit
eines S.s u. eines pädagogischen im besondern
werden zahlreiche Einwände erhoben : Im In-
teresse der Wissenschaftlichkeit wird vor allzu
Schnellem Fertigmachen gewarnt. Vielen Scheint
es unmöglich, die Fülle u. den Reichtum päd.
Gegebenheiten in das enge Netz Systemat. Den-
kens einzufangen. Andere wollen glauben ma-
chen, daß in der Bewegung, nicht in der Er-
Starrung zum S. die WisSenschaft lebt. Endlich
aber erscheint den meisten gerade die Gegen-
wart, wo alles im Flusse 1st, als der ungeeignetste
Zeitpunkt für die Aufstellung eines S.s. Gegen-
über diesen lediglich ye/atzlver Einwänden kann
die Möglichkeit eines S.s g/undsätzlick nur be-
Streiten, wer der Pädagogik den Wissenschafts-
charakter aberkennt (s. Art. Pädagogik).
Freilich kann der Systematiker als historisch-
psSychisch bedingtes Individuum nicht hoften,
dietheoret. Formung eines So reichen u. mannig-
faltigen Stoffes in jeder Hinsicht abzuschließen ;
insofernistdas Ideal eines offenen S.s(H.Rickert)
aufzustellen, das wohl noch Raum für weitere
wisSenschaft!l. Ergänzungen u. Vervollständ-
gungen läßt. -- In der Natur des Gegenstandes
ist es begründet, daß das ganze S. nicht ein-
fach wie 2. B. im mathemat. Denken Sich rein
deduktiv ergibt, Sondern auch in ständiger
Fühlung u. Zwiesprache mit dem päd. Leben
induktiv (s. Art. Theorie u. Praxis) erwächst
(Methode der päd. Forschung).
B. Notwendigkeit: Die Erziehungswissen-
Schaft muß nach einem S. Suchen: Denn nur
mit Hilfe eines 3.5 lassen Sich die vorwissen-
Schaft]. u. außerwissenschaft]. Meinungen prü-
fen, durch wissenschaftl. Erkenntnisse überwin-
den u. ersetzen. Erst das S. gliedert die Sonst un-
übersehbare Mannigfaltigkeit u. verwirrende
Buntheit der Tatsachen u. Probleme u. machtes
dadurch erst möglich, Sich in ihrem Chao0s zu-
rechtzufinden. Durch das Streben nach Syste-
mat. Vollständigkeit gewinnen wir die Weite des
Gegichtskreises, die für das Nachdenken über
päd. Fragen in ihrer Totalität nicht entbehrt
werden kann. Nur die universal-Systemat. Be-
trachtung befreit von der Beschränktheit des
Standpunktes, hilft uns eine ungesunde spezial-
wissenschaft]. Einstellung überwinden, wendet
die Gefahr des Relativismus, einer Verengung
des Horizontes u. geistiger Erstarrung ab, läßt
uns erst nach allen Seiten gehen u. in der Be-
ziehung der vielen Elemente u. Teilgebiete auf-
einander das vollendete Ganze Sehen. -- Den
fragmentarischen u. aphoristisch gerichteten
Strömungen der Zeit 5zind die Umrisse eines
S.5 entgegenzustellen. Bildungs- u. Erziehungs-
ardeit u. die Eintührung in dieselbe kann nicht
SO lange aussetzen, bis die einzelnen Gebiete
System der Pädagogik.

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restlos geklärt u. die Vertreter verschiedenster
Richtungen Sich zusammengefunden haben.
C.Versuch eines Systems: Dieherkömm].
Einteilung der Erziehungswissenschaft in Zke20-
ret., brat. u. histor. Pädagogik genügt nicht. -- W.
Rein kommt, im wesentlichen von der Herbartschen
Psychologie ausgebend, zu folgender Gliederung:
Pädagogik
IZ hiStorische
TReore SE praktische
ne AZ
Unterrichtsjehre FünrFunogtehre
Zuchtiehre Regler ungs iehre
R. Locjkner Schlägt folgende Einteilung der ge-
Samten Erziehungswissenschaft vor:


tEerziehungswisSenschaft]
- allgemeine Spezielle
fe AE willen Dia
prägentielte histariscne 1.e.8, teleologisSche methedolcgische
Die Mannigfaltigkeit päd. Erscheinungen ordnet
O. Willmann nach Bildungs32weck, Bildungsinhalt,
Pildungsarbeit, Bildungswesen, E. Spranger unter
den Gesichtspunkten: Szldungsideal, Bildsamkgeit,
Bildner, Bildungsgemeinschaft. -- E. Krieck, G.
Kerschensteiner u. Tk. Litt arbeiten im wesent-
lichen bei Systemat. Ortsbestimmung mit den Be-
gnffen S:ldungsideal, Bildungsgut. Bildungsvor-
gang uv. Bildungsmetfiode. = A. Fischer gliedert
den Stoff im eine Phänomenologie, Morphologie,
Teleologie, Metkodologie der Erziehung u. Orgar-
Sations- u. Verwaltungslehre des Erziehungswesens.
Am Anfang jeder Stoffgliederung innerhalb
der Erziehungswissenschaft u. dem formalen
Aufbau jedes päd. 38.5 Steht die Klärung grund-
legender Begriffe (Wesen, Sinn, Möglichkeit,
Grenze der Erziehung, Analyse des päd. Aktes
u. ganzer Aktgefüge), die die Herausarbeitung
der wesentl. Momente, der konstitutiven u.
Strukturellen Merkmate u. ihre gesetzmäßigen
Beziehungen an gegenwärtigen, histor. oder nur
fiktiven päd. Gegebenheiten erstrebt, Fragen-
komplexe, die 4. Fascher unter einer Phäno-
menologie der Erziehung zusammenfaßt.
Gegenstand der Erziehungswissenschaft (FZ-
dagogik) ist die Erziehung des Kindes (Fäda-
gogie). Die Erziehung ist uns einmal als Tat-
Sache gegeben (des&riptive Pädagogik) u. dann
als Forderung aufgegeben (zormative Pädago-
geR). Weil es Sich um Tatsachen handelt im
Hinblick auf Forderungen u. umgekehrt, ge-
hören beide engstens zusammen. Dabei 1st die
Sehr wichtige Des&rzption, Soll Sich die Päda-
gogik als eigene Wissenschaft der Kulturphilo-
SOphie gegenüber behaupten, nur Mittel zum

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