1073
S.S Interessen galten der Organisation u.
ideellen Vertiefung des Lehrerstandes. In Kat-
towitz gründete er den Verem gatßt. Erziehungs-
wisSenSChaft (Später Kath. Päd. Verein); er iSt
Mitbegründer des Verbandes kath. Lehrer
Schlesiens, Später der gleichen Organisation
für ganz Preußen; Mitbegründer u. Mitarbeiter
der Kath. Schulzeitung tür Norddeutschland,
Schöpfer der Lehrerwitwen- u. Lehrerwaisen-
Unterstützungskasse des Verbandes kath. Leh-
Tagebuch -- Tatpädagogik u. Taterziehung.

1074
rer Oberschlegilens. Als Mitglied der Weimarer
Nationalversammlung u. insbes. des Schulaus-
Schusses im Deutschen Reichstage vertrat er in
wertvoller Arbeit die kath. Erziehungs- u. Schul-
interessen. AIS poln. Staatsbürger wurde er der
Selbstlose u. unerschrockene Führer der deut-
Schen Minderheit, deren Rechte auf religiöSgem,
Sprachl. u. polit. Gebiet er Stets verteidigt hat.
Sein großes Werk 1st die Gründung des Verban-
des deutscher Katholiken in Polen. Z. Fraz.
1T
Tagebuch.
(T. = Tagebuch, J]T.=Jugendtagebuch.]
1. Das kinderpsycholog. Tagebuch ent-
hält die Aufzeichnungen von Eltern u. Sonsti-
gen Personen über die Spontanen u. reaktiven
psycholog. Außerungen einzelner Kinder, u.
zwar auf Grund von möglichst vielseitigen u.
kontinuierl. Beobachtungen. Die Auswertung
Solcher Sorgfältig getührten kinderpsycholog.
T.er hat Seit /. Preyer (1882) in der Kinder-
psychologie (s. d.) eis Methode (auch 820grap;.
Methode genannt) große Bedeutung erlangt.
Wichtig ist bei ihrer Handhabung die strenge
Scheidung zwischen Beobachtung des äußern
Tatbestandes u. der Deutung.
IL. Das Jugendtagebuch benutzen manche
Forscher, angeregt durch CZ. Sükler, Seit etwa
1 Jahrzehnt mit Erfolg als Quelle für die Er-
kenntnis der psycholog. Reitung des Jugend-
lichen (s. Art. Jugendpsychologie). Das JT. ent-
hält Selbstdarstellungen jugendl. Erlebens, die
in der Regel mit der dem Pubertätsalter eigenen
Wendung zum Ich u. der dadurch bedingten
Neigung zur Selbstreflexion beginnen. Wir fin-
den es durchweg nur bei der geistig höher ste-
henden Jugend; die Arbeiterjugend hat aus
naheliegenden Gründen Selten Bedürfnis u.
Möglichkeit zur Führung eines T.s. Die /syc/20-
log. Auswertung iSt abhängig vom Quellenwert
des JT.s. Nicht jedes JT. ist ein getreues Abbild
der Seelischen Entwicklung desVertassers: über-
Starke Eitelkeit des Jugendlichen, die Furcht
oder Hoffnung, daß das T. nicht geheim bleibt,
Können absichtl. Fälschungen, der Mangel an
Beobachtungsfähigkeit u. schriftsteller. Bega-
dung auch unabsichtl. Fehldarstellungen der
PsSycholog. Vorgänge bewirken u. nötigen daher
zu krit. Vorsicht bei der Auswertung, wie über-
haupt die Deutung u. Auswertung des JT.5s pSsy-
cholog. Schulung voraussetzen. Der Vorzug des
echten, aus innerem Drang u. ohne alle Pose
geschriebenen JT.s liegt darin, daß es einen
Einblick in die feineren u. intimeren Entwick-
lungsverläufe gibt u. ein geschlossenes Bild der
Gesamtpersönlichkeit vermittelt. Dem Jugend-
lichen gegenüber erfüllt das JT. auch eine pd.

Aufgabe: es führt ihn zur Klärung Seiner Pro-
bleme, gibt ihm Erleichterung u. Entspannung,
ermöglicht ihm Rückblicke aut Erlebnisse,
nötigt ihn zuweilen zu einer Prüfung der Er-
folge Seiner Selbstgestaltungsversuche u. damit
zur Selbsterziehung.
11. Das päd. Tagebuch enthält in Einzel-
zügen die persönl. Beobachtungen u. Erfahrun-
gen des Lehrers während u. nach Seiner Berufs-
arbeit, läßt den päd. u. pSycholog. wertvollen Be-
dingungen u. Zusammenhängen nachspüren,
vertieft die Lehrerarbeit nach der wissenschaft].
u. berufseth. Seite u. ist eine kaum entbehrl.
Quelle für den Tätigkeitsbericht zur 2. Prüfung.
Schrifttum: W. Preyer, Die Seele des Kindes
(* 1923); W. Stern, Psychologie der frühen Kind-
heit (8 1930); E. Kawohl, Die kindl. Frage (1929);
2 Mädchen-T.er, hrsg. von Ch. Bühler (* 1927);
2 Knaben-T.er, hrsg. von Ch. Bühler (1925); Ch.
Bühler, Das Seelenleben des Jugendlichen (* 1929);
O. Kupky, Das T. von Jugendl. als Quelle, in:
Päd.-psycholog. Arbeiten, Bd. 13(1924); W. Stern,
Anfänge der Reifezeit (*? 1929); J. Rust, Das päd.
T., in: Pharus, Jhrg. 20, H. 12 (1929); Fr. Metzner,
Das päd.-psycholog. Schul-T., in: Die Volksschule,
Jhrg. 21, H. 3 (1925); H. Fuchs, Die Sprache der
Jugendlichen im T., in: Ztschr. für angew. Psycho-
logie, Bd. 29 (1927). H. Wagener.
Tatpädagogik u. Taterziehung.
UU. = Tat, TE.= Taterziehung, TS. = Tatschule.]
Die TE.s- u. TS.bewegung ist ein Teil der
Arbeitsschulbewegung (s. d.), die den Akzent
in der Auffassung des Arbeitsprinzips auf die
Spontaneität legt. Statt der passiven Lern-,
Buch-«, Hör- u. Wortschule erstrebt man eine
Schule des Lebens, der Erfahrung, der T., der
Aktivität. Die 7"S. ist die Schule der Sponta-
neität, die, auf den Ergebnissen der genet. PSy-
chologie aufbauend, Arbeit u. T. als Ziel der
Erziehung bestimmt u. in gleicher Weise Hand-
arbeit, geistige U. Soziale Arbeit berücksichtigt,
um durch Selbsttätigkeit die Selbständigkeit
der Lebensführung zu erreichen. «Durch T.
zum Leben.» Der TE.sgedanke Sucht den frei-
tätigen Arbeitsunterricht aus der Wort- in die
T.sSphäre überzuleiten, von der mehr intellek-
tuellen Bildung in die Sittl. T., immer aber im

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