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T.n (1914); H. Keller, Die Geschichte meines Le-
bens (8? 1930); -- Briefe meiner Werdezeit (* 1918);
Th. Devrient, Erziehungsgeschichte der T.n E.
Meystre, in: Programm der Mannheimer Töchter-
schule (Mannheim, Ostern 1864); W. Stern, Helen
Keller (1905); D. Katz, Der Aufbau der Tastwelt
(1925); J. Fischer u. ]. Sommer, Beziehungen von
Auge u. Ohr bei Taubstummen u. T.n, in: Ztschr.
für Hals-, Nasen- u. Ohrenheilkunde, Bd. 11, H. 1
(1925); H. Lauber, Über Entstehung der Taub-
stummblindheit, in: Eos, Jhrg. 18, H. 1 (1926).
EF. Wenninz.
Taubstummenpädagogik u.
Taubstummenbildung.
[t. = taubstumm, T.= Taubstumme, TB.= Taubstummen-
bildung, TL.= Taubstummenlehrer.]
1. Die Taubstummheit ist nicht auf 2 or-
ganisch bedingte Leiden, Taubheit u. Stumm-
heit, zurückzutühren. Die Organe u. Funktionen
des Sprechapparates der T.n Sind gewöhnlich
normal. Die e2genl. Taubstummheit istdie Folge
angeborener oder früh erworbener, totaler oder
hochgradiger Taubheit, die ein Hören der Laut-
Sprache ganz unterbindet oder doch die Auf-
fasSung eines Sinnvollen Zusammenhanges
durch das Ohr Sselbst bei lautestem Sprechen
verhindert u. dadurch völlige oder annähernde
Stummheit verursacht. Ürezgentl. Taubstumm-
heit entsteht bei den wegen Starker Schwerhörig-
keit nicht sSprechenden, bei den nach Erwerb der
Lautsprache /rühertaubten Kindern Sowie bei
den in denletzten Schulpflichtigenſahren Späzer-
ertaubten. Ihnen ist die Lautsprache nicht etwas
rein künstlich Angeeignetes, Entwicklungs-
fremdes. Die Spyäztertaubten Sind im Vollbesitz
der Sprache u. einer mehr oder weniger abge-
Schlossenen Bildung. Ein fachmäßiger Ablese-
unterricht kann ihnen die Verkehrsfähigkeit in
weitem Maße wiedergeben. Sie u. die Später-
ertaubten Sind die eigentl. Gehörlosen. För-
Stumme Sind durch motor. oder sensor. Hem-
mungen (Mangel an Aufmerksamkeit oder Ge-
dächtnis) bei normaler oder doch genügender
geistiger Veranlagung u. Hörfähigkeit am Spre-
chen gehindert. Die eigentl. u. uneigentl.t. Sowie
die hörstummen Rinder fallen unter das preuß.
Ges. betr. Beschulung blinder u. t. Kinder vom
7. VILL 1911.-- Die Stummheit Schwachsinniger
beruht auf Mängeln der Intelligenz u. des Ge-
müts- u. Willenslebens. Sie ist wie auch Sprach-
verlust durch Sensorisch-motor. Aphasie (3. Art.
Sprache) keine Taubstummheit.-- Nach Bezold
iSt die Taubstummheit bei rund 43/4 ererbt u.
bei 52/5 im Mutterleibe oder nach der Geburt
erworben. Der Rest ist unbestimmbar. Nach
der Volkszählung vom 16. VI. 1925 leben in
Deutschland 45376 T. u. Ertaubte = 23818
männl.u. 21558 weibl., auf je 10000 Einwohner
7,9 männl. u. 6,7 weibl. -- Eine anomale kör-
perl. Entwicklung bei manchen t. Kindern, bes.
in Bezug auf Größe, Gewicht, Lunge u. Gehirn
Scheint den ungünstigen Einfluß der Taub-
Taubstummenpädagogik u. Taubstummenbildung.

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Stummheit auch auf den Körper zu belegen.
Da die Lautsprache trotz vorhandener Anlage
Sich nicht entwickelt, greift das Kind zu mit
Hilfe Seiner Umgebung geschaffenen Gebärden
zur Bedürfnisbetriedigung. Die Gebärde ver-
hindert die durch die Lautsprache übermittelte
kulturgemäße Formung u. Wirtschaftlichkeit
Seiner Bewußtseinstätigkeit; denn es arbeitet
mit belastenden anschaul. Inhalten der unteren
Bewußtseinsschichten, kommt zu 1inberech-
tigten Irrtümern durch unvollständige Wahr-
nehmungen u. Mangel an Gedankenaustausch
u. bleibt 50 in Seiner geistigen Entwicklung
Sehr zurück. Sein Gemütsleben wird wenig
berührt u. gebildet. Seinen Trieben fehlen zur
Steuerung aus mangelnder Erkenntnis höhere
Impulse. Da es wenig versteht u. wenig ver-
Standen wird, hat es nur geringen Anteil an
der Kultur. -- Die T.npädagogik Setzt daher
als Fauptziel die Eingliederung der T.n in die
Gesellschaft zur Anteilnahme an den ihnen
zugäng]. Gütern u. Werten in möglichst Selb-
Ständ. Lebensführung. Das vornehmste Mittel
zur Erziehung u. Bildung der T.n ist die Wort-
Sprache. Wichtigstes 7e2/zzel iSt darum die Be-
fähigung des t. Kindes, die Wortsprache zu
Sprechen, vom Munde abzulesen, zu Schreiben
u. zu legen. Diese im wesentlichen Sprachl. Auf-
gabe grenzt die T.npädagogik ab von der Heil-
pädagogik u. läßt Sie auch Erziehung u. Bildung
der Schwachen u. hochbegabten 'T.n umfassen.
Je mehr der T. Sprache verstehen, ablesen u.
gebrauchen lernt, desto mehr werden in Schule
u. Leben t.ische Einseitigkeiten gemildert.
1. Taubstummenpädagogik: Weil das ur-
Sächl. Verhältnis zwischen Taubheit u. Stummheit
nicht erkannt wurde u. Somit ärztl. Hilfe erfolg-
los blieb, hielt man die T.n bis in die Neuzeit für
bildungsunfähig. Der Span. Mönch Zedro Ponce
(7 1584) unterrichtete zuerst erfolgreich T. in der
Lautsprache. 3.P.Boret (1620) hat die erste Schrift
über TB. verfaßt. 3. &“. Ammanr (if 1724) gab eine
eingehende Darstellung der Lautbildung u. Seiner
Methode zum Erlernen des Sprechens u.Absehens.
Der Abdd de 7' Epece (if 1789) gründete 1770 in Paris
die erste privateT.nanstalt. Er benutzte zur Bildung
der T.n die Gebärdensprache, die er durch künstl.
Zeichenentwickelte u. dem Aufbau der Lautsprache
anpaßte, Sowie Schreiben, Lesen u. Fingeralphabet.
S. FHeinicke (T 1790) Sah im T.n den Menschen, des-
Sen Menschentum er bilden wollte. Durch Grün-
dung Seiner T.nanstalt (Leipzig 1778) aus Staats-
mitteln machte er das TB.swesen zu einer öffentl.
Angelegenheit. Heinicke gab aus der Erkenntnis
des Symbolcharakters der Sprache der deutschen
Lautsprachmethode die psycholog. Begründung u.
zeigte, daß die gesprochene Sprache auch dem T.n
zu einem angemessenen Denk- u. Ausdrucksmittel
wird. Unter Pestalogzis Einfluß lehnte V'. 4.Fäger
/T 1864) Seine Unterrichtstheorie an den Fremd-
Sprachunterricht für normale Kinder an u. begrün-
dete 50 die Richtung der Grammatisten. Dagegen
Stellte 5.47. &7771 (5 1784) als Hauptunterrichtsregel
auf: «Entwickle die Sprache in dem t. Kinde, wie

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