II85
auf die Probleme der Erziehbarkeit (1928); G.Men-
del, Grundlagen der V.slehre (1929); H. Mucker-
mann, Kind u. Volk (2 Tle., !!-15 1924); -- Wesen.
der Eugenik u. Aufgaben der Gegenwart (1929);
-- u. O. v. Verschuer, Eugen. Eheberatung (1931);
W. Peters, Die V. geistiger E.en u. die psych.
Konstitution (1925); = Struktur u. Konstitution im
kindl. Seelenleben, in: H. Nohl u. L.Pallat, Hand-
buch der Pädagogik I1 (1929); E. Rüdin, Psychiatr.
Indikation zur Sterilisierung (1929); K.Theiß, Alko-
holismus u. Sozialversicherung (1931); O. v. Ver-
Schuer, Ergebnisse der Zwillingsforschung (1931);
A. Wielenga, Die Missetat der Väter (1931).
I. Mayer.
Verfrühung,
1. Die Stufigkeit der Entwicklung eines
mensch]l. Individuums Kennt Schon die vor-
wissenschaftl. Erfahrung, u. genaue anthro-
polog., pSYCholog. u. charakterolog. Beobach-
tung beweist Sie. Hauptstufen (Kindheit 2--5;
Schulalter 7--12; Reifealter 14--19) werden
durch Übergänge (Säuglingszeit, 1. u. 2. Trotz-
alter, Vorpubertät) verbunden, die einerSeits
der Festigung, anderseits der Vorbereitung
dienen. Jede Hauptstufe ist durch physiolog. u.
psych. Tatsachen, durch Interessen u. ein be-
StimmtesVerhältnis zur Umweltgekennzeichnet.
11. Die Entwicklungstreue der Erziehung
folgt als GrundSsatz aus der Stufigkeit. Dagegen
verstoßen alle Beschleunigungen oder Ver-
zögerungen des Entwicklungsrhythmus. Der
Begriff der päd. V. hat hier Seinen Standort.
V. ist möglich, weil durch ein Zuviel u. Zu-
früh leibl. u. geistiger Ernährung u. Reizung
der im allgemeinen rassenmäßig erbl. Gang
verändert werden kann.
III. Natürl. Frühreife gibt es als Varia-
tionen des Entwicklungstempos, bei uns vor
allem bei jüd. Kindern (oriental. Lebensrhyth-
mus im Blut), bei Einzelkindern (vorwiegender
Umgang mit Erwachsenen), bei einseitig Hoch-
begabten (Leistungen unabhängig von Lebens-
erfahrungen) u. endlich bei Kindern tiefster
Not infolge erzwungener Anpassung an den
Lebenskampf. Als Folgen natürl. Frühreife
zeigen Sich u. a. rasche Abnutzung, früher
Altersverfall u. oft ein Steckenbleiben auf
einem relativ nicht hohen Gesamtniveau.
IV. Künstl. Frühreife, durch V. erzielt,
ist noch gefährlicher. Aus den wenigsten
Wunderkindern der päd. Dressur ist mehr als
leidl. Durchschnitt geworden, weil im Aufbau-
Stadium des Lebens Schon 50 viel Energie ver-
braucht wurde, daß es zu einer entsprechen-
den Leistung auf der Lebenshöhe nicht mehr
reichte. Ursachen u. Anlässe der V. Sind oft
Ehrgeiz oder falsche Sorge der Eltern, päd.
Virtuosentum, Experimentierlust. Die zur V.
am leichtesten verleitenden Zeiten Sind die
obengenannten Übergänge: man übersieht die
festigend-übende Seite u. pflegt zu Sehr die Sich
zeigenden Ansätze des Kommenden. -- ScAad-
Lexikon der Pädagogik der Gegenwart. Il.
Verfrühung-- Vergleichende Erziehungswissenschaft.

1186
den der V. Sind der Verlust natürl. Kinder-
glücks, frühe Blasiertheit, altkluges Wesen,
chron. Übermüdung. Sodann entgehen dem
Zögling feinere Werte, die in jenem Alter
nicht voll erfaſßt werden können, zu denen der
Mensch aber Später nicht mehr kommt in
der irrigen Meinung, Sie Schon zu kennen.
Soziale I1solierung, Verzweiflung, Krankheit,
Selbstmord u. 4a. Stellen Sich mitunter ein.
Schrifttum: A. Fischer, Über päd. V., in:
Ztschr. für päd. Psychologie, Jhrg. 14 (1913); E.
Claparede, Psychologie de V'enfant et pedagogie
exper. (Genf *1916); O. Tumlirz, Die geistige Ent-
wicklung der Jugendlichen (*1931); Th. Maunz,
Unterrichtl. V., in: Pharus, Jhrg. 18, H. 6 (1927);
R. Künkel, Das Sexuell frühreife Kind (1926); Bol-
win, Das Problem der V. im Deutschunterricht, in :
Mädchenbildung auf christl. Grundlage, Jhrg. 26,
H. 9 (1930); E. F., Überlastung u. V., ebd., H. 16;
F. Baumgarten, Wunderkinder (1930); L. Ziehen,
V.,in: Die Erziehung, Jhrg. 5 (1930). A. FsScheY.
Vergleichende Erziehungs-
wisSenschaft.
[v. = vergleichend, E. = Erziehungswissenschaft.]
V. E., nach der in ihr angewandten Methode
benannt, hat im deutschen erziehungswissenschaftl.
Sprachgebrauch 2 Bedeutungen.
1. Die Bezeichnung wurde zuerst von Z.
Krieck u. A. Fischer in einem Sinne gebraucht,
der mehr oder weniger zusammenfällt mit dem
der allgem. E., deren Aufgabe in der Erfor-
Schung u. Darstellung des Wesens, der typ.
Formen u. Gesetze der Erziehung besteht.
Wenn man zur Erreichung dieses Zieles die Me-
thode des Vergleiches vieler verschiedener Er-
ziehungsvorgänge u. Herausstellung des ihnen
allen Gemeinsamen, also im Grunde die in-
duktive Methode der traditionellen Logik oder
auch die Methode der Wesensschau, anwendet,
S0 treibt man v. E.-- Die zum Vergleich heran-
gezogenen päd. Sachverhalte werden entweder
der deutschen Gegenwartswirklichkeit u. dem
päd. Leben der deutschen Vergangenheit oder
auch der gegenwärtigen oder histor. päd. Wirk-
lichkeit anderer Länder entnommen. Welcher
dieser Bezirke das Vergleichsmaterial liefert, ist
unwesentlich. Wesentlichistdie Anwendungder
komparativen Methode u. das Forschungsziel.
Vgl. E. &rzeck, Philosophie der Erziehung
0 1930), ferner Menschenformung. Grundzüge der
v. E. (1925) u. Bildungssysteme der Kulturvölker
(1927); A. Fscher, Die kulturellen Grundlagen
der Erziehung, in: Die Akademie, H. 3 (1925).
2. In zunehmendem Maße verbindet man
in den letzten Jahren mit dem Ausdruck v. E.
die Bedeutung des engl.-amerikan. Comparative
Education (= CE.) u. des französ. FPeadagogie
compard&, braucht ihn allerdings noch vielfach
unkritisch durcheinander mit den Bezeichnun-
gen Auslands-, internationale, Welt- u. Völker-
pädagogik, obwohl Sie inhaltlich verschieden
38

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.