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Sind u. in Religion zurückmünden. Andere
Kulturgebiete als die genannten kommen für
den Bildungsgang des deutschen Bauern ent-
weder (wie Philosophie, Psychologie u. Logik)
gar nicht in Betracht oder (wie Physik, Chemie,
Geschichte, Erdkunde, Anstandslehre u. Tur-
nen) nur als Hilfslehrgebiete für Berufskunde,
Bürgersinn, Gesundheitslehre u. ä. Dagegen
muß der bäuerl. Volksbildner sSelbst mit philo-
SOph., geschichtl., mathemat. u. naturwissen-
Schaftl. Denken Sowie mit ästhet. Einfühlung
durchaus vertraut Sein, ohne daß er in den ge-
nannten Wissenschaften Spezialfachmann zu
Sein braucht; im Gegenteil, für kleinbäuerl. V.Ss-
pflege wäre das nur hinderlich, während die Ein-
Stellung zu der Arbeitsweise dieser Sieben Sach-
gebiete von den neuen preuß, päd. Akademien
mit Recht auch für den Dorflehrer gefordert u.
vermittelt wird: die Bildungspflege auf dem
Dorfe, auch im Sinne der Forderung von Erd-
bergs u. A. Heinens, bedarf keines dörfl. V.Ss-
amtes, Sondern kann intensiv nur persönlich
durch Lehrer, Pfarrer (u. Dorfarzt) vermittelt
werden ; anders in den mittleren u. größeren
Städten, die ohne Planwirtschaft technischnicht
auskommen u. daher V.Sämtergegründethaben.
III. Das Volksbildungsamt Sucht die V.s-
bestrebungen u. -einrichtungen in großen, größeren
u. mittleren Städten zum Zwecke einer Planwirt-
Schaft in einer Zentrale zusammenzufassen. Es
kommt in der Hauptsache darauf an, das Vor-
handene, das Bestehende weitestgehend auszu-
nützen, es in organ. Verbindung miteinander zu
Setzen U. S0 dazu beizutragen, daß es zunächst für
den einzelnen u. durch ihn für immer weitere
Kreise fruchtbar wird. Um vor allem eine Zer-
Splitterung der V.Sarbeit zu verhüten, werden die
einzelnen Bestrebungen z. T. auf dem Wege eines
freiwilligen Zusammenschlusses zur höchsten Po-
tenzierung ihrerWirkungskraft in fruchtbare Wech-
Selwirkung gebracht. Wie Sich aus der Zusam-
menarbeit leicht ergibt, gewährleistet der Zusam-
menschluß eine zweckdienl. u. planmäßige Aus-
nutzung vorhandener Bildungsmittel u. die Gewin-
nung neuer Bildungsmöglichkeiten. In den meisten
Städten ist der Gedanke einer einheitl. Zusammen-
fasSung aller volksbildnerischen Einrichtungen u.
Organisationen in einem V.5amt oder in einer son-
Stigen Zentrale erwogen u. z. T., wie z. B. in Köln, in
Neukölln bei Berlin, in Leipzig, auch Schon wei-
testgehend verwirklicht worden. Klare Richtlinien
u. bestimmte Entwürfe fehlen noch gänzlich. Im
ganzen ist man in den Anfängen u. in der Einzel- '
organisation Steckengeblieben (vgl. W. Pieth, Das
Bildungsamt der Großstadt [1919]; W. Buchenau,
Das V.5amt der Großstadt, in: Ztschr. für soziaie
Päd., Jhrg. 1, H. 3 [1920]; Freie V.Sarbeit, hrsg.
von H. Heller [1924]). Was nach den bisherigen
Versuchen als notwendig erscheint, ist die Verwirk-
lichung der immer stärker gewordenen Forderung
nach einem gezstigern Mittelpunkt, d. h. einer Ein-
richtung, welche die vorhandenen Institute zur
Förderung der V.sSbestrebungen in 07ga7. Weise
zusammenfaßt. Es ist erforderlich, daß die Organi-
Sation der zusammenfassenden Zentrale, im gan-
Volksbücherei.

aman <0


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zen wie im besondern, wandlungs- u. lebensvoll
anpassungsfähig, mit der ihr notwendigen Elasti-
zität Sich immer neuen Aufgaben u. noch werden-
den Bildungen in immer neuen Formen zuwenden
oder die alten gemäß einer besseren Erkenntnis
mit frisSchen u. neuen Mitteln erfüllen kann. Weil
Sich Geist nur an Geist entzündet, ist darauf zu
achten, daß der Geist nicht im Organisatorischen
erstarrt u. erstickt.
Landesverband für freie VV. in Bayern e. V.,
München 2C, Dienerstr. 231, 1921 gegr. durch
die V.svereine Bayerns, erstrebt ein Staatsvolk u.
Schließt als neutraler Verband alle konfessionellen
u. parteipolit. (außer kommunist.) Richtungen zu-
sammen. Er erhält Seine Mittel vom Staat. Or-
gan : Volk u. Heimat. Vors.: H. Küfner.
Verein zur Förderung der V. e. V., Stuttgart,
Hölderlinstr. 50, 1918 gegr., faßt das freie V.swe-
sen Württembergs zusammen. Weltanschaulich
neutral. Bibliothek 7550 Bde. Organ: Mz?tez-
Jungen des Vereins zur Förderung der V. (Seit 1930).
Institut für neuzeitl. V.Sarbeit, Dortmung, Ost-
randweg 23, 1928 gegr., ist eine kath. Arbeitsstelle
zur Erforschung der V.sfragen. -- Die Relzg70725-
Ahochschule in Elkeringhausen ist eine Bildungs-
Stätte für die kath. Studentenschaft.
Schrifttum zu I.: A. Brunn, Grundsätze der
V.(1913); R. v. Erdberg, Freies V.swesen (1919);
-- u. Th. Bäuerle, V. (1918); G. Koch, V.Sarbeit
als Grundlage nationaler Erneuerung (1925); J.
Weigert, Die V. aufdem Lande1922); Vierteljahrs-
Schrift für wiss. Päd.. Jhrg. 7, H. 2 (1931, Sonder-
heft über Erwachsenendbildung). -- Zu Il.: J]. Antz,
Ländl. Kulturkrisis u. ländl. V., in: Die ländl. V.
in ihrer zeitgemäßen Gestaltung, hrsg. von P.J.
Kreuzberg (1927); -- Von alter u. neuer Lehrer-
bildung, in: Päd. Post, Jhrg. 10, Nr. 46 (1931);
A. Heinen, Briefe an einen Landlehrer (*1922);
-- Sinn u. Zwecke in der Erziehung u. Bildung
(1924); W. A. Miller, 12 Artikel Schwäb. Bauern-
lehrer, in: Rheinisches Land, Jhrg. 5(1925); G.Leyh,
Literarisch-ästhet. Bildung, in: Zentralblatt für
Bibliothekswesen, Jhrg. 34 (1917); -- Volkstüml.
Bibliothekswesen, ebd., Jhrg. 44 (1927); J. Weigert,
Das Dorf entlang (** 1923); die meisten Schriften
der Bauerndichter H. Hansjakob, J. Gotthelf, A.
Lämmle, H. Reyhing u. A. Wibbelt.
1. 4. Heinen. 11. 4. Miller. 111. ZZ. Heinrichs.
Volksbücherei.
Der V. ist ein volksbildner. Zze/ gesetzt: Sie
Soll jedem Gliede des Volkes die Möglichkeit
verschaffen, nach dem Maße Seiner Fähigkeit
u. in der Richtung Seiner Persönlichkeitsent-
faltung teilzunehmen an den im Schrifttum
gestalteten Geistesgütern des Volkes u. der
MensSchheit. Dieses Ziel Schließt ein, daß nicht
nur jedes verwerfl. Afterschrifttum (Schmutz
u. Schund), Sondern auch alle matte Auch-
literatur, die dem Geltungsbedürfnis gestal-
tungsohnmächtiger Literaten oder der Speku-
lation betriebseifriger Verleger ihr Dasein ver-
dankt, grundsätzlich von der Bücherei fern-
zuhalten ist. Denn bildende Wirkungen können
nur von gestaltechtem Schrifttum ausgehen.
Die Bücherei erhält ihr Gesicht aber nicht nur

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