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namen, in vorsichtiger Weise besprochen u.
erläutert, machen bisher tote Dinge aus der
Umwelt des Schülers lebendig.
Stets ist die V. oder einzelne ihrer Teil-
gebiete (Siedlungen, Wohnweise, Kleidung,
Nahrung, Volkskunst) im AZydkundeunterricht
heranzuziehen. Schilderung von Land u. Leuten
gehört, wie Schon ZF. Fatzel u. 4. K7rch20f be-
tonten, immer zusammen. Übrigens vermag die
Kenntnis gerade der einfachen Volksschichten
unserer Heimat, etwa des Bauerntums, Seiner
Geräte u. Arbeitsweise, der Handwerke u. ein-
heim. Gewerbe u. dgl., das Verständnis für
Primitive Zustände in der Alltagskultur frem-
der u. exot. Völker wesentlich zu fördern u.
bietet die Möglichkeit zu interessanten ethno-
graph. Parallelen. -- Öfters auch erfordert der
Geschichtsunterricht ein Eingehen aut volks-
kundl. Erscheinungen, wenn etwa polit. oder
religiöSe Bewegungen aus der Volksschicht
aufsteigen oder die polit. Führer in Opposition
treten zu eingewurzelten VolksauffasSungen.
Das Fortleben geschichtl. Ereignisse u. Persön-
lichkeiten in Liedern, Sagen, Anekdoten u.
bildl. Darstellungen bietet reichen Anlaß, einer-
Seits den Intensitätsgrad der Volksanteilnahme
an polit. Geschehen zu zeigen, anderseits das
offizielle Bild der Geschichte auch in den oft
bunteren volkstüml. Farben zu zeigen. Daß
auch volkskundl. Denkmäler (Flurnamen, Bild-
Stöcke, Sagen usw.) den /Zeimatgesckicktl. Un-
terricht in der Volksschule wie im Unterbau
der höh. Schulen wirksam veranschaulichen
u. ergänzen, ist naheliegend u. allgemein be-
achtet. -- Mehr als bisher müßte der X&eZ-&.
anleiten, die «Religion des Volkes», d.h. Seinen
gesamten überlieferten Glauben u. die «Reli-
gion im Volke», d.1. die volkstüml. Umformung
des dogmat. Kirchenglaubens, in ihrer gegen-
Seitigen Durchdringung u. Beeinflussung zu
beobachten, um So das Volk zutiefst zu ver-
Stehen Uu. Seine Starken religiöSen Bedürfnisse
kennenzulernen. Im kath. Rel.-U. bietet das
Kirchenjahr fortwährend Gelegenheit, die reich
entwickelten religiösgen Sitten u. Bräuche zu
besprechen. -- In der MNazurgeschichtsstunde
Schließlich lohnt es Sich, gelegentlich Tiermär-
chen u. Pflanzenlegenden zu erzählen u. die
gegen den Buchnamen viel Schöneren u. auf-
Schlußreicheren volkstüml. Pflanzennamen auf-
zusuchen ; auch Sollte von dem Volkswissen
um die Heilkräfte vieler Kräuter gesprochen
werden.--Vontechn. Fächern werden das Zezc/t-
nen u. der FHandfertigkeitsunterricht mit Nutzen
Ziertormen u. Motive aus der Volkskunst ent-
Dehmen oder auch volkstüml. Typen u. Szenen
bildlich darstellen. Diereich illustrierten Volks-
kunstbände, die der Reichskunstwart Z. &edslob
herausgibt, bieten dafür mannigfaltiges Mate-
nal. Daß neben den genannten regelmäßigen
Gelegenheiten zu volkstüml. Erörterungen im
Volkskunde.

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Unterrichtsverlauf öfters unvermutet, bes. bei
der Zektäüre im alt- u. neusprachlichen Sowie
im deutschen Unterricht, Sich Stellen u. Situa-
tionen finden, die eine volkskundl. Erklärung
geradezu herausfordern, Sei noch bes. betont.
4. VolkSkundl. Unterweisung bei
besondern Gelegenheiten. Außer der Schul-
Stube bieten Sich wertvolle Hilfsmittel zur
volkskundl. Belehrung durch Besuch volks-
u. heimatkundl. Museen, wo vor allem die
Realien der V. Studiert werden können ; bes.
ergiebig Sind ferner Schulwanderungen (s. d.)
zu Beobachtungen von Siledlungsweise, Haus-
bau, Trachten, Sitten u. Bräuchen, Flur- u
Ortsnamen, Steinkreuzen, Bildstöcken usw.
Skizzen u. photograph. Aufnahmen können
als Beute mitgenommen u. bei Lichtbild- u
Epidiaskopvorführungen in der Schule weiter
besprochen werden. Erprobte u. bewährte Hilfe
zu volkskundl. Wissen für den Schüler ebenso
wie für den Lehrer bedeutet das eigene Sam-
meln mündl. Volksüberlieferungen, bes. von
Kinderliedern u. -Spielen, Sagen, Märchen u.
Volksliedern. Solche kleine Entdeckungen u.
Funde bereiten den Schülern große Freude.
Schließlich Seien Besuche von Heimatfesten
u. größere Ferienfahrten noch empfohlen, nicht
zuletzt eine unaufdringl. Beeinflussung der
Privatlektüre der Schüler. In Frage kommen
gute monograph. volkskundl. Darstellungen
einzelner Stoffgebiete oder Landschaften, fer-
ner Sagen- u. Märchensammlilungen u. tüchtige
dichter. Darstellungen des Volksiebens, wie et-
wa die Bücher von JV. ZF. v. Rzeal, F. Gotthelf,
P. Rosegger, H. Hansjakob, TR. Fontane u.a.
Schrifttum: J. Meier, Deutsche V. (1926 ; ein-
wandfrei den gegenwärt. Stand der Forschung
widerspiegelnd ; im Anhang reiche Literaturan-
gaben); dazu als Ergänzung: - Lehrproben zur
Deutschen V. (1927); KX. Reuschel, Deutsche V. im
Grundriß (2 Bde., 1920/24); H. Naumann, Grund-
züge der deutschen V. (21929); M. Haberlandt, Ein-
führung i in de: mit bes. Berücksichtigung Öster-
reichs (1924); K. Krohn, Die folklorist. Arbeits-
methode (1926); A. Spamer, Wesen, Wege u. Ziele
der V. (1928); G. Schreiber, Nationale u. inter-
nationale V. (1930); H. Naumann, Primitive Ge-
meinschaftskultur (1921); -- Prolegomena über
vergl. V. u. Religionsgesch., in: Jahrbuch für histor.
V. I 19 ft. (1925); Die V. u. ihre Grenzgebiete,
= Jahrbuch für histor. V., hrsg. von W. Fraenger,
1 (1925); P. Diepgen, C. v. Schwerin u. O. TSchumi,
Die V. u. ihre Beziehungen zu Recht, Medizin, Vor-
gesch. (1928). Seit 1919 erscheint eine alle erfaß-
baren europ. u. außereurop. volkskundl. Erschei-
nungen u. Rezensionen umfassende Volkskundtl.
Bibliographie, für 1917 tt. hrsg. von E. Hofimann-
Krayer. = Führende Zeitschrzften : Ztschr. des
Vereins für V. (Seit 1891); Hess. Blätter für V.
(Seit 1901); Schweizer. Archiv für V. (Seit 1897);
Niederd. Ztschr. für V. (Seit 1923); Oberdeutsche
Ztschr. für V. (Seit 1927); Wiener Ztschr. für V.
(Seit 1895); Sudetend. Ztschr. für V. (Seit 1928). --
Zur Volkshedforschung vgl. J. Meier, Kunstlieder

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