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Schrifttum: L. L. Zamenhof, Fundamenta
Krestomatio (Paris !91924); A. Möbusz, Doku-
mento] de E. (1921); E. Privat, Historio de 1a
lingvo E. (2 Bde., 1923/27); K. Brugmann, Die
künstl. W.n u. ihre Aussichten (1913); Festschrift
anläßlich des 17. deutschen E.kongresses Pots-
dam 1928, hrsg. von A. Schwarz (1928); Germana
Esperantisto (Seit 1904). =- VUnterrichtswerke : W.
Velten, Elementar-Lehrbuch d. E.-Sprache(*1922);
G. Streidt, E.-Lehrbuch für Volks- u. Mittelschulen
(2 Tle., 1 "1929, 11 *?1926); Schallplattenkurs des
Linguaphone-Instituts. WW. Hinsenkamp.
Werkstattbildung.
[W. = Werkstatt, WB. = Werkstattbildung.]
1. Entwicklung: In den Zeiten vor dem Auf-
kommen eigener Schul- u. Erziehungsanstalten war
die Familie die Trägerin dessen, was Sich Später
zu den uns geläufigen Arten des Bildungswesens
entfaltete. In dem Maße nun, in welchem Sie eine
Tätigkeit für ihren eigenen wirtschaftl. Bedarf oder
etwa Schon für ihren Erwerb durch Verkauf ihrer
Arbeitsprodukte ausübte, war Sie auch die Stätte
für diese Tätigkeit, eine W.; die Kinder wuchsen
in dieser u. durch diese zu Ausübenden der be-
treffenden Tätigkeit heran, innerhalb einer «Tra-
dition». -- Jene Anfänge einer WB. dauerten wei-
ter, bis in unsere an Sonstigen Bildungsgelegen-
heiten reiche Kultur hinein. Ein besonderer Fall
ist der Bauernhof, insoiern er die landwirtschaftl.
Tätigkeit durch die Familie ermöglicht u. 50 wieder
die Kinder ohne weiteres in den ererbten Beruf
hineimwachsen läßt. -- Schon frühe jedoch entfal-
tete Sich die Welt der Gewerbe u. Schuf Sich ihre
Werkstätten in größerer oder geringerer Unab-
hängigkeit von derFamilie. Da erlernten die «Lehr-
linge» die ihnen nötigen Geschicklichkeiten, ent-
weder ohne irgend eine Schule unseres Sinnes
oder neben den wohlauchschon frühe vorhandenen
«allgemeinbildenden» Schulen. Inder Handwerks-
pädagogik tritt das, nicht bloß ihr eigene, Erzie-
hungs- u. Bildungsverhältnis zwischen Meister u.
Jünger(Meister-Lehrling, daneben Meister-Gesell,
Gesell-Lehrling) nur bes. hervor. Allerdings muß
SIe Sich nun bei der Einschränkung der Wirksam-
keit des Handwerks infolge der Industrie durch
eine «Fabrikpädagogik» ergänzen (Gewerkschafts-
erziehung, s. d.), trägt aber zugleich Seine Bildung
in die Industrie hinein. Daß auch für den Meister
eine Fortbildung in Betracht kommt, zeigen die
neuerdings häufiger werdenden « Meisterkurse».--
Unter keinen Umständen darf das Ez/ehungsver-
hältnis, wie es durch den Lehrvertrag zwischen
dem Meister u. dem ihm von Erziehungsberech-
tigten anvertrauten Lehrling besteht, durch ein
Arbeitsverkältnis mit Lohnkampf, doch auch nicht
durch eine Zelrlingsausdeutungersetzt werden. Die
Lehrlingsausbildung ist ein Erziehungsdienst u.
bedarf einer engen u. genügend dauernden Füh-
lung zwischen Lehrherrn u. Lehrling, dazu freilich
auch einer päd. Einstellung des Meisters.
I. Sinn : Das Vormachen, das Nachmachen
durch eigenes Handanlegen, den Fortschritt
im Kennen, Können, Sein u. Wirken durch
Stete, Steigende Übung darin, vertreten in un-
Serer Zeit auf eine wohl noch zu wenig ge-
würdigteWeise auch unsere wisSsenschaftl. Zoc/-
Lexikon der Pädagogik dor Gegenwart. IL.
Werkstattbildung.

1282
Schuten. Sie ergänzen ihre in VorleSungsräumen
dargebotene Lehre durch eine «prakt.» Aus-
bildung in ihren Instituten. Das «Meisterstück>»,
das an ihnen durch die Doktordissertation
geleistet wird, wächst häufig aus Solcher W.-
arbeit heraus. -- Gilt die WB. von den wissen-
Schaft]. Hochschulen, SO ganz bes. von den
künstlerischen. Ja es findet Sich an diesen Sogar
eine anscheinend Steigende Abneigung gegen
jegliche andere als eine Solche Ausbildung,
also gegen «Klassenunterricht». Die W. des
dort Lehrenden führt von dem «Studio» oder
meist «Atelier» des gereiften Künstlers den
Namen «Meisteratelier». Man kann geradezu
von einer Reformbewegung zugunsten einer
Konzentrierung der künstler. Studien um das
Meisteratelier Sprechen, neben dem nur etwa
Schulmäß. Unterricht in grundlegenden Kennt-
nisSen übrigbleibe, wie z. B. Materialkunde,
Perspektive u. dgl. Auf den Techn. Hoch-
Schulen gilt in der Architektenbildung mehr
oder weniger gleiches. So rundet Sich auch
das dem Handwerker u. dem Künstler not-
wendigerweise Gemeinsame wieder zu einer
WB. -- Als das Sc/aelwesen Sich überhaupt
weiter entfaltete, u. als das Handwerk Ver-
treter brauchte, die Sowohl «allgemeingebildet»
Sind wie auch den steigenden Anforderungen
an Hilfskenntnisse u. an Verfeinerungen des
handwerkl. Arbeitens entsprechen, entstanden
ein Widerstreit u. eine Rivalität zwischen W.
u. Schule, die heute die Handwerkskreise leb-
haft bewegen. Der Meister möchte die Aus-
bildung Seiner Jugend möglichst allein in Seiner
Hand haben u. hält nicht viel von handwerkl.
Schulwesen, zumal wenn es in die Arbeitszeit
eingreift. -- Inzwischen haben die Sog. Berufs-
oder Fachschulen (3. jeweils d.) auch das W.-
prinzip in Sich aufzunehmen u. zu vervollkomm-
nen gesucht. Das Sollen ebenso wie die Insti-
tute der Hochschulen keine Erwerbsstätten,
Sondern nur Ausbildungs-(Übungs-)stätten Sein,
SOg, Leſirwerſstätten. Schon wegen dieser «Un-
wirklichkeit» werden sie von den Meistern be-
fehdet ; dies gilt erst recht dann, wenn Sie Sich
der Wirklichkeit dadurch nähern, daß wenig-
Stens die Lehrer an Solchen Anstalten oder
gar deren Schüler die Übungsarbeiten auch
zum Verkauf benützen. Daß zwischen diesen
verschiedenen Interessen eine mittlere Linie
erforderlich, möglich u. für die Zukunft gut
durchführbar Sein wird, darf pädagogisch wohl
vorausgesetzt werden. Dies gilt auch bei in-
dustriellen Großbetrieben für ihre neuen WerK&-
Schulen (vgl. F. Schürholz, Grundlagen einer
Wirtschaftspäd., 1928). =- Wie nun die wirt-
Schaftl. u. die nur päd. W.welt auch in die A4/2/-
gemeinschulen eindringen, darüber sprechen die
Bemühungen um den «Handarbeitsunterricht»
für Knaben u. Mädchen (vgl. die Art. Arbeits-
Schule, Nadelarbeits-, Werkunterricht). Für höh.
ql

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