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burg Seit Ostern 1925 eine 3klass. Oberhandels-
Schule, deren Reifezeugnis zum Studium an der
Handelshochschule u. zum Zugang zu den akadem.
Prüfungen berechtigt ; vgl. Die kaufm. Fachschulen
in Baden, in: Ztschr. für Handelsschulpädagogik,
Jhrg. 1 (1929). In Preußen kommt die Frage trotz
eifriger Förderung Seitens des Handelsmin. nur
langsam voran, obwohl die Pläne für W.n Schon
Seit Jahren aus- u. durchgearbeitet worden Sind
u. mittlerweile eine Einigung darüber zwischen den
beteiligten Ministerien erfolgt Iist.
2. Die W. Soll nach diesen Plänen auf der
Obersekundareife aufbauen, nicht aber einen
Selbständigen Unterbau haben, damit erstlich
die Entscheidung über die Berufswahl nicht
vor dem 16. Lebensjahre getroffen zu werden
braucht u. zweitens die wirtschaft]l. Begabungen
aus andern höh. Schulen aufgenommen werden
können. Der Lehrgang 1ist daher 7/ä2r2g ge-
dacht u. entspricht den Klassen O1I, UI u.
OI der übrigen höh. Schulen. Mit diesen hat
die W. die Sog. Kernfächer gemeinsam : Reli-
gion, Deutsch, 2 Fremdsprachen, Geschichte,
terner Mathematik u. Naturwissenschaften ; Je-
doch Sollen die Stoffe dieser Fächer nicht skla-
visch übernommen, Sondern azf das Wirtscha/t-
liche bezogen u. gerichtet werden, z. B. in den
F remdsprachen neben der Kultur eingehend
die wirtschaftl. u. Sozialen Verhältnisse SOwie
den wirtschaftl. Schriftverkehr behandeln, in
der Geschichte dieWirtschaftsgeschichte, in der
Geographie die Wirtschaftserdkunde, in der
Mathematik die Finanzmathematik, in den
Naturwissenschaften die 50g. Technologie be-
tonen usw. Dazu kommt dann zur besondern
Ausprägung des Charakters der Schule das Ge-
biet der WirtschaftswisSsenschaften, vertreten
durch die Fächer: Betriebslehre, Rechtskunde,
Rechnungswesen , Volkswirtschaftslehre. Das
Nähere über die Fächer ergibt Sich aus der
Stundentafel der Oberhandelsschule zu Freiburg
1. Br., die vom Bad. Min. des Kultus u. Unter-
richts vom 12.VI1. 1929, wiefolgt, vorgesehenist :







Wöchentl. Stundenzahl
Unterrichtstächer 1. KL | IL K1.| ILKI.
(011) | (UI) | (Ol)
Religion . . . . . . 2 2 2
Deutsch . 3 3 3
Geschichte u. Staatskunde 3 3 8
Engliscch . . . . . . 4 3 4
Französzisch . . . . . . . =. . 3 3 3
Erdkunde . . „. . .» =. » 1 1 1
Volkswirtschafts-, Betriebswirtschafts-
u. Rechtszlehre . . . . 4 4 4
Buchhaltung u. Bilanzlehre . .» .» ». 2 2 8
Mathematik . . . . . . . . . 8 4 4
Stoffkunde u. Warenkunde . . 2 3 38
Kurzschrift u. Maschinenschreiben 3 2
Tumen . . u. u u u u nn m nr 2 2 2
Zusammen Wochenstunden 32 82 32
3. Aus innern u. äußern Gründen Soll die W.,
zumal Sie für eine Selbständige Anstalt zu klein
Sein u. bleiben wird, mit der Höh. Handels-
Schule verbunden werden. Für die Errichtung
Lexikon der Pädagogik der Gegenwart. 11.
Wohifahrtspflege u. Wohlfahrtspflegekräfte.

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kommen in erster Linie die Städte mit Handels-
hochschulen oder wirtschaftswissenschaftl. Fa a-
kultäten in Frage.
Die dad. Oberhandelsschule i in Freiburg baut auf
der Obersekundareife einer Höh. Lehranstalt auf
u. führt in 3 Jahrgängen. zur Reifeprüfung. Der
rege Besuch der Anstalt beweist, daß nach einem -
Schultyp dieser Richtung ein Starkes Bedürfnis
vorhanden 1st. Die Seit Ostern 1928 jeweils ent-
lassenen Abiturienten fanden etwa bis zu 90%,
recht gute Unterkunft in wirtschaftl. Betrieben u.
Verwaltungen; der Rest Studierte an Hochschulen.
Die Anerkennung, die die wirtschaftl. Praxis, die
ehemaligen Abiturienten Selbst, ihre Eltern u. an-
dere berufene Stellen in steigendem Maße der
Anstalt entgegenbringen, gibt Zeugnis von dem
Erfolg, den der neue wirtschaftl. Typ in kurzer
Zeit erringen konnte, u. läßt auf eine verheißungs-
volle Entwicklung Schließen. -- In Sachsen Sind
die bis jetzt eingerichteten W.n 1. E. mit den dort
Seit Jahrzehnten bestehenden blühenden ZZardels-
realschulen (dort aber Zöh. Handelsschulen gen.)
verbunden. Diese führen in 3 oder 4 Jahren zur
Obersekundareife ; Sie Stellen also einen regelrech-
ten Selbständigen Unterbau zur W. dar u. erfreuen
Sich eines Sehr regen Besuches Sowie großer Be-
liebtheit, wohingegen die wenigen Handelsreal-
Schulen Preußens Sich im Laufe ihres kurzen Be-
Stehens Sehr bald zu reinen Realschulen zurück-
gebildet haben u. daher als Unterbau für die W.
nicht in Frage kommen Können.
Schrifttum: Außer vielen Aufsätzen in der
« Deutsch. Handelsschulwarte» (Seit 1921): F.Feld,
4. Ziegler u. ]. Oberbach, Die W. (1925); Aufsätze
von L. Baur, in Bd. 69 der Veröffentlichungen des
Deutschen Verbandes für das kaufm. Bildungs-
wesen u. in Beiträge zur Förderung des kaufm.
Bildungswesens, Jhrg. 2, H. 3(1931). XOderbacti.
Wohlfahrtspilege u. Wohlfahrtspflege-
kräite,
[W. = Wohlfahrt, WP. = Wohlfahrtspflege.]
1. Wohlfahrtspflege: 1. Begriff. Eine
allgemein anerkannte Definition des Wortes
WP. fehlt noch, da es Sich hier um ein Gebiet
handelt, das Ständig in Fluß u. in Seinen letzten
Zielen noch umstritten ist. W.ist das Ziel, darauf
das Handeln des Einzelmenschen u. menschl.
Gruppen gerichtet ist. Dieses Ziel ist aus per-
Sönl. oder gesellschaftl. Gründen niemals von
allen Menschen erreicht worden. Deshalb hat
es zu allen Zeiten eine Förderung der W. ein-
zelner gegeben, die dann freiwillig u. Spontan
SICh zeigte, wenn Not sich offenbarte. Seitdem
jedoch mit der Ausdehnung von Industrie u.
"Technik Massen von Menschen der Not anheim-
fallen, zumal Seit dem Kriege, Seitdem W. nicht
mehr das Selbstverständl. Ziel der Wirtschatft ist,
muß eine besondere, u. zwar umfassende u.SySte-
mat. Pflege der W. von geeigneten Stellen u. für
breite Bevölkerungsschichten einsetzen. Unter
WP. versteht man demnach die planmäßige,
von öffentl. u. priv. Seite ausgehende Förderung
der W. von MensSchen, die nicht in der Lage
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