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deten Verständnis der heutigen Kultur heran-
zubilden u. mit den Grundlagen einiger wesent-
lich verschiedenen Arten des Denkens u. der
Anschauung durch selbständige Arbeit u. An-
wendung vertraut zu machen. Durch Erl. des
Kultmin. vom 10. II. 1926 wurden die neuen
Stundentafeln an den höh. Schulen eingeführt.
Fürdiejenige höh. Schulbildung, die vom Stand-
punkt der Unterrichtsverwaltung aus als Voraus-
Setzung für eine erfolgreiche Betätigung in mitt-
leren Berufen anzusehen ist, wurde (an Stelle
des früheren Einjährigenzeugnisses) die Be-
zeichnung «mittlere Reife» eingeführt (Verord-
nung vom 11.1.1926). Über den Rel.-U. an den
höh. Schulen wurden mit Wirkung vom 1. V.
1922 unter Aufhebung aller entgegenstehenden
Vorschriften neue Bestimmungen getroffen.
Danach ist Selbständiger Rel.-U. als ordentl.
Lehrfach an einer K1., Abteilung, Schule oder
auch für mehrere Schulen desselben Ortes ge-
meinsam einzurichten, wenn zu Beginn von 3
aufeinanderfolgenden Schuljahren mindestens
je 10 Angehörige einer Religionsgesellschaft
in der KI., Abteilung, Schule oder in mehreren
Schulen der Gemeinde zusammen vorhanden
Sind. Die erforderl. Räume müssen zur Ver-
fügung gestellt werden. Grundsätzlich ist der
Rel.-U. für die Angehörigen der betr. Religions-
gesellschaft bestimmt. Die Ministerlalabteilung
kann jedoch im Einvernehmen mit der zustän-
digen Oberkirchenbehörde auch Solche Schüler,
die einer andern oder überhaupt Keiner Reli-
gionsgesellschaft angehören, in widerrufl. Weise
zu dem betr. Rel.-U. zulassen, Soweit hierdurch
keine Beeinträchtigung dieses Unterrichts zu
befürchten 1ist. Der Rel.-U. wird grundsätzlich
von Lehrkräften erteilt, welche die theol. Dienst-
prüfungen bestanden haben u. zur Versehung
des geistl. Amtes für befähigt erklärt Sind, u.
zwar entweder von Religionslehrern im Haupt-
amt oder von Geistlichen im Nebenamt. Der
Rel.-U. wird gemäß Art. 149, Abs. 1 der RVerf.
in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der
betr. Religionsgesellschaft unbeschadet des Auf-
Sichtsrechts des Staates erteilt. Darüber, ob dies
der Fall ist, hat ausschließlich die Religions-
gesellschaft Selbst zu befinden. Die Aufsicht
über den von Geistlichen im Nebenamt erteilten
Rel.-U. an höh. Schulen kommt unbeschadet
des dem Staate zustehenden Aufsichtsrechts
den Oberkirchenbehörden zu, die diese Auf-
Sicht nach Maßgabe der von ihnen getroffenen
näheren Bestimmungen ausüben. Zur Fachauf-
Sicht über den von hauptamtl. Religionslehrern
erteilten Rel.-U. u. zur Beratung der Ministerial-
abteilung für die höh. Schulen in Fragen des
Rel.-U. wird vom Min. des Kirchben- u. Schul-
wesens auf Vorschlag der zuständigen Ober-
kirchenbehörde u. nach Anhörung der Mini-
Sterlalabteilung ein Mitglied der Oberkirchen-
behörde bestellt, das der Ministerialabteilung
Württemberg.

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als Sachverständiger für den Rel.-U. beigegeben
ist. Die dem Sachverständigen von der Mini-
Sterlalabteilung übertragene Fachaufsicht über
den Rel.-U. der hauptamtl. Religionslehrer übt
er zugleich im Namen Seiner Oberkirchen-
behörde aus. -- Für die hauptamtl. Lehrer der
öff. höh. Mädchenschulen gilt heute ausschließ-
lich das Beamtengesetz, S0 daß von dem Ge-
Setz über die höh. Mädchenschulen nur noch
diejenigen Bestimmungen in Kraft Sind, die Sich
auf die priv. höh. Mädchenschulen beziehen.
Aber auch diese Bestimmungen Sollen durch
das neue Schulgesetz aufgehoben werden.
An Vollanstalten mit dem Recht der Reifeprü-
fung gibt es a) für die 7zzä7zz7l. Jugend: 13 Gymna-
Sien, darunter 5 mit Realgymnasgien, 2 mit Real-
Schulen verbunden, 14 Realgymnasien u. 3 Reform-
realgymnasien, darunter 5 mit Gymnasien, I0 mit
Oberrealschulen verbunden, 17 Oberrealschulen,
darunter 9 mit Realgymnasien u. Reformreal-
gymnasgien, ferner 5 Realprogymnasien u. 4 Real-
Schulen je mit KL 7--9 auf Gemeindekosten ; b) für
die wezbl. Jugend: 1 Oberrealschule, 1 Reformgym-
nasium verbunden mit 1 Reformrealgymnasium.
Außerdem bestehen 4 niedere evang. theolog. Se-
minare zur Ausbildung evang. Geistlicher. 6,2/28SS.
Schulen Sind es 53, u. zwar 1 Progymnasium, 5 Pro-
gymnasien u. Realschulen, 7 RealprogymnasSien
oder Reformrealprogymnasien u. Realschulen, 28
Realschulen, 12 Latein- u. Realschulen. Zad“
Schulen (Schulen ohne öffentl. Oberkl.) gibt es 55,
u. zwar 7 Latein- u. Realschulen, 8 Lateinschulen,
40 Realschulen. Gemeindeprivatschulen gibt es 2
(1 Lateinschule, I Realschule); reine Privatschulen
ebenfalls 2. Daneben bestehen 19 Mädchenreal-
Schulen u. 5 private höh. Mädchenschulen.
VI.DieHochschulen: 1.Die Ü7zv. Zübingenr
erfuhr eine Änderung ihrer Verfaszung durch
eine Verfügung des Min. des Kirchen- u. Schul-
wesens vom 12.1. 1921.-- Die Stellung der Stu-
dentenschaft wurde gegenüber früher wesent-
lich geändert durch die Verfügung vom 13. I.
1921 über dieBildung von Studentenschatften an
den württ. Hochschulen. Die Zahl der ordentl.
Professuren hat Sich Seit 1914 vermehrt. 1929
gab es 65 0. ö. ProfesSuren ; ao. ProfesSuren
Sind es 17. Die Zahl der Studierenden betrug
im 8.-S. 1929 3903, Uu. zwar 3436 männl. (dar-
unter 465 Ausländer) u. 469 weibl.
2. Die Zechn. Hochschul? erhielt an Stelle der
durch Min.verftügung vom 28.1X. 1903 bekannt
gemachten Verfassung eine neue mit Wirkung
vom 1. X. 1921. Sie hat 5 Abteilungen (All-
gemeine Wissenschaften, Architektur, Bauin-
genieurwesen, Chemie, Maschineningenieur-
wesen u. Elektrotechnik). Seit 1914 hat Sich
auch an dieser Schule die Zahl der ProfesSuren
vermehrt. 1929 gab es 37 0. 6. ProfesSuren,
8 ao. Professuren. Die Zahl der Studierenden
betrug im 8.-S. 1929 1776.
3. Die Landwirtschaftl. Hochschule in Hohen-
heim bekam durch Verfügung vom 18. VI. 1922
eine neue Verfaszung. An die Stelle der Direk-

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