I335
torlalverfasSung trat die RektoratsverfasSung
wie bei den übrigen Hochschulen des Landes.
Im S.-S. 1929 150 Studierende.
VII1. Verteilung der Schullasten: Nach
dem Volksschulges. von 1836, ebenso nach dem
von 1909 galt der Grundsatz, daß die persönl. u.
Sach]. Kosten der Volksschulen von den Gemein-
den zu tragen Sind. Freilich ist dieser Grundsatz
im Lauf der Zeit insofern nicht mehr festgehalten
worden, als der Staat Sich mehr u. mehr an den
persönl. Kosten der Schule beteiligte. Dies war
namentlich der Fall in der Zeit nach dem Kriege.
Art. 2 des Schullastenges. vom 24. XII. 1920 be-
Stimmte, daß den durch die Gemeindeleistungen
nicht gedeckten Teil der Bezüge der Lehrer die
Staatskasse zu tragen habe. Diese Gemeindelei1-
Stungen (Papiermark!) verfielen der fortschreiten-
den Geldentwertung, So daß die persönl. Schul-
lasten Schließlich so gut wie ganz auf den Staat
übergingen. Dieser Zustand war so lange tragbar,
als das Reich zum Besoldungsaufwand Zuschüsse
in Höhe von 753*/, gewährte. Als mit Wirkung vom
1.1V. 1924 diese Reichszuschüsse wegfielen, mußte
die bisherige Lastenverteilung zwischen Staat u.
Gemeinden geändert werden. Die Anderung ge-
Schah durch die mit Gesetzeskraft ausgestattete
Verordnung des Staatsmin. über Anderung des
Schullastenges. vom 19. 111. 1924, wodurch die Zu-
Schüsse des Staates zu den Bezügen der hauptamt.
Lehrkräfte an den Volksschulen auf 70*/, bestimmt
wurden. Im Schullastenges. vom 30.VI1. 1925 ging
man dazu über, den Anteil der Gemeinden am Be-
Soldungsaufwand der Volksschullehrer ohne Rück-
Sicht aufdie jeweiligen Gehaltsbezüge der einzelnen
Lehrer nach dem durchschnittl. Diensteinkommen
zu bemessen. Damit wurde auch erreicht, daß bei
Besoldungsänderungen der Anteil der Gemeinden
diesen Anderungen Selbsttätig folgte. Dieser An-
teil beträgt bei großen Städten 80, bei mittleren
Städten 65 u. bei den übrigen Gemeinden 45%,
des durchschnmittl. Diensteinkommens der Lehrer.
Seit dem Besoldungsges. vom 31.V. 1920 haben
die Volksschullehrer keinen Anspruch auf freie
Wohnung, Sondern es ist ihnen ein angemessener
Betrag auf die Besoldung anzurechnen. Für die
Mittelschulen u. die allgem. Fortbildungs- u. Sonn-
tagsschulen Sind die gleichen Grundsätze wie für
die Volksschule maßgebend. Für die höh. Schulen
wurden durch das Ges. von 1920 die festgesetzten
Gemeindelasten um 530*/, erhöht, Soweit nicht
durch besondere Verträge etwas anderes bestimmt
war. Den durch die Gemeindeleistung nicht ge-
deckten Teil der Bezüge hatte die Staatskasse zu
tragen. Auch hier war wie bei den Volksschulen
die Entwicklung die, daß der Besoldungsaufwand
für die Lehrer an höh. Schulen schließlich ganz
auf den Staat überging. Deshalb hat man in
der Schullasten-VO. vom 29. III. 1924 die Zu-
ScChüsse des Staates in einer Verhältniszahl (50*/;)
festgesetzt. Im Schullastenges. von 1925 wurde der
Anteil des Staates an der Besoldung der höh. Leh-
rer auf 40% festgesetzt. -- Ganz gleich wie bei den
höh. Schulen liegen dieVerhältnisse bei den Frauen-
arbeitsschulen.- Beiden Gewerbe- u. Handelsschu-
len wurdein der Schullasten-VO. von 1924 die Betei-
ligung des Staates auf den Besoldungsaufwand be-
SCchränkt, während der ganze Sachl. Aufwand den
Gemeinden auferlegt wurde. Das Schullastenges.
Wychgram.

1336
von 19253 brachte hierin keine Änderung. -- Bei
den Landwirtschaftsschulen besoldet der Staat die
haupt- u. nebenamtl. Lehrer. Den Sach]. Aufwand
tragen bei den älteren Schulen die Oberamtsstädte
ihres Sitzes, bei den in den letzten Jahren errich-
teten Schulen die Amtskörperschaften ihres Sitzes.
Die Verträge Sind jährlich kündbar, bilden deshalb
keine dauerhafte Grundlage für diese Schulen.
Eine Neuregelung der Verhältnisse ist vorgesehen.
Schrifttum: Regierungsblatt fürW.; Amtsblatt
des Württ. Kultministeriums; Entwurf eines Württ.
Landesschulgesetzes 1929. 4. Krückle.
Wychgram, Jakob.
Geb. am 1. IX. 1858 in Emden, wo er das Gym-
nasium besuchte. Nach Univ.studien in Göttingen
u. Leipzig u. Promotion 1881 Oberlehrer in Leipzig,
1890 Dzrektor der dortigen höh. Mädchenschule u.
Später des Lehrerinnenseminars, 1900 Dzrektor der
Kgl. Augustaschule u. des Lehrerinnenseminars in
Berlin, 1. IV. 1908 als Sc/zrat in Lübeck Sachver-
Ständiger Zezratf der Oberschulbehörde für alle
Schulen, ausgenommen das Katharineum u. das Jo-
hanneum, I918 mit erweiterter Befugnis, in der Be-
aufsichtigung des Mittel- u. Volksschulwesens ent-
lastet, 23. XI1. 1919 Oberschulrat, vom 30. VII.
1921 mit der Amtsbezeichnung LardesscRulrat,
1. 11. 1924 nach dem Altersgrenzegesetz in Ruhe-
Stand, gest. zu Freiburg 1. Br. am 14. XI. 1927.
Sein Arbeitsfeld war das höh. Mädchenschu]l-
wesen, für dessen planmäß. Ausgestaltung er in
Wort u. Schrift wirkte, bes. als Begründer u.
Leiter der dessen Gesamtinteressen umfassen-
den Zeitschrift Zrauendbildunrg (1880).
Demselben Gebiet gehören an: Übersetzung der
Schriften von Vives (1883); Das weibl. Unterrichts-
wesen in Frankreich (1886); Höh. Mädchenschul-
wesen in Deutschland(1886); Handb. des höh. Mäd-
chenschulwesens (1897); Frauenberuf u. Frauen-
erziehung (1899, zus. mit J. Pierstorff u. F. Zimmer);
Gesgch. des höh. Mädchenschulwesens in Deutsch-
land u. Frankreich (1901); Vorträge u. Aufsätze zum
Mädchenschulwesen (1907). Der Mädchenbildung
galten auch Seine Bücher über deutsche Literatur
u. Kunstgeschichte, über F.v. Schiller (1895, "1922
u. Charl. v. Schiller (1904, *1926).
Sein Ziel für die Mädchenerziehung war ge-
diegene Allgemeinbildung einerSeits für die
Stellung der Frau in der Familie, anderseits
für etwaige Berufstätigkeit außerhalb der Fa-
milie, u. für beide Fälle Sowohl geistige als
Sittl. Förderung der weibl. Natur. Für die Aus-
bildung künftiger Lehrerinnen verwandelte er
daher das Lübecker Oberlyzeum in eine Stu-
dienanstalt u. förderte durch die organ. Ver-
bindung der Volks-, Mittel- u. höh. Schulen den
Aufstieg der Begabten. Für Schwachbefähigte
führte er die bedingte Hilfsschulpflicht ein.
Er errichtete ein Kindergärtnerinnenseminar,
eine Fortbildungs-, Haushalts-, Frauengewerbe-
Schule u. eine Handelslehranstalt, rief orthopäd.
Lehrkurse ins Leben u. Sorgte redlich für das
materiell2 Wohl der Lehrkräfte, bes. auch fürdie
BessSerstellung der Lehrerinnen, für die geistige

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.