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nur vorübergehend die Sprache, bis der Patient
gelernt hat, durch Zunge oder Lippe die Lücke zu
verschließen. Über Z.eztwzceklung s. Bd.1, Sp. 612f.
11. Zahnanomalien u. Zahnkrankheiten:
Aligemeinerkrankungen mfolge desZ.durchbruchs,
diefrüher eine große Rolle spielten, werden von der
heutigen Wissenschaft abgelehnt. Doch kann der
Reiz des durchbrechenden Z.es dem Kinde Be-
Schwerden machen ; insbes. ist der erschwerte
Durchbruch der Weisheitszähne wegen der oft da-
bei auftretenden, manchmal lebensgefährl. Eite-
rungen gefürchtet. -- Azomalien der Z.Struetlur,
bes. des Schmelzes, Sog. geriffelte Zähne (Hypo-
plasien) Sind auf Allgemeinerkrankungen z. Z. der
Z.entwicklung zurückzuführen. -- Im bleibenden
Gebiß beobachtet man öfter Anomalien der Stel-
Zung einzelner Zähne oder ganzer Z.reihen, mit
deren Geraderichtung Sich die Kieferorthopädie
(Ortlodontie) befaßt. -- Die wichtigste Z.krankhelit,
von der kaum ein MensSch verschont bleibt, ist die
Zahnfäule (Karies), die als lokaler Krankheits-
prozeß auf chemisch-parasitärer Grundlage auf-
gefaßt wird. Sie bestehtin einer AuflöSung der Kalk-
Salze durch Gärungssäuren aus SpeisSeresten u.einer
Zerstörung des übrigbleibenden Z.knorpels durch
Bakterienwirkung. Die Säurewirkung wird begün-
Stigt, wenn Nahrungsreste längere Zeit in der Mund-
höhle, insbes. zwischen den Zähnen u. in den Fur-
chen derselben verweilen. Zu Beginn sind die Be-
Schwerden gering, bei weiterem Fortschreiten der
Erkrankung treten Reizerscheimungen des Z.marks
(Pulpa) auf, die zu Stark Schmerzenden Entzündun-
gen (Pulpitis) u. weiterhin zu jauchigem Zerfall
(Gangrän) führen. Alsdann kann die Erkrankung
durch das Wurzelloch in den Kiefer fortschreiten
u. Schwere Knocheneiterungen verursachen. Ist
das Z.mark noch nicht erkrankt, So wird nach Ent-
fernung der erkrankten Z.masse durch Ausfüllung
der Z.höhle mit geeigneten Materialien (Gold,
Amalgam, Zement) ein Stillstand des Prozesses
herbeigeführt. Bei Erkrankungen der Pulpa kann
in manchen Fällen eine Vorbehandlung der Wurzel
u. nachfolgende Füllung den Z. noch retten. -- In
ihrer Auswirkung noch Schlimmer als die Karies ist
die Erkrankung des Z.bettes (Alveolarpyorrhoe, Z.-
bettschwund, Paradentose). Diese chronisch verlau-
fende Entzündung der Wurzelhaut u.des umgeben-
den Z.fachs führt zu Lockerungen u. Ausfall der
meist äußerlich ganz gesunden Zähne. Ein Heilmit-
tel hierfür kennt man bisher noch nicht. Eine kräf-
tige tägl. Massage des Z.fleisches kann der Krank-
heit vorbeugen u. den Prozeß günstig beeinflussen.
111. Schulzahnpflege: Da dieZ.karies mehr
als 90/4 aller Menschen befällt u. bereits in
früher Jugend beginnt, hat man in den letzten
Jahrzehnten mit Erfolg versucht, Sie planmäßig
zu bekämpften. Das Bestreben geht dahin, dem
Kinde Schon vom ersten Schuljahre an dieWich-
tigkeit der Z.- u. Mundpflege einzuprägen u. die
vorhandenen Z.Schäden in den ersten Anfängen
zu beheben, damit das Kind beim Übertritt ins
Leben mit einem gesunden Gebiß aus der
Schule entlassen wird. -- Eine BeeinflusSsung
des Gebisses durch geeignete Ernährung der
werdenden Mütter u. der Kinder Soll in den
Vereinigten Staaten (Forsyth Institute, Boston)
Zeichenunterricht u. Zeichnen im Unterricht.

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gute Erfolge erzielt haben, doch konnte man
in Deutschland bisher etwas Ähnliches nicht
erreichen. Z. YeSSern errichtete 1902 in Straß-
burg die erste SchulzaRnrlinik im Deutschland.
Ihre Segensreichen Erfolge reizten zur Nach-
eiferung, S0 daß heute mehr als 500 Städte u.
Landgemeinden in Deutschland Z.pflegestätten
besitzen, sei es, daß die Kinder in Schulzahn-
kliniken oder bei Privat-Z.ärzten behandelt
werden. Den anfängl. Nachteil, daß die Kinder
erst beim Auftreten von Schmerzen, also bei
fortgeschrittener Erkrankung zur Behandlung
kamen, hat 4. Kartorow:c2 (Bonn) dadurch ver-
mieden, daß er, mit der untersten Klasse be-
ginnend, zweimaljährlich jedesSchulkind unter-
Sucht u. behandelt. Im folgenden Jahre wird
diese Klasse weiter behandelt u. die neue
unterste Klasse kommt hinzu. Auf diese Weise
wird die Behandlung der gesamten Schulkinder
nach Verlauf von 8 Jahren durchgeführt sein.
In Bonn hat Kantorowicz erreicht, daß mehr
als 90%, der Kinder ein gesundes, bleibendes
Gebiß besitzen, ein Erfolg, der bisher nicht er-
zielt wurde u. deshalb zurNachahmung aneifert.
Als Zentrale für Auskünfte in Fragen der Schul-
zahnpflege besteht seit 1909 in Berlin W 62, Kur-
fürstenstr. 101, das Zertralkomitee für Z Aflege in
Schulen e. V., das eine Monatsschrift Dze „Schu!
zahnpflege (Seit 1910, ab 1922 vereinigt mit: Zahn-
ärztl. Mitteilungen) herausgibt.
Schrifttum: A. Cohn, Die Z.heilkunde in der
öft. Gesundheitspflege (1926); Praktikum d. Sozialen
Z.heilkunde, hrsg. von A. Drucker (1921); G. Port
u. H. Euler, Lehrbuch der Z.heilkunde (*1929);
A. Kantorowicz, Die Zukunft der Z.heilkunde u.
die zahnärztl. Sanierung des deutsch. Volkes (1919);
P. Ritter u. ]. Kientopf, Die Schulzahnpflege (1916);
Handbuch der deutschen Schulhygiene (1914);
H.J.Tholuck, Schulzahnpflege, in: Fortschritte der
Z.heilkunde, Bd. 1/VI (1925/30). &. Zilkens.
Zeichenunterricht u. Zeichnen
im Unterricht,
[Z. = Zeichnen, U. = Unterricht, ZU. = Zeichenunterricht.]
1. Entwicklung: Mit der Durcharbeitung der
Methode des ZU.5, die etwa 1880 einszetzte, kam
man zu der Erkenntnis, daß Sich die Ziele des ZU.s
den Sich jeweilig in jeder Zeit entwickelnden Kunst-
Strömungen angleichen müssen. Damit fehlt jegl.
absolute u. endgültige Zielbestimmung. Aus dem
Ideenkreis des Impressionismus, der im Bilde
einen «Naturausschnitt, gesehen durch das Tempe-
rament des Künstlers», verlangte, erwuchs die Ab-
Sicht, zum «bewußten Sehen» zu erziehen (W. Hein-
richsdorffi, Erziehung zum bewußten Sehen, Emp-
finden u. Darstellen, 3 Tle., 1909/11). Man Suchte
neben geschmackl. Kultivierung die objekt. Nie-
derschrift eines Subjekt., opt. Eindrucks im ZU.
zu erreichen. Das ist die Konsequenz des Pro-
gramms für den ZU. von 1902, die Sich bis 1918/20
in Sublimierter Form auswirkte. Etwas hinter den
künstler. Ereignissen hinkend, Suchte Sich von 1918
an unter dem Einfluß des Expressionismus eine
Subjektivere Ausdrucksform zu entwickeln, die

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