119 Kunstgewerbeschulen--Kunstpäd. u. künstler. Bildung u. Erziehung. 120
3. Als Produkt des Willens. Auch den
Willen betrachten manche als ausschließliche
oder doch als vorherrschende Formkraft der
K., Sei es, daß man mit Schopenhauer unter
Willen vor allem den Trieb versteht, oder mehr
mit Fichte u. Wundt den Sittl. Willen ins Auge
faßt. In dieser Richtung bewegt Sich auch ein
Teil der &arischule, die in der sittl. Freiheit
den höchsten Ausdruck der RK. Sieht, während
die Meukantianer Süddeutschlands die K. als
den Niederschlag u. die Verwirklichung unserer
Geistesnormen betrachten.
4. Als Produkt der Phantasie. Die-
jenigen, die der K. wesentlich künstlerische
Aufgaben u. Ziele zuweisen, neigen dahin, die
Schöpferische Phantasie als Quelle der K. an-
zusprechen. Nach MWezz2sche ist KR. «die Einheit
eines künstlerischen Stiles in allen Lebens-
äußerungen eines Volkes». In Renaissance,
Klassizismus u. Romantik finden Sich derartige
Anschauungen. Aber vor allem bekennen Sich
die typisch-ästhet. Kreise zu dieser AuffasSung.
5. Als Produkt des ganzen Menschen.
Allen vorgenannten Theorien haftet eine er-
hebl. Einseitigkeit an, da Sie nie den ganzen
Bereich der K. überblicken. In Wirklichkeit 1st
bei Erzeugung wahrer K. die ganze Seele mit-
betätigt; denn K. ist ja (s. Art. K.philosophie)
im Subjektiven Sinne Pflege u. Vollendung der
persön]l. Seelenkräfte u. im objektiven Sinne die
Vergeistigung der Natur durch die entwickelten
Seelenkräfte, gewissermaßen die Projektion
einer harmonisch-entfalteten Volksseele in die
objektive Welt. Auch die Geschichte zeigt alle
Seelenkräfte, wenn auch oft getrennt, mit dem
Aufbau der KE. befaßt. Selbst der Trieb kann
dabei als notwendiges Agens nicht entbehrt wer-
den. Für Sctiller ist K. die Harmonie zwischen
Sinnlichkeit u. Vernunft. Für Z/erder u. die
meisten /ZZumar?sten iSt K. Humanität, Voll-
menschlichkeit. Auch namhafte moderne Philo-
SOPhen vertreten verwandte Anschauungen. So
in etwa G. Stmel, der teilweise in noch Starker
Beeinflussung durch den Idealismus die KR. in
der Verobjektivierung der Seelischen Formen
erblickt. Auch an den Süddeutschen Neukan-
tianismus kann hier erinnert werden. Vor allem
aber entspricht kath. Denken eine K., die aus
der ganzen Fülle der innern Kräfte emporblüht.
TTI. Kultur u. Pädagogik: Da erzieherische
u. päd. Arbeit nur im Rahmen einer bestimmten
K.vorstellung möglich ist, Sind auch die kultur-
pSycholog. Anschauungen für Sie von entschei-
dender Bedeutung. Denn betrachtet man dieK.
als das Produkt irgend einer einzelnen Seelen-
kraft, 50 wird man auch im Erziehungsprozeß
dieser Seelenfakultät eine besondere Pflege
widmen auf Kosten der übrigen. Das würde
notwendig eine Vereinseitigung u. Schädigung
des Zöglings zur Folge haben. Eine kath. orien-
tierte K.psychologie, die den K.prozeß der

ganzen Seele zuwelist u. dabei an einer be-
Stimmten Stufung der Seelenkräfte festhält,
garantiert dadurch auch der Erziehung die
günstigsten Voraussetzungen.
Schrifttum: A.1!'HNouet, Zur Psychologie der
K.(?1913); Handbuch der vergleichenden PSsycho-
logie, hrsg. von G. Kafka (3 Bde., 1922); R. Müller-
Freienfels, Persönlichkeit u. Weltanschauung
(21923); C. G. Jung, Psycholog. Typen (5.--6. Tsd.
1930). >. P. Steffes.
Kunstgewerbeschulen.
K. Sind Fachschulen (8s. d.) zur Ausbildung
der Selbständig Schaffenden Hilfskräfte kunst-
gewerbl. Betriebe (Zeichner u. Entwerfer, Be-
triebsleiter usw.), zurfachl.u.künstlerischenFort-
bildung derHandwerksmeister u. zurFörderung
künstlerisch begabter junger Leute für selb-
Ständige Schöpferische Tätigkeit als Kunstge-
werbler. Alle geschmacklich betonten Hand-
werkszweige, aberauch mancheIndustriezweige
(Textil, Möbel, Spielwaren usw.) finden in den
allgem. Handwerker- u. EK. oder Sonderfach-
Schulen dieser Art ihre Berücksichtigung. Die
K. gehen bewußt vom Handwerk aus u. fordern
in der Regel von ihren Schülern ausreichende
Praxis möglichst mit Gesellenprüfung, ferner
ausreichende Allgemeinbildung. Man unter-
Scheidet den zusammenhängenden Lehrgang
(in der Regel 6 Semester mit vollem Tagesunter-
richt), der nach einem «festen Lehrplan» durch-
geführt wird u.miteimerAbschlußprüfung endet;
daneben freiwillige Tages- u. Abendkurse von
kürzerer Dauer, z. T. neben der Berufsarbeit.
Die Zehrpläne enthalten gesSchmacklich-künst-
lerische, fachlich-techn. u. geschätfts- u. Staats-
bürgerkundl. Fächer. Als Zearkräfte (Professo-
ren, Studienräte, Fachlehrer) werden hervor-
ragende Kunstgewerbler mit schöpferischer Be-
gabung u. ausreichendem Lehrtalent herange-
zogen, teilweise mit einem zeitlich beschränkten
Lehrauftrag (5 Jahre), wogegen freilich manche
Bedenken dbestehen.
Der verstorbene verdienstvolle Schöpfer der
preuß. K. in ihrer heutigen Gestalt, Dr. Ing.
FH. Muthesius, Spricht von den K. als den «gei-
Stigen Mittelpunkten einer künstlerischen Kul-
tur», die aus dem Werkschaffen u. dem «künst-
leriSchen Formwillen der Zeit» Ausdruck u. Ge-
Staltung fürdie wertvollen SchöpferischenKkräfte
des kunstgewerbl. Nachwuchses zu gewinnen
Suchen. Damit fällt den K. eine kultur- u. wirt-
Schaftspolitisch gleich bedeutsame Aufgabe zu.
Schrifttum: A. Kühne, Handbuch für das
Berufs- u. Fachschuiwesen, S8. 349 ff. (*1929, mit
weiteren Literaturangaben). W. Franzisket.
Kunstpädagogik u. künstlerische
Bildung u, Erziehung.
[K. = Kunst.]
1. Entwicklung: Die K.erziehungsbestre-
bungen, die am Anfang der großen päd. Reform-

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