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Schehen (Dichtwerk). Das Stegreifspiel ent-
Spricht namentlich den frühen Lebensgalter-
Stufen des Kindes u. des Schülers mit ihrer un-
gebrochenen u., in Hinsicht auf die Durchfor-
MUNS, weniger anspruchsvollen Schöpferischen
Kraft. Auf den Späteren Lebensalterstufen wird
dieses Selbstschaffen Sich mehr in der Erneue-
rung u. Ausfaltung von «Sitte u. Brauch» be-
tätigen u. in Hinsicht auf Spielstücke nach vor-
geformten Dichtwerken (Spielen Sowie Sprech-
u. Bewegungschören) greifen.
Demechten L. gemäße heutige Dichtwerke Sind
erschienen vornehmlich in den Verlagen: Bühnen-
volksbundverlag, Berlin; Chr. Kaiser Verlag, Mün-
chen; Breitkopf & Härtel, Leipzig; Arbeiterjugend-
verlag, Berlin; daneben etwa noch Callwey, Mün-
chen, u. verstreute Einzelwerke in andern Verlagen;
vgl. «Ratgeber für Jugendspielscharen», Haupt-
wohlfahrtsstelle Ostpreußen, Königsberg; das
«Taschenbuch für L.er», Bühnenvolksbundverlag;
R. Mirbt, Münchener L.-Führer (1931).
Neben das reine «Spiel» tritt ferner Seine
Verbindung mit den andern Ausdrucksgestal-
tungen der «Volkskunst», mit Musik u. Tanz.
Die Formung nach der spielgestalterischen
Seite erfolgt in der Werkgemeinschaft von Spie-
lern u. Spielführern in der Proderarbeit, unter
zuSammengreifender u. letztverantwortl. Lei-
tung des Spielführers bei tätigem Selbstschaffen
der Einzelspieler, in Berücksichtigung der je-
weiligen Besonderheit der Spielkräfte, der Spiel-
gelegenheit wie der Artung der Zuschauer.
Diese Probenarbeit muß Sich in dreifacher
Gliederung vollziehen: Enthusiast. Ergreifen
des als weSsensgemäß empfundenen Spielwerkes
in Seiner Ganzheit, zugleich Umsetzung der
Sinnmitte des Stücks in die Ausdrucksmitte
des Spiels. Entsagendes Erarbeiten der Spiel-
form im besondern (Sprache, Bewegung des
einzelnen wie der Gesamtheit, Spielraum, -kleid,
-gerät) als Entfaltung des Spieldetails aus der
Ausdrucksmitte. Persön].Durchbluten derSpiel-
form mit dem erneuten Erlebnis des Spielwertes
in den Hauptproben u. der Aufführung: Be-
zeugung des Spielsinns im Spielausdruck als
persönlich für die Spieler u. Stellvertretend für
die Zuschauer gestaltetes Symbol.
Da «nicht der enthusiast. Einzelvorstoß, Son-
dern nur dauerndes Spielen zur Kultivierungdes
L.s führen kann» (M. Luserke), ist es notwendig,
eine Ständige Spielschulung aller am L. Tätigen
durchzuführen. Sie geschieht 1. durch enge
Fühlungnahme der Führer im Lande in gemein-
Samen AUussprachen (Führerarbeitskreise in al-
len Teilen des Landes), durch gemeinsame Ver-
öffentlichungen (Das Volksspiel, Blätter für L.
u. Volkstum, hrsg. von J. Gentges u. R. Mirbt;
Fugendspielkorrespondenz,.hrsg.von B.Sasowski);
2. durch Veranstaltung von Werkwochen inVer-
bindungmit den Regierungen, Städten, Schulen,
Verbänden u. Bünden; 3. durch Schulung von
Spielscharen u. Vereinsspielgruppen ; 4. durch
Laienspiel.

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Gemeinschaftsarbeitder Spielgruppen u. Führer
mit Dichtern; 5. durch Beratungsstellen (etwa
250 in u. außerhalb Deutschlands). |
11. Päd. Bedeutung: In der lebendigen
Wechselwirkung Solcher Spielschulung u. den
Spielgruppen im Lande kann den Ad. Aufgaber
des L.S, das aber von den einzelnen Gruppen
nur Selten ausgeführt werden Soll (Spiel ist,
vom intermezzohaften Stegreifspiel abgesehen,
festliche Überhöhung des Alltags), Genüge
getan werden, die Sich auf das vierfache Ziel
der Sprelberatung, der Spielgestaltung, des Spielt
Schaffens u. der Spielführung richten. Die Wege
zu den ersten 3 Zielen Sind im Vorstehenden
Schon gezeichnet. Die Spzelführung als „Sprel-
erziehung u. Spieltherapie (Heilung durch das
Spiel) versucht, beim Spiel u. durch das Spiel
den MensSchen Selber in Seiner eigenen Lebens-
gestaltung u. Seiner Einordnung in die außer-
u. überpersönl. Lebensbezüge zu erfassen 1. zu
entfalten: Die Phantasiekräfte werden geschult
in Erlebnisfähigkeit u. Gestaltungsvermögen
(im Ergreifen der Schicksale eines Stückes, in
Seiner Sprachschöpferischen u. Spielgestalter1-
Schen Formung). Dieethischen Kräfte vermögen
Sich zu klären u. auszubilden: Die Rollen-
auswahl, die Art der Verflechtung u. Spiegelung
von Rolle u. eigenem Charakter gibt Gelegen-
heit zur Erkenntnis der eigenen Schwächen u.
Fehler. Der Führer vermag dabei /ZZemmeaunrger
in der Person Seiner Spieler zu erkennen u. frei-
zulegen ; diese wiederum vermögen Sich im
Spiel von Solchen Verkrampfungen zu lögen.
Anderzeits ist das Spiel imstande, Ungeordnet-
heiten des Charakters vorformend zu binden,
in dieser Rollengestaltung des einzelnen wie
in Seiner Zuordnung zu den übrigen Spielern
u. in der Einordnung unter das Gesamtspiel.
Im besondern hat das L. eine päd. Bedeutung
in der Schule u. in der Jugendpflege. Als Unter-
richtsprinzip (nicht nur in der Grundschule,
Sondern auf allen Stufen) durch die Totalität
Seiner Wirkung auf die zu bildenden Kräfte des
ganzen Menschen: Die eigenschöpfer. Kraft des
Sprachl., bewegungsmäßigen, handelnden Aus-
drucks, die Erkenntnis künstlerischer Formen,
die Zucht der Einordnung in einen Sinnvollen,
gemeinsamen Arbeitsvorgang. AIs Unterrichts-
gegenstand in der Schaffung von Spieltexten
u. Spieldarstellungen, in der SsSprech- u. Spiel-
mäßigen Erfassung des durch Lektüre u. Inter-
pretation nur teilweise ergreifbaren Dicht-
werkes (bes. des dramatischen). Als Unterrichts-
mittel zur Veranschaulichung (etwa in der Bür-
gerkunde: Börse, Reichstag, Arbeitsamt), zur
Unterstützung (Konversation in fremden Spra-
chen), zurMotivgewinnung u.-erweiterung(Gym-
nastik-, Zeichen-, Werkunterricht). Bes. wichtig
wird das L. in der Schule auch bei der Zusam-
menfassung des Einzelunterrichts in einen Ge-
Samtunterricht (Grundschule, Landerziehungs-

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